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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

versprich mir, mich nie zu heiraten


Dorothea Wassermann, Mitte dreißig, nimmt sich vor, für ein Jahr der Männerwelt zu entsagen, um mal so richtig ungestört zu sich zu finden. Kein leichtes Unterfangen, zumal die Männerwelt einiges zu bieten hat. Wenn dann noch eine Karibikreise dazukommt und ein attraktiver Schiffsarzt sowie der smarte Trainer eines Damenfußballteams dem Gelübde in die Quere kommen, heißt es, die ganze weibliche Kraft zusammennehmen.





LESEPROBE


Am nächsten Morgen wurde Doro von Lärm und Getöse geweckt. Der mächtige Schiffsrumpf schien zu beben, dann stoppten plötzlich die Maschinen. Wohltuende Ruhe herrschte in der Kabine. Von draußen hörte man Männerstimmen, die sich etwas zuriefen, auch Gelächter drang herein.

Maria seufzte und drehte sich noch einmal um. Doro stand auf und zog den Vorhang vor dem runden Kabinenfenster ein Stück zurück. Gleißender Sonnenschein fiel in den Raum.


Maria meuterte schlaftrunken los: »He, was soll das? Ich will noch schlafen, ich bin hundemüde.«

»Kein Wunder!«, gab Doro ungerührt zurück. Draußen, auf der Hafenmole, bot sich ihr ein farbiges Bild wie aus einem Reiseprospekt. Eine Steelband, bestehend aus fünf jungen schwarzen Musikern mit Rastalöckchen, bearbeitete ihre Instrumente. Direkt neben der Gangway hatten sie sich postiert. Damit auch ja alle Schiffspassagiere, die aus dem Bauch der Paradise in Kürze auftauchen würden, an den Musikern vorbeimussten. Ein Stück weiter hinten Doro Häuser im bunten Zuckerbäcker- und Kolonialstil ausmachen. Sie sah riesige Sonnenschirme, unter denen schwarze Frauen Obst und Gemüse verkauften. Klapprige Pritschenautos, beladen mit etwas Gelbem, das aussah wie Bananen, brausten die Hafenstraße entlang, aber auch Limousinen mit dunkel getönten Scheiben gab es.

»Steh auf, Faulpelz!«, sagte Doro laut und riss den Vorhang mit einem Ruck ganz auf. »Wir sind auf Martinique. Dieses Fort-de-France scheint hübsch zu sein, und wir laufen bereits am späten Nachmittag wieder aus. Also reiß dich zusammen …« Dann verschwand sie rasch im Bad. Derweil konnte sich Maria an die Tatsache gewöhnen, dass die Nacht um war.

Sie frühstückten auf dem Oberdeck unter einem Sonnenschirm. Von hier aus konnte man das Treiben im Hafen bequem beobachten.

Maria schien einen gesegneten Appetit zu haben. Amerikanische Frühstücksbüfetts sind ohnehin die reichlichsten der Welt, aber die der Paradise übertrafen jedes Hotel.

Auf Marias Tablett häuften sich neben gebratenen Eiern
Bratkartoffeln, Würstchen, Toast, Obst, Kuchen, außerdem ein Fruchtjoghurt und eine Schale mit Cornflakes.

»Wau«, sagte Doro, »dieser Schiffsarzt muss ein Phänomen im Bett sein. Offensichtlich bist du völlig ausgehungert. Hat er sich als Vampir betätigt und dir Blut ausgesaugt, oder was ist los?«

Und dabei hatte sie sich in der Nacht vor dem Einschlafen noch geschworen, um nichts in der Welt das Thema von sich aus anzuschneiden! Man sollte die eigene Neugierde niemals unterschätzen, wurde ihr klar …

Maria grinste vielsagend.

»Das mit dem Blutaussaugen ist ein etwas schräges Bild. Ich würde eher sagen, er hat eine ganz schöne Ladung potenzieller kleiner Eduardos, schwimmend in einer Proteinsuppe, in mich reingepumpt! Eigentlich müsste er es sein, dem heute Morgen die Knie wackeln, und wahrscheinlich tun sie das auch. Während bei mir möglicherweise mein gesegneter Appetit als erstes Anzeichen einer Schwangerschaft zu deuten ist.«

»Das kannst du frühestens in zwei, drei Wochen wissen! Außerdem gibt es in deinem Alter immerhin auch die Möglichkeit, dass nicht gleich der erste Schuss zum Erfolg führt. Wenn eine Frau über fünfunddreißig ist, nimmt ihre Fruchtbarkeit rapide ab …« - Doro wusste natürlich, dass sie gemein war, konnte aber momentan nicht anders. Sorry, Maria!

Die aber bewahrte Haltung.

»Natürlich habe ich diese Möglichkeit in Betracht gezogen«, erklärte sie kühl, »zwei, drei Nächte gönne ich dem guten Eduardo noch. Dann ist mein Eisprung sowieso vorbei.«




Jeanette Sanders


Jeanette Sanders - Versprich mir, mich nie zu heiraten
Moments Verlag März 2005
Hardcover (im 3er Pack)
ISBN: 3-93767-022-X


Jeanette Sanders - Versprich mir, mich nie zu heiraten
Moments Verlag Juli 2004
Taschenbuch (vergriffen)
ISBN: 3-89996-205-2


Jeanette Sanders - Versprich mir, mich nie zu heiraten
Originalausgabe
Wunderlich-Rowohlt Verlag
November 1998
Taschenbuch (vergriffen)



Originalausgabe: Wunderlich-
Rowohlt Verlag November 1998
Genre: Freche Frauen
Zeit: Gegenwart
Handlungsort: München