Im ersten Teil dieses Artikels beleuchte ich die Vorteile des handschriftlichen Schreibens und gehe konkret auf die Situation von Autor*innen ein und wie sie vom Schreiben mit der Hand profitieren können. Im zweiten Teil stelle ich einige gängige, im deutschsprachigen Raum verfügbare Geräte, Hilfsmittel und Apps vor, mit denen Handschrift-Texte verfasst und in digital editierbaren Text umgewandelt werden können.

Teil 1

Warum per Hand, wenn Tippen viel schneller geht?

Die meisten Autor*innen verfassen ihre Manuskripte am Computer mit Hilfe der Tastatur. Tippen ist schon seit Erfindung der Schreibmaschine eine gängige Praxis. Und warum auch nicht? Der so entstehende Text ist problemlos les- und editierbar. Man kann ganz leicht Wörter, Sätze und Interpunktion korrigieren, streichen oder hinzufügen. Digitale Texte lassen sich in aller Regel geräteübergreifend teilen, versenden und bearbeiten.

Was für einen Vorteil hat also das für viele mühsam anmutende Schreiben mit der Hand? Ist es nicht viel zu langsam und anstrengend, und außerdem kann man die Handschrift dann vielleicht gar nicht lesen?

Die Technik macht es möglich

Durch diverse Geräte und Apps ist das Schreiben mit der Hand in den vergangenen Jahren trotz aller Unkenrufe wieder salonfähig geworden, denn durch E-Ink-Oberflächen und Schrifterkennungssysteme und -software ist die Umwandlung handgeschriebener Texte in digital editierbare Daten zum Kinderspiel geworden.

Tatsächlich entdecken viele Menschen – nicht nur, aber auch der schreibenden Zunft – das Schreiben oder Plotten per Hand für sich wieder. Denn auch wenn es auf den ersten Blick als zu langsam oder mühselig erscheint, birgt es viele Vorteile.

Ganz wie früher: Mit der Hand schreiben ist ein Gefühl

Gerade Menschen, die schon in Kindheit und Jugend viel mit der Hand geschrieben haben, also besonders Boomer*innen, GenXer*innen, Xennials und Millennials, stellen fest, dass sich das Schreiben oder Plotten per Hand wie ein Nach-Hause-Kommen anfühlt. Das hat seine Ursache in den vorhandenen, durch viele Jahre der Übung in Schule, Studium, beim Tagebuch- oder auch Briefeschreiben gefestigten Hirnstrukturen. Man kann sie auch Pfade nennen, die im Gehirn zwischen Denken, Fühlen und dem Schreiben per Hand entstanden sind und auf denen die Daten (Ideen, Geschichten, Zusammenhänge) viel leichter und reibungsloser unterwegs sind als zur tippenden Hand auf der Tastatur.

Selbstverständlich können sich solche Pfade bei ausreichender Übung ebenso zum Tippen oder zum Diktieren bilden, doch das Schreiben per Hand lernen wir in aller Regel schon in früher Kindheit, und je mehr wir es genutzt haben, desto eher wird sich auch im Erwachsenenalter zeigen, dass es uns angenehm und nützlich ist.

Ein kurzer Ausflug in die Wissenschaft

Das von Natur aus langsamere Schreiben per Hand löst eine tiefere kognitive Verarbeitung von Inhalten aus. Gedanken werden bewusster und präziser formuliert und bleiben überdies besser im Langzeitgedächtnis gespeichert. Studien haben bewiesen, dass das Schreiben mit der Hand deutlich mehr Hirnareale aktiviert als das Tippen.

Beim Schreiben mit der Hand kommt es darüber hinaus zu weniger Ablenkungen, weil es keine automatische oder manuelle Rechtschreibkorrektur, keine weiteren geöffneten Tabs, Pop-ups oder dergleichen gibt. Beim Schreiben mit der Hand verzichten wir bewusst aufs Multitasking. Das begünstigt einen längeren und stabileren Flow.

Handschrift ist motorisch, rhythmisch und kinästhetisch; es entsteht ein physisches Fließen des Denkens, das sich kreativer, emotionaler und dichter anfühlt.

Die emotionale Verarbeitung von durch Handschrift produzierten Inhalten über das limbische System ist viel stärker als beim Tippen oder Diktieren. Gefühle und Gedanken werden dabei viel klarer und realer erlebt und auch die Selbstreflexion geht tiefer. Deshalb wird das Schreiben per Hand auch häufig in Therapie und Coaching eingesetzt.

Welche Vorteile ergeben sich daraus nun für Autor*innen?

Figurenpsychologie

Beim Schreiben mit der Hand fließen die Gedanken langsamer, das Formulieren geschieht bewusster, Emotionen werden stärker empfunden.

Plotten

Handschrift fördert Ursache-Wirkung-Ketten, Logik und Spannungsaufbau. Plotfehler oder Plotlöcher fühlt man schneller, weil man sich langsamer und bewusster durch die Geschichte bewegt.

