Carlotta und Lilli sind
Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Während die
lebenslustige Carlotta mit beiden Beinen im Leben steht, ist die viel
konventionellere Lilli umso verträumter und leidet unter ständigem
Liebeskummer. Um dem ein Ende zu setzen, beschließt Carlotta, Lilli den
passenden Mann zu suchen: ruhig, romantisch, zuverlässig und
ordentlich. Damit plant Carlotta ohne ihre Schwester - und ohne ihr
eigenes Herz. Denn als sie schließlich den Richtigen gefunden zu haben
scheint, ist das Chaos der Gefühle erst recht perfekt.
»Trinken wir denn jetzt zusammen einen Kaffee, oder hast du heute schon genug für deinen Kreislauf getan?« Er blinzelte ihr zu, als wüsste er, dass sie normalerweise keine sonderlichen Probleme mit ihrem Kreislauf hatte und eigentlich überhaupt keinen Kaffee mochte. Abgesehen davon, trieb allein seine Nähe ihren Blutdruck in ungeahnte Höhen.
»Wenn ich dich nicht zu sehr aufhalte, trinke ich gern einen Kaffee. Ich meine, vielleicht hast du Wichtigeres zu tun.« Sie biss sich auf die Zunge.
»Ehrlich gesagt … ich würde mich gern vorher anziehen.« Wieder kniff er ein Auge leicht zusammen, und von seinen für einen Mann sehr langen Wimpern löste sich ein Wassertropfen, der langsam über seine Wange rollte, bis er in dem länglichen Grübchen verschwand, das sich neben seinem Mundwinkel bildete, wenn er lächelte so wie eben jetzt.
»Natürlich kannst du dich vorher anziehen! Entschuldige. Also wirklich … Meinetwegen musst du nicht halb nackt hier herumstehen.« Während sie all diese peinlichen und zusammenhanglosen Worte hervorstieß, spürte Lilli, wie ihre Knie weich wurden. Vielleicht war es doch die einfachere Lösung, sang- und klanglos in Ohnmacht zufallen und sich von irgendwelchen Rettungssanitätern in Sicherheit bringen zu lassen, die Jonathan mit größerer Wahrscheinlichkeit holen würde, als höchstpersönlich Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. Zumal er ja gar keine Hand frei hatte.
Ihre Gedanken verwirrten sich zusehends. Das alles war für eine Flirtanfängerin entschieden zu viel! Kraftlos ließ sie sich auf das kleine Schränkchen an der Wand sinken. Dieses gab ein lautes, protestierendes Knirschen von sich und sackte ohne weitere Umstände in sich zusammen, um als Bretterhäufchen am Boden liegen zu bleiben, auf dem Lilli fassungslos und mit brennenden Wangen wie eine besiegte Siegerin hockte, verzweifelt wünschend, sie wäre nie geboren worden.
LESEPROBE
»Trinken wir denn jetzt zusammen einen Kaffee, oder hast du heute schon genug für deinen Kreislauf getan?« Er blinzelte ihr zu, als wüsste er, dass sie normalerweise keine sonderlichen Probleme mit ihrem Kreislauf hatte und eigentlich überhaupt keinen Kaffee mochte. Abgesehen davon, trieb allein seine Nähe ihren Blutdruck in ungeahnte Höhen.
»Wenn ich dich nicht zu sehr aufhalte, trinke ich gern einen Kaffee. Ich meine, vielleicht hast du Wichtigeres zu tun.« Sie biss sich auf die Zunge.
»Ehrlich gesagt … ich würde mich gern vorher anziehen.« Wieder kniff er ein Auge leicht zusammen, und von seinen für einen Mann sehr langen Wimpern löste sich ein Wassertropfen, der langsam über seine Wange rollte, bis er in dem länglichen Grübchen verschwand, das sich neben seinem Mundwinkel bildete, wenn er lächelte so wie eben jetzt.
»Natürlich kannst du dich vorher anziehen! Entschuldige. Also wirklich … Meinetwegen musst du nicht halb nackt hier herumstehen.« Während sie all diese peinlichen und zusammenhanglosen Worte hervorstieß, spürte Lilli, wie ihre Knie weich wurden. Vielleicht war es doch die einfachere Lösung, sang- und klanglos in Ohnmacht zufallen und sich von irgendwelchen Rettungssanitätern in Sicherheit bringen zu lassen, die Jonathan mit größerer Wahrscheinlichkeit holen würde, als höchstpersönlich Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. Zumal er ja gar keine Hand frei hatte.
Ihre Gedanken verwirrten sich zusehends. Das alles war für eine Flirtanfängerin entschieden zu viel! Kraftlos ließ sie sich auf das kleine Schränkchen an der Wand sinken. Dieses gab ein lautes, protestierendes Knirschen von sich und sackte ohne weitere Umstände in sich zusammen, um als Bretterhäufchen am Boden liegen zu bleiben, auf dem Lilli fassungslos und mit brennenden Wangen wie eine besiegte Siegerin hockte, verzweifelt wünschend, sie wäre nie geboren worden.



