Hast du dich als Kind auch immer so unbändig auf Weihnachten gefreut? Und auf stundenlange Lesezeit unterm Christbaum? Was waren wir doch alle so naiv. Damals ahnten wir noch nichts von Vorweihnachtshektik und Geschenkestress. Und von Abgabeterminen sowieso nichts.

Wie schön wäre es doch, noch einmal so unschuldig und frei von Zwängen zu sein wie damals! Und weißt du was? Es ist möglich, genau das noch einmal zu erleben. Zwar können wir die Uhr nicht zurückdrehen, wohl aber die Stressfaktoren

zurückschrauben.

1: Deko-Downsizing

„Früher war mehr Lametta? Im Gegenteil!“

Mit dem vorweihnachtlichen Dekorieren könntest du locker zwei bis drei komplette Arbeitstage verbringen. Bis jeder Leuchtstern am perfekten Platz erstrahlt, jedes Krippenfigürchen nach Feng Shui ausgerichtet und jedes Sprühschnee-Fensterbild angebracht ist, braucht es seine Zeit. Wann hat das eigentlich angefangen, dass ein simpler Adventskranz und vielleicht noch eine Bodenvase mit strohsternbehängten Tannenzweigen nicht mehr ausreichte?

Unser Tipp: Reduziere den Weihnachtsschmuck auf ein Minimum. Am besten konzentrierst du dich auf die Stücke, die dir so gut gefallen, dass du dich theoretisch auch das ganze Jahr über daran erfreuen könnten. Und dann tust du genau das!

Merke: Was man nicht wegräumt, muss man im nächsten Advent auch nicht wiedersuchen. Und in der eingesparten Zeit kannst du locker zwei, drei Kapitel lesen (oder eins schreiben).

2: To-do-Cancelling

„Abhaken ist gut. Durchstreichen ist besser!“

Vielleicht hat man dir geraten, Aufgaben zu verteilen, um den Stress zu reduzieren. Vergiss das! Das macht am Ende sogar noch mehr Arbeit. Bekämpfe das Übel lieber an der Wurzel und stutze die Aufgabenliste auf das absolut Notwendige zurecht! Ganz ehrlich: Glaubst du wirklich, deine Verwandtschaft freut sich über die alljährlichen Hunde-und/oder-Kinder- mit-Nikolausmützen-Fotos? Bist du sicher, dass du die Feiertage ohne frische Strähnchen nicht überstehst? (Auch wenn die Stunden beim Frisör natürlich geschenkte Lesezeit sind …) Und wer soll bloß all die Plätzchen essen, die du im Schweiße deines Angesichts backst?

Unser Tipp: Das sprichwörtliche „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ tritt an Weihnachten außer Kraft! Mache dir nicht mehr Arbeit als nötig. Am besten gar keine. Stattdessen kannst du: genau, lesen!

Merke: Die Wohnung putzen, bevor die Gäste kommen, ist so sinnvoll wie den Verdauungsschnaps vor dem Essen zu trinken!

3: Shopping-Minimalismus

„Eines für alle statt für alle irgendwas“

Was dem Großvater schenken, der doch eh alles hat? Was der Mutter, die überhaupt keine Hobbys pflegt? Was dem Onkel, der gar nicht so viele Socken durchlöchern kann, wie er Jahr für Jahr bekommt? Geschenke kaufen ist Stress pur! Wenn man auf Geldpräsente und Gutscheine verzichten und wirklich für jeden etwas ganz Individuelles aussuchen will. Tu dir das gar nicht erst an – es klappt ja doch nicht.

Unser Tipp: Kauf einfach für alle dasselbe. Ein witziges Spiel oder noch bresser: ein angesagtes Buch. Auf jeden Fall irgendwas, was dir selbst so gut gefällt, dass du davon überzeugt bist: Das könnte allen gefallen. Und wenn nicht? Wer’s nicht mag, kann es ja umtauschen!

Merke: Das Motto „Keep it simple“ macht aus Shopping-Stress einen gemütlichen Einkaufsbummel. Wer es noch reduzierter mag, kaufe einfach nur ein einziges Präsent und verlose das unter seinen Lieben. Das macht die Bescherung gleich noch viel spannender.

4: Party-Verweigerung

„Lieber blau machen als blau werden!“

Auf welche Weihnachtsfeiern freust du dich wirklich? Und zu welchen gehst du nur anstandshalber? Weil es deine Vorgesetzten, dein Partner oder deine Partnerin, deine Kinder, deine Freunde, deine Clubkameraden, deine Kolleg*innen, deine Nachbarn oder sonst wer erwarten? Und dann musst du schon wieder etwas für die Tombola spenden, langweilige Reden ertragen, „O Tannenbaum“ singen, schrottwichteln und so tun, als hättest du das peinliche Techtelmechtel am Nebentisch nicht bemerkt.

