
Worauf muss ich achten und wie unterscheidet sich eine Veröffentlichung über Verlage und im SP?
Von Rena Rosenthal/Serena Avanlea
Als absoluter Hörbuchjunkie, der früher schon jede Folge der Drei ??? auf CD gehört hat und generell alle Hörbücher, die mir in die Finger kamen, freue ich mich umso mehr, dass Hörbücher in den letzten Jahren immer beliebter geworden sind. Denn nun gibt es noch viel, viel mehr davon und der Weg zum Hörbuch ist gar nicht mehr so schwer. Und für uns Autor*innen ist es schließlich etwas ganz Besonderes, wenn die selbst geschriebenen Worte von einem Profi zum Leben erweckt werden.
Aber welche verschiedenen Veröffentlichungswege gibt es hier eigentlich?
Das hängt natürlich stark davon ab, ob das Buch bei einem Verlag erschienen ist oder selbst veröffentlicht wurde.
Zunächst zum traditionellen Weg: In der Regel erwirbt der Verlag ja die Vertriebsrechte, und dazu gehören meist auch die Audiorechte. Nur bedeutet dies leider noch lange nicht, dass diese auch ausgewertet werden – wie ich zu meiner großen Enttäuschung am eigenen Leib feststellen musste, als meine Trilogie Die Hofgärtnerin zunächst ohne Hörbuch erschienen ist. 😢
Tatsächlich ist es so, dass auch die Inhouse-Hörbuchverlage eines großen Publikumsverlags in der Regel ganz eigenständig arbeiten und selbst entscheiden, welche Hörbücher sie mit ins Programm aufnehmen und dementsprechend auch als Hörbuch produzieren und welche nicht.
Zum Glück ist aber, auch wenn der hausinterne Hörbuchverlag absagt, das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn die Verlage (und manchmal auch die literarischen Agenturen) können die Hörbuchrechte auch an andere Hörbuchverlage herausgeben, also Lizenzen verkaufen.
Zu den bekanntesten Hörbuchverlagen gehören:
- Der Audio Verlag
- Hörbuch Hamburg
- argon Verlag
- Der Hörverlag
- Audible
- SAGA Egmont
In meinem Fall wurden die Hörbuchrechte an Audible verkauft. Die Einnahmen aus diesem Verkauf fließen mit in den Vorschuss bzw. das Garantiehonorar. Mit sieht das Geld also erst, sobald dies wieder eingespielt ist.
Wie weit wird man in die Umsetzung des Hörbuchs bei Verlagstiteln eingebunden?
Kurze Antwort: Minimal.
Lange Antwort: Inzwischen wurden sogar zwei meiner Trilogien über Audible als Hörbuch umgesetzt. Beide Male konnte ich aus fünf Sprecherinnen eine für meine Titel aussuchen. In einem Fall hatte die Sprecherin noch eine kleine Liste an Rückfragen zur Aussprache verschiedener Eigennamen, ansonsten hatte ich mit der Produktion nichts mehr zu tun. Ich habe einfach irgendwann mehrere Gutscheincodes für das Hörbuch als Belegexemplar bekommen und konnte mich über das fertige Produkt freuen.
Und wenn man das Hörbuch selbst umsetzt?
(Vorab: Wenn man die Rechte an einen Verlag verkauft hat, darf man das Buch nicht ohne Weiteres selbst als Hörbuch umsetzen, sondern muss zunächst klären, ob man die Rechte verwerten bzw. zurückkaufen kann.)

Ganz anders ist dies im Self Publishing oder wenn man die Rechte an einem Roman zurückbekommen hat.
Mittlerweile gibt es auch hier viele Möglichkeiten, selbst ein Hörbuch produzieren zu lassen. Natürlich hat man hier ebenfalls die Möglichkeit, mit Hörbuchverlagen wie etwa Miss Motte Audio oder SAGA Egmont zusammenzuarbeiten oder einen Dienstleister zu beauftragen.