Brainstorming

In diesem Stadium der Plotfindung herrscht oft noch Chaos. Ideen und Anmerkungen werden unsortiert festgehalten, mit Pfeilen, Farben, Kritzeleien, Kästen, Dreiecken und so weiter umgeben, vernetzt, verbunden oder getrennt. Daraus entstehen visuelle Gedankennetze, denn das Gehirn denkt ebenfalls netzwerkartig und nicht so sehr linear. Viele Einfälle zum Plot, unerwartete Wendungen oder auch spannende Umwege entstehen genau in diesem Zustand. Deshalb ist die Unordnung durchaus von Vorteil.

Story-Gedächtnis

Durch das langsamere, bewusstere Schreiben verinnerlichen wir das Geschriebene mehr. Das kann sogar zu einer Art mentalem Raumgedächtnis führen: „Die Szene mit dem Kuss, als Evelyn hereinkommt, ist links unten auf der Seite.“ Man sieht also oft deutlich vor sich, wo genau man mit dem Stift auf der Schreibunterlage war, als man etwas Bestimmtes geschrieben hat.

Auch an Zusammenhänge, Foreshadowing (Vorahnungen) und Motive erinnern wir uns leichter, wenn wir sie handschriftlich festgehalten haben. Wie beim Lernen landet Handschrift eher und besser im Langzeitgedächtnis.

Flow statt Perfektionismus

Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheint, denn weiter oben schrieb ich ja, Handschrift fördere präziseres Schreiben: Sie senkt zugleich die Hemmschwelle, einfach drauflos zu fabulieren. Krumme Sätze, unvollständige Dialoge, Gedankenreste, halbfertige Formulierungen und so weiter können mit der Hand viel leichter produziert werden. Am Bildschirm springt oft der innere Zensor an und will sofort korrigieren, schleifen, den Text „schön“ machen. Handschrift fördert den kreativen Flow und kann die Produktivität steigern. Auch Schreibblockaden können auf diese Weise gelöst werden.

Intuitive Entscheidung

Beim Schreiben mit der Hand ist, wie oben schon erklärt, das limbische System stärker eingebunden, wodurch wir mehr mit unserem Bauchgefühl verbunden sind. Das kann dazu führen, dass wir beim Handschreiben intuitiv deutlich schneller spüren, wenn etwas falsch läuft oder wir uns auf ein Plotloch zubewegen.

Fazit:

Das Schreiben per Hand wurde und wird von der Wissenschaft ausführlich erforscht, und die Ergebnisse zeigen, dass es viele Vorteile für Kreativität, Workflow, Produktivität hat und den emotionalen Zugang zu unseren Geschichten und zu uns selbst fördert. Ob wir es für Notizen, fürs Plotten, das Verfassen von Szenen oder sogar von ganzen Romanen benutzen, wir profitieren dabei von der Aktivität gleich mehrerer Hirnareale gleichzeitig.

Je mehr wir mit der Hand schreiben, desto produktiver und kreativer werden wir also, und selbst die Geschwindigkeit des Schreibens nimmt mit viel Übung deutlich zu.

Da wir darüber hinaus mit der Hand ablenkungsfreier schreiben, bei Recherchelücken einfach einen Platzhaltervermerk in den Text setzen können und Sätze und Szenen viel präziser und „auf den Punkt“ formulieren, ersparen wir uns einiges an Zeit, die wir beim Tippen eher mal „verdaddeln“.

Die Überarbeitung eines mit der Hand verfassten Textes kann, nachdem er in digitalen, editierbaren Text umgewandelt wurde, in jedem gängigen Schreibprogramm wie zum Beispiel WORD oder Papyrus Autor erfolgen.

Es gibt im deutschsprachigen Raum mittlerweile diverse Geräte und auch Apps zum Verfassen von handschriftlichem Text und dessen Umwandlung. Im Folgenden gebe ich einen kleinen Überblick über die bekanntesten Geräte und Apps.


Teil 2

E-Ink-Tablets & digitale Notizgeräte mit Handschrift-zu-Text-Funktion

Diese Geräte kombinieren häufig handschriftliches Schreiben mit Stift und digitale Texterkennung (OCR/Handwriting Recognition) – ideal für Autor*innen, die handschriftlich arbeiten und dann digital weiterbearbeiten wollen.

  • reMarkable 2 und reMarkable PaperPro
    Sehr populäre E-Ink-Tablets mit natürlichem Schreibgefühl und Handschrift-zu-Text-Konvertierung über die reMarkable-Software. Mit zubuchbarer Cloudfunktion. Nutzer können handschriftliche Notizen später nachbearbeiten.
  • iFLYTEK AINOTE Paper Tablet
    Digitales E-Ink-Tablet mit KI-Unterstützung für Handschrifterkennung und erweiterte Funktionen.
  • E‑Ink Writing Tablet (Generic)
    E-Ink-Schreibgerät mit papierähnlichem Gefühl zum handschriftlichen Notieren.
  • KloudNote Slim 10.3″
    Android-basierter E-Ink-Notepad mit digitalem Stift und OCR-Funktion.
  • HUION Note X10 Digital Notizbuch
    Günstiges digitales Notizgerät mit Stift-Support.
  • XP‑Pen Magic Notizblock, Yuan Smart Writing Set, LUCKKY Ai‑Powered Smart Writing Set
    Smart-Writing-Sets, die handschriftliche Notizen über Stift-Sensoren aufnehmen und per App in Text umwandeln können.
  • Kindle Scribe
    Vollwertiger E-Reader von Amazon, mit dem auch handschriftliche Notizen digital erfasst und (teilweise) in Text umgewandelt und versendet werden können.