Unser Tipp: Konzentriere dich auf die Veranstaltungen, auf die du dich wirklich freust! Und sag alle anderen gnadenlos ab. Oder noch besser: Sag nicht ab, sonst wird man versuchen, dich zu überreden. Mach einfach blau. Nichts ist befreiender!

Merke: Entschuldige dein Fernbleiben nur, wenn jemand dich vermisst hat und sich anschließend erkundigt, wo du gesteckt hast. Und auch dann genügt ein simples: „Hab’s einfach nicht geschafft. Weihnachtsstress – du weißt ja …“

5: Verpackungs-Boykott

„Schließlich geht’s ums Auspacken – nicht ums Einpacken!“

Natürlich ist es ein bisschen unromantisch, das Schmuckstück, das Buch oder den Seidenschal einfach so zu überreichen. Wenn es keine Verpackung gäbe, wäre die Bescherung eine ziemlich nüchterne Veranstaltung. Aber musst du dich deshalb gleich mit Glitzerpapier, Engelaufklebern, Geschenkband und Folienschleifen abquälen? Es geht doch nur darum, den Augenblick der Erkenntnis ein bisschen hinauszuzögern.

Unser Tipp: Verpacke deine Geschenke in Kissenhüllen. Die gibt es in fast allen Formaten und meistens auch mit Reißverschluss. Das spart unfassbar viel Zeit, sieht gut aus und löst das Post-Bescherungs-Müllentsorgungsproblem gleich mit: Einfach Hüllen wieder zusammenfalten und zurück in den Schrank. Fertig!

Merke: Falls ein Präsent ein bisschen großformatiger ausfällt – das Ganze funktioniert natürlich auch mit Bettbezügen.

6: Menü bearbeiten

„Das ist doch bloß Nahrungsaufnahme! Eigentlich …“

Karpfen. Gans. Raclette. Truthahn. Wild. Knödel. Rotkohl … Da leidet man ja schon beim Lesen unter Völlegefühl! Hast du etwa, so wie das früher üblich war, in der Adventszeit gefastet? Nein? Nun, dann kannst du dich beruhigen: Du wirst über die Feiertage auf gar keinen Fall verhungern. Vermutlich musst du vorher nicht einmal einkaufen gehen, um sitt und satt zu werden, wetten?

Unser Tipp: Wie wäre es mit einem leckeren Resteessen? Einfach alles in eine Auflaufform, Käse drüber und ab in den Ofen. Und gleich hast du viele Stunden gewonnen, die du viel sinnvoller nutzen können. Am liebsten zum Lesen, natürlich.

Merke: Irgendwas ist immer in der Speisekammer. Oder im Tiefkühler. Oder in der Süßigkeitenschublade …

7: Extrem-Couching

„Feiertage sind zum Faulenzen da!“

Wie viele Pflichtbesuche hast du geplant? Und wie viele Gäste erwartest du? Vermutlich kommt da, alles in allem, eine stattliche Zahl zusammen. Oder aber du machst es wie bei den Weihnachtsfeiern und streikst einfach.

Unser Tipp: Triff dich einfach nur mit den Menschen, die du wirklich gern um dich haben willst. Je weniger Höflichkeits-Begegnungen der unerfreulichen Art du absolvierst, desto geringer das Konfliktpotenzial – und das ist an den Feiertagen bekanntlich besonders groß.

Merke: Man muss auch einfach mal nichts machen. Wenn nicht an Weihnachten, wann dann? (Übrigens: Lesen zählt in dem Fall zum Nichtstun, weil es so herrlich entspannt. Schreiben eher nicht. Wetten, du schaffst den Abgabetermin dennoch?)


DU MÖCHTEST ZUKÜNFTIG MEHR VON DELIA LESEN?

DELIA IN DEN SOZIALEN NETZWERKEN


AUTORIN DIESES BEITRAGS:

Heike Abidi

Heike Abidi lebt mit ihrer Familie in der Pfalz. Vom Weihnachtstrubel lässt sie sich nicht sonderlich beeindrucken – und genau deshalb kann sie die Feiertage ganz entspannt genießen.

Die studierte Sprachwissenschaftlerin arbeitet als freiberufliche Werbetexterin und Autorin. Sie schreibt sowohl Liebesromane als auch unterhaltende Sachbücher sowie Kinder- und Jugendbücher.

Seit 2012 ist sie DELIA-Mitglied, seit 2019 Präsidentin von DELIA.

Teile diesen Beitrag: