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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

der hang zum zweitmann


Was den Männern recht ist, ist den Frauen gerade gut genug. Das jedenfalls finden die Freundinnen Mona und Lona, die von den Eskapaden ihrer Angetrauten die Nase voll haben. Als Mona entdeckt, dass Leander sie auf seinen angeblichen Forschungsreisen hemmungslos betrügt, entwirft sie mit Lona einen Schlachtplan. Einen, den sich ihre Männer in deren kühnsten Träumen nicht vorstellen konnten.

Nach nur einem Sommer sieht die Welt schon ganz anders aus …





LESEPROBE


Die Vernissage war gut besucht. Trotzdem hätte ich David, auch ohne Crissys Beschreibung, sofort als den ausstellenden Künstler erkannt. Er hob sich wohltuend von den übrigen Wichtigtuern in Anzug und Fliege ab. David trug eine helle Leinenhose und dazu ein passendes zartgelbes Hemd. Keine Krawatte, keine Fliege, nicht einmal ein Tuch. Der Hemdkragen stand offen. Der ganze Mann machte einen legeren, aber gepflegten Eindruck. Er gefiel mir auf Anhieb. Dabei war er im eigentlichen Sinne nicht einmal besonders gut aussehend. Er trug seine dunkelblonden Haare sehr kurz geschnitten. Das brachte allerdings seine schöne Schädelform gut zur Geltung. Auch seine Ohren waren höchst wohlgeformt, was meiner Ansicht nach bei Männern eher selten vorkam.

Ich brachte es tatsächlich fertig, seinen Blick einige Male auf mich zu ziehen und für jeweils zwei bis drei Sekunden festzuhalten, während ich mit meinem Proseccoglas in der Hand dekorativ in der Gegend herumstand. Für den Anfang gar nicht schlecht, fand ich.

Schließlich postierte ich mich geschickt neben einem seiner Bilder, das mir besonders gefiel. Es zeigte eine südliche Landschaft mit Zypressen. Ich tat so, als mustere ich eingehend das Preisschildchen unter dem Ölgemälde.

Als er neben mich trat, konnte ich den dezenten Herrenduft riechen, in den er sich zur Feier des Abends gehüllt hatte.

»Über den Preis lässt sich noch sprechen«, sagte David. Seine Stimme klang angenehm, voll und warm. Ich fragte mich, ob der Galeriebesitzer diese Bemerkung eben gerