Ein Blogbeitrag von Bettina Lausen (mit Dank an Charly von Feyerabend)

Wie du Lesungen akquirierst, hat Charly von Feyerabend im letzten Blogartikel erzählt. Darin ging es um den Erstkontakt mit den Veranstaltern, Honorarverhandlungen und ein gutes Lesungskonzept. Wie du eine lebendige Lesung planst, die mehr ist als eine eintönige Wasserglaslesung, erfährst du in diesem Artikel.

Ich liebe Lesungen und habe bei meinen bisher neun veröffentlichten Romanen jeweils zehn bis fünfzehn Lesungen pro Buch gehalten, ausprobiert und gelernt, Pannen erlebt und immer wieder neue Ideen entwickelt.

Unvergessliche Lesungen planen

Das Wichtigste bei Lesungen ist, dass du nicht nur vorliest, sondern den Gästen einen Mehrwert bietest. Lesen können deine Fans selbst. Sie wollen auf der Lesung dich als Autorin bzw. als Autor kennenlernen und die Geschichte hinter der Geschichte erfahren. Erzähle von deiner Arbeit, zeige Fotos von deiner Recherche, bringe Requisiten oder Goodies mit oder spiele passende Musik (GEMA-Gebühren beachten!). Vielleicht gibt es die Möglichkeit, einen Musiker für eine Gemeinschaftsveranstaltung zu gewinnen. Sei kreativ, innovativ und denke dabei um die Ecke.

Am besten erstellst du vorab ein Konzept für deine Lesungen.

Dies solltest du vor deiner Akquise planen und verschriftlichen, damit du dich mit diesem Konzept bei den Buchhandlungen und Bibliotheken vorstellen kannst. Die Veranstalter müssen wissen, was sie erwartet. Was so ein Konzept für den Erstkontakt beinhalten sollte, erfährst du im letzten Artikel von Charly von Feyerabend.

Schreibst du historische Romane, kannst du historische Fotos oder Bilder beziehungsweise Aufnahmen vom Handlungsort zeigen, du kannst Requisiten rumgehen lassen und in dem Gewand aus der Zeit deiner Figuren zur Lesung erscheinen. Ich nutze in Bibliotheken, die über einen Beamer verfügen, eine PowerPoint-Präsentation, in der ich Fotos aus dem Stadtarchiv zeige. Für Buchhandlungen habe ich die Fotos großformatig ausgedruckt und gehe damit durch die Reihen.

Schreibst du Kinderbücher, kannst du auf Lesungen mit Handpuppen arbeiten, Dinge mitbringen, die im Roman eine Rolle spielen, und auch Bilder von den Handlungsorten zeigen (wenn es kein Fantasybuch ist).

Schreibst du Krimis und Thriller, erzähle von deiner Recherche. Du könntest einen „Serienmördertest“ entwickeln und mit dem Publikum durchführen, um herauszufinden, ob jemand das „Serienkiller-Gen“ hat. Du könntest ihnen ein persönliches „Blutbild“ schenken oder zum Beispiel Patronen herumgeben, die du bei der Recherche auf dem Schießstand verschossen hast. Vielleicht findest du einen guten Lesungsort wie einen Friedhof oder eine Kapelle.

Schreibst du Liebesromane, lass das Publikum ihr Herzblatt aussuchen oder verteile Rosen.

Schreibst du Fantasy und gibt es Charakterkarten zu deinem Buch, zeige sie mit der Präsentation oder gib sie direkt als Goodie mit. Erzähle von der Entwicklung deiner Welt und was darin das Besondere ist.

Geht es in deinem Roman ums Nähen, bringe genähte Lesezeichen als Mitbringsel mit, lass Schnittmuster rumgehen oder einen besonderen Stoff.

Wenn es in deinem Buch ums Kochen geht, könnte es etwas Kulinarisches geben oder du verlegst die Lesung gleich in ein Restaurant.

Die Ideen sind zahlreich, du musst nur die passenden zu deinem Buch finden. Wichtig ist – und das möchte ich noch mal betonen, weil es so essenziell ist –, dass die Gäste etwas „mitnehmen“, was sie nicht bekämen, würden sie nur das Buch lesen.