Viele dieser Geräte speichern handschriftliche Notizen als Datei und nutzen dann OCR oder KI-Texterkennung, um deine Handschrift in durchsuchbaren und editierbaren Text zu konvertieren.

Tablet-/Smartphone-Apps für Handschrift-zu-Text-Konvertierung

Wer bereits ein Tablet (iPad, Android–Tablet, Surface etc.) besitzt, kann Handschrift digital erfassen und umwandeln – zum Beispiel via Notizen-Apps mit integrierter Konvertierung.

  • GoodNotes (iPad/iOS)
    Handschrift digital schreiben und mit Lasso-Tool in Maschinentext verwandeln.
  • Nebo
    Sehr leistungsfähige App mit Handschrift-Erkennung, die Texte in Word/PDF exportiert.
  • Microsoft OneNote
    Unterstützt Handschrift und OCR, Texte werden durchsucht/erkannt (v. a. mit stylusfähigen Geräten).
  • Evernote
    Erkennt Handschrift in Bildern und Notizen, macht sie durchsuchbar.

    Auch die Anbieter von Tablets und Smartphones (Apple, Samsung, Huawai usw.) bieten inzwischen eigene Notiz-Apps. Voraussetzung ist ein Gerät mit entsprechendem Stift, der entweder im Lieferumfang enthalten ist oder hinzugekauft werden kann, und die erforderliche Funktion des Geräts, handschriftlichen Text zu erkennen.

    OCR-Apps zum Scannen von Papier-Notizen

    Wer lieber klassisch auf Papier schreibt, kann den Text anschließend mit dem Smartphone scannen und digital umwandeln:

    • Pen to Print (iOS & Android)
      OCR-Scanner speziell für Handschrift.
    • OCR-Scanner / Text-Erkennungs-Apps wie Microsoft Office Lens oder andere Handschrift-OCR-Apps (Google Lens, etc.).
    • PDF-OCR-Tools (Browser/Software) wie PDF24 oder Adobe Acrobat (Online/Software)
      Konvertieren gescannte Seiten in durchsuchbare/editierbare PDFs/Text.

    Diese Tools nutzen Bild-OCR, um handgeschriebene Seiten einzulesen und als Text auszugeben – ideal für alle, die zum Beispiel viele alte Notizen oder Papierseiten digitalisieren wollen.

    Smart Pens & Smart Writing Sets

    Diese verbinden echte Stifte mit speziellen digitalen Notizsystemen – oft mit App-Sync und OCR/Text-Export:

    • Smart Pens mit Notizbüchern wie diverse Smart Writing Sets (siehe oben), die über Sensoren oder eine gekoppelte App die Handschrift digital erfassen.

    Vorteil: Man benutzt echtes Papier und einen Stift, bekommt aber später eine digitale Version der Notizen.

    Zusammengefasst

    Es gibt mehrere Wege, um handschriftliche Texte digital zu machen – vom spezialisierten E-Ink-Tablet über Apps mit Handschrift-Erkennung bis hin zu OCR-Scanner-Optionen für Zettel & Papier. Viele dieser Lösungen lassen sich direkt bearbeiten, durchsuchen, exportieren oder weiterverarbeiten – ideal für Autor*innen, die analog schreiben und digital weiterarbeiten möchten.

     Übersicht über die wichtigsten Funktionen zur Entscheidungshilfe

    VerwendungEmpfehlung
    Maximale Handschrift-zu-Text-Integration & WorkflowE-Ink-Tablet / reMarkable / Nebo
    Günstig & mobil unterwegsOCR-Scanner-Apps & Smartphone
    Papiergefühl + digitale BackupsSmart Writing Sets
    Allround-Notizen am TabletGoodNotes / OneNote / Evernote

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    Die Autorin dieses Beitrags

    Petra SChier

    Petra Schier, geboren 1978, lebt mit Mann und Hund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel (Kreis Ahrweiler). Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet seit 2003 als freie Autorin. Sie schreibt sehr erfolgreich historische Romane sowie romantische Weihnachtsromane und Liebesromane, die großen Publikumsverlagen sowie im Selfpublishing erscheinen.

    Unter dem Pseudonym Mila Roth publiziert sie darüber hinaus verlagsunabhängig erfolgreiche Agententhriller-Buchserien.

    Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Autorin: www.petra-schier.de

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