Seit einigen Jahren gibt es aber auch immer mehr freie Sprecher*innen, mit denen man zusammenarbeiten kann.
Die Veröffentlichung erfolgt dann entweder – ähnlich wie im Self Publishing – exklusiv über Audible oder man arbeitet mit einem Distributor wie beispielsweise Piet Henry Records zusammen, der das Hörbuch an die verschiedenen Shops ausliefert. Die Rechte bleiben hierbei bei den Autor*innen und im Fall von Piet Henry erhält der Distributor eine Einstellungsgebühr und 10 % der Tantiemen.
Ich habe mich bei meinen selbst veröffentlichten Büchern für das letzte Modell entschieden und damit gute Erfahrungen gemacht. In diesem Fall war ich auch viel stärker in die Umsetzung eingebunden, denn ich höre jedes einzelne Kapitel selbst Korrektur und sage Bescheid, wenn sich ein kleiner Fehler eingeschlichen hat.
Allerdings gibt es wirklich sehr viele Sprecher*innen und es ist nicht einfach, die richtige Person zu finden. Ich muss zugeben, dass ich auch in viele Sprechproben reingehört habe, wo entweder zu monoton oder falsch betont gelesen wurde. Nicht selten war der Fließtext gut, die Dialoge wurden aber vollkommen ohne Variation gelesen oder umgekehrt. Und selbst wenn alles gepasst hat, musste ich manchmal dennoch absagen, da die Stimme einfach nicht zu meiner Protagonistin gepasst hat.
Ehrlich gesagt war ich bereits kurz davor, aufzugeben, als mich eine Mail aus Österreich erreichte, und endlich hatte ich eine Sprechprobe in meinem Posteingang, bei der für mich alles passte.
Da meiner Meinung nach das Finden der richtigen Sprecherin, des richtigen Sprechers das Schwierigste für uns Autor*innen ist, habe ich nun hier meine Sprecherin, Romina Schmidlechner, für euch interviewt:
Rena: Romina, vielen Dank, dass du uns ein paar Fragen beantwortest. Tatsächlich haben sich bei mir viele Sprecher*innen direkt beworben, da ich ja einige SP-Bücher draußen habe. Es gibt aber auch Autor*innen, wo man die Bücher in den Shops noch nicht sieht, da sie gerade noch im Schreibprozess sind oder erst demnächst die Rechte zurückbekommen. Hast du einen Tipp, wo man Sprecher*innen für sein Buch finden kann?
Romina: Es gibt verschiedene Plattformen wie zum Beispiel Fiverr und Upwork, auf denen Autor*innen Sprecher suchen und sogar nach Genre, Stimmfarbe, Alter und Ähnlichem filtern können. Der Sprecherpool ist mittlerweile wirklich groß geworden und ich kann mir vorstellen, dass es schon auch ein bisschen Geduld, Recherche und Glück zur Findung des perfekten Sprechers bedarf. Wahrscheinlich siegt aber die Weiterempfehlung von Autorenkolleg*innen 🙂
Rena: Wie viel würde so eine Vertonung kosten? Welche unterschiedlichen Modelle gibt es hier?
Romina: Es gibt hierzu drei verschiedene Modelle:
- PFH -paid for hours – hier bekommen Sprecher*innen eine einmalige Pauschalbezahlung. Der Preis liegt hier zwischen 200 und 500 Euro pro fertiger Audiostunde.
- Royalty Share – hier bekommen Sprecher*innen einen monatlichen Provisionsanteil. Die Anteile eines Hörbuches werden zwischen Autor*innen und Sprecher*innen mit 50/50 Prozent geregelt.
- Royalty Share Plus – hier bekommen Sprecher*innen Provisionsanteile UND eine pauschale Bezahlung.
Rena: Wie lange dauert es ungefähr, ein ganzes Buch zu vertonen?
Romina: Sehr lange 🙂 Im ersten Schritt lese ich ein Kapitel und nehme es auf. Im zweiten Schritt schneide ich die ganze Sequenz. Das bedeutet Verhaspler, lautes Einatmen, Zwischengeräusche und Lesefehler werden gelöscht, nachbearbeitet und teils noch einmal nachgesprochen. Im dritten Schritt höre ich mir das komplette Kapitel ein weiteres Mal an, um zu prüfen, ob alles seine Richtigkeit hat, damit das Hörbuch auch eine Spitzenqualität bekommt. Und der vierte Schritt ist das Mastering. Hier prüfe ich die für Hörbücher festgelegte RMS-Level, Rauschlevel und die Lautstärke.
Rena: Die Auswahl der richtigen Sprecher*innen ist, wie gesagt, wirklich schwer. Was macht deiner Meinung nach gute Sprecher*innen aus? Worauf sollte man achten?
Romina: Gute Sprecher*innen brauchen bestimmt ein Verständnis für Satzmelodie, Sprechrhythmus und bei Romanen vor allem ein Talent, sich in verschiedene Rollen hineinzuversetzen. Zum Aufnehmen selber ist ein hochwertiges Equipment nötig und zum Nachbearbeiten braucht man doch einige technische Kenntnisse. Jedoch ist meiner Meinung nach das Wichtigste an guten Sprecher*innen das Selbstbewusstsein und der Spaß an der Arbeit!
Rena: Und umgekehrt? Was wünschen sich Sprecher*innen bei der Zusammenarbeit von den Autor*innen? Gibt es irgendwelche No-Gos?
Romina: Ich für meinen Teil wünsche mir Autor*innen, deren Herz für das eigene Buch und so auch das Hörbuch brennt. Liebe zum Detail, die Bereitschaft, am gemeinsamen Projekt zu feilen und so lange daran zu arbeiten, bis das Hörbuch MEGA gut ist, setze ich voraus. Ein No-Go wäre für mich bestimmt eine Änderung am gemeinsamen Hörbuch, ohne es mit mir abzusprechen 🙂
Vielen Dank für dieses Mini-Interview!

Romina Schmidlechner ist eine kreative Sprecherin mit besonderem Gespür für Atmosphäre, Rhythmus und starken Ausdruck. Mit ihrer wandelbaren Stimme verleiht sie Werbungen, Imagefilmen, Hörformaten und künstlerischen Projekten, die aus der Masse hervorstechen, Persönlichkeit und Tiefe.
Eines ist klar!
Ich bin eine Vollblut-Geschichtenerzählerin!
Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich als Sprecherin und Sängerin, liebe es, mit meiner Stimme zu spielen und die Zuhörer zu verzaubern. Meine Leidenschaft wurde zum Beruf! Es macht mir Spaß, in andere Welten einzutauchen und den Geschichten mit meiner Stimme Leben einzuhauchen.
Meine liebsten Sprechrollen: kleine, fiese Hexen 🙂
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Die Autorin dieses Beitrags
Rena Rosenthal
Rena Rosenthal ist SPIEGEL-Bestsellerautorin aus Köln und schreibt vor allem historische Romane. Mit der erfolgreichen Hofgärtnerinnen-Saga und der Eispalast-Trilogie (Penguin Verlag) begeistert sie Leser*innen, die spannende Familiensagas lieben. Unter Serena Avanlea veröffentlicht sie zudem erfolgreiche Familiengeheimnis-Romane mit zwei Zeitebenen im Stil von Lucinda Riley und Kate Morton im Selfpublishing.
Bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie bei verschiedenen Publikumsverlagen. Neben dem Bücherschreiben arbeitet sie auch als freiberufliche Lektorin für Unterhaltungsromane. Ihre Schwerpunkte liegen dabei auf Dramaturgie, Figurenentwicklung und Exposé-Beratung.
www.herzensbuecher-lektorat.de