Der Aufbau einer abwechslungsreichen Lesung

Wechsle bei deiner Veranstaltung zwischen Vorlesen, Erzählen und Interaktion mit dem Publikum, indem du Dinge zeigst, Fragen stellst oder Requisiten rumgibst. Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist mittlerweile durch die Medien sehr kurz geworden. Deine einzelnen Leseabschnitte sollten daher nicht länger als 10 Minuten dauern.

Überlege dir, was du dem Publikum erzählen kannst. Was hast du recherchiert? Welche Schwierigkeiten gab es beim Herstellungsprozess? Was gab es Interessantes im Lektorat? Wie kamst du auf die Idee zum Roman? Was gibt es über den Handlungsort zu erzählen?

Lesungen vorbereiten

Plane genug Zeit ein, um deine Lesungen vorzubereiten. Das ist nicht an einem Nachmittag getan. Vielleicht musst du ein passendes Mittelalterkleid bestellen, Fotolizenzen bei einem Stadtarchiv anfragen, Musik heraussuchen, Rezepte vorbereiten, eine PowerPoint-Präsentation erstellen oder Goodies kaufen. Die Vorarbeit, zum Beispiel die Suche nach passenden Fotos, kann Tage verschlingen. Die Erarbeitung des Gesamtkonzeptes kann durchaus einen ganzen Monat in Anspruch nehmen.

Textteile auswählen

Außerdem musst du gute Szenen für die Lesung auswählen. Welche Textstellen sind für eine Lesung geeignet? Ich beginne meist mit der ersten Szene, um die Gäste in den Roman einzuführen. Anschließend wähle ich Abschnitte aus, die die Figuren vorstellen, die Konflikte deutlich machen oder irgendetwas beinhalten, was ich als Requisite zeigen möchte. Vielleicht hast du eine Herzblutszene, auch die könnte wundervoll passen.

Wichtig ist bei der Auswahl, dass am Ende der letzten vorgelesenen Szene eine große Frage offenbleibt, damit du Spannung aufbaust und die Gäste dazu anregst, Bücher zu kaufen! Während der Lesung werfe ich immer mal wieder Fragen ein, die ich nicht auf der Lesung beantworte, und mache damit neugierig auf die Geschichte. Denke bei der Auswahl der Szenen daran, dass du sie in maximal zehn Minuten vorlesen kannst. Falls du länger für eine Szene brauchst, könntest du sie kürzen.

Textteile vorbereiten

Wenn du eine Szene ausgesucht hast, musst du nicht jedes Wort vorlesen. Du kannst Wörter, Satzteile, Sätze oder ganze Abschnitte rausstreichen! Ja, du solltest deinen Text bearbeiten. Oft kannst du Szenen kürzen, dann hast du mehr Zeit zum Erzählen und die Gäste bekommen dennoch einen Eindruck von der Szene.

Ich mache mir noch viele weitere Markierungen im Text. Sie sind mein Fahrplan. Auch wenn du deinen Text gut kennst, wirst du während Lesungen manchmal abgelenkt und es schießen dir die irrsinnigsten Gedanken durch den Kopf:

Wieso ist das Licht so hell? Wer hat da gehustet? Jemand klopft an der Tür, ob der Büchereileiter das gesehen hat und noch aufmacht? Eine Flasche ist umgefallen.

Wenn du wieder in deinen Text schaust, weißt du mit einem „Fahrplan“ sofort, wie du weiterlesen musst. Dafür helfen diese Markierungen. Du musst dein eigenes System finden, ich zeige dir meines, was du kopieren oder abändern kannst:

  • Ich umkreise Wörter, die ich betonen möchte.
  • Wenn ich irgendwo eine kleine Atempause zur Dramaturgie einsetzen möchte, setze ich einen senkrechten Strich.
  • Ich markiere mit verschiedenfarbigen Textmarkern die wörtliche Rede von Frauen und Männern, damit ich beim Lesen sofort weiß, wer gerade spricht, und ich die Stimme verstellen kann.
  • Und ganz wichtig: Ich markiere meinen Text mit Buntstiften in unterschiedlichen Farben für verschiedene Emotionen. Rot steht bei mir für Wut, Blau für Trauer, Gelb für Angst, Lila für Überraschung und Rosa für das Verliebtsein. So weiß ich sofort, in welcher Emotion ich bestimmte Sätze lesen muss.
  • Ich klebe Seitenmarker/Registerfähnchen in die Seiten, damit ich während der Lesung schnell zwischen den Szenen wechseln kann. Am besten ist es, sie zu nummerieren.

In das Buch notiere ich mir in Stichworten zusätzlich am Ende jeder Szene, was ich dem Publikum erzählen möchte. Wenn du nur Stichworte notiert hast, kannst du dir sicher sein, dass du bei der Lesung frei erzählst – so wirkt deine Lesung authentisch.

Texte lebendig vorlesen

Übe das Vorlesen! Lies deine ausgewählten Szenen mindestens zwei Mal laut vor (und stoppe die Zeit dabei). Lies langsam und deutlich, mit den verschiedenen Emotionen und vielleicht sogar mit verstellten Stimmen. Ist eine Stimme kratzig, tief oder hell, nasal oder piepsig? Anschließend solltest du eine Generalprobe machen und alles einmal durchsprechen. Tu so, als würdest du die Fotos zeigen, spiele die Musik ab und verteile scheinbar die Goodies. Stoppe wieder die Zeit. Wie lange dauert deine Lesung? Das ist dein Richtwert, doch gehe davon aus, dass du live bei der Lesung länger brauchen wirst.

Zeitmanagement

Eine Lesung sollte eine bis maximal eineinhalb Stunden dauern. Falls du länger als eine Stunde brauchst, empfehle ich dir, eine Pause zu machen.

Jetzt bist du gut gerüstet und deine nächste Lesung kann kommen. Aber ein paar Dinge solltest du noch mit dem Veranstalter absprechen, falls du es nicht bereits getan hast.

Absprachen mit dem Veranstalter

Ein paar Wochen vor der Lesung solltest du ein paar Dinge abklären:

  • Wann sollst du vor Ort sein?
  • Ab wann ist Einlass für die Gäste?
  • Wo kannst du parken? (Falls du mit dem Auto anreist.)
  • Wer kümmert sich um den Büchertisch, wenn du nicht in einer Buchhandlung liest?
  • Gibt es eine Mikrofonanlage? Gibt es ein Headset? (Praktisch, wenn du im Stehen lesen solltest.)
  • Gibt es einen Beamer und eine Leinwand? Kann der Beamer Ton übertragen?
  • Falls dies vorhanden ist und du eine Präsentation zeigen möchtest, frage nach, ob du selbst deinen Laptop mitbringen oder dem Veranstalter die Datei vorher zusenden sollst. Kleiner Tipp: Ich nutze für das Versenden großer Dateien die Internetseite wetransfer.com.
  • Du solltest dem Veranstalter mitteilen, ob du lieber im Stehen oder im Sitzen liest.
  • Wünscht sich der Veranstalter eine Pause?

Der Tag der Lesung

Du bist aufgeregt: Das ist ganz normal und gehört dazu. Um dir nicht zusätzlichen Stress zu bereiten, plane ausreichend Zeit ein. Fahre früh genug los, damit du in Ruhe einen Parkplatz suchen kannst oder die Bahn auch Verspätung haben darf.

Sei vor den Gästen am Veranstaltungsort und mache dich mit der Örtlichkeit vertraut. Bitte den Veranstalter, einen Technikcheck durchzuführen: Funktioniert das Mikro? Kann man dich gut hören? Lässt sich der Laptop anschließen? Funktioniert der Beamer?

Manche Autoren haben einen eigenen kleinen Lautsprecher dabei, wenn sie Musik abspielen möchten, denn nicht jeder Beamer verfügt über einen Lautsprecher. Gebraucht kann man solche Geräte für kleines Geld bekommen.

Richte deinen Platz ein, sodass du alles Notwendige griffbereit hast.

Falls du eine Präsentation zeigen möchtest, habe immer ein Backup dabei. Falls du den Laptop mitbringst, nimm immer ein Anschlusskabel sowie das Netzteil mit. Zusätzlich sollte die Präsentation auf einem Stick oder in der Cloud sein. Sicher ist sicher – ich habe hier schon so manche Überraschung erlebt.

Versuche trotz deiner Anspannung locker zu wirken und zu lachen. Schaue freundlich ins Publikum. Du darfst auch gern mal einen Scherz machen, das lockert die Stimmung. Je häufiger du Lesungen durchführst, desto einfacher wird dir das fallen.

Das Ende der Veranstaltung

Nach deiner Lesung biete dem Publikum eine Fragerunde an. Falls sich niemand melden sollte, erzähle noch eine kleine Anekdote oder eine Geschichte rund um die Entstehung deines Romans. Dann dürfen deine Gäste Bücher kaufen und du solltest für das Signieren bereitstehen. Für die Fragerunde und das Signieren plane ungefähr eine halbe Stunde ein.

Praktische Tipps für die Lesung

  • Nimm Ingwertee mit. Ingwer ist gut für die Stimme und fehlt auf keiner meiner Lesungen. Alternativ oder zusätzlich kannst du dir in der Apotheke Halstabletten kaufen, die auch Sänger nutzen: GeloRevoice – lindert Halskratzen, Hustenreiz und Heiserkeit.
  • Trinke vor der Lesung keine Getränke mit Kohlensäure, keinen Sprudel, kein alkoholfreies Bier, sonst kann es passieren, dass du während der Lesung aufstoßen musst, und das kann sehr unangenehm sein.
  • Meist bekommst du vom Veranstalter ein Wasser gestellt. Verlange immer stilles Wasser. Falls keins im Haus sein sollte, tut es auch Leitungswasser. Falls du das nicht magst, bringe dir selbst zu jeder Lesung eine Flasche stilles Wasser mit.
  • Lies lieber im Stehen als im Sitzen, wenn du dich das traust. So kommt die Stimme besser zur Geltung.
  • Lege eine Liste für deinen Newsletter (falls du einen hast) oder den QR-Code zu deinen Social-Media-Kanälen aus, sodass die Gäste dir bequem folgen können.
  • Du kannst ein Lesungsgästebuch mitbringen, in das sich deine Gäste eintragen können. Dazu solltest du auch einen Stift oder vielleicht mehrere (farbige) Stifte bereitlegen.
  • Bitte jemanden, Fotos von dir zu machen, die du anschließend auf den sozialen Medien verwenden darfst.
  • Bringe Flyer von deinen anderen Büchern mit; diese kannst du auf dem Büchertisch platzieren.
  • Denke auf jeden Fall an das Wichtigste: Dein Lesungsbuch! Es ist dein Fahrplan durch die Veranstaltung.
  • Nimm deinen Lieblingssignierstift (und mehrere Ersatzstifte) zum Signieren mit.

Fazit

Eine lebendige Lesung, die im Gedächtnis bleibt, ist mehr als vorgelesene Buchseiten. Sie ist deine Bühne und deine Chance, Publikum und Veranstalter zu begeistern. Mach deine Lesung lebendig, innovativ und interessant für das Publikum.


DU MÖCHTEST ZUKÜNFTIG MEHR VON DELIA LESEN?

DELIA IN DEN SOZIALEN NETZWERKEN


Die Autorin dieses Beitrags

Bettina Lausen

Bettina Lausen, geboren 1985, lebt mit ihrer Familie in Haan und hat einen Bachelor in Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Literatur und Geschichte. Sie hat bereits mehrere Romane veröffentlicht, ihr Herz schlägt dabei für das Historische. Seit 2018 gibt sie Kurse fürs kreative Schreiben und verfasst Artikel für die Fachzeitschrift „Federwelt“. Sie ist auch als Schreibcoach und Lektorin tätig. Weitere Infos unter www.bettinalausen.de

Teile diesen Beitrag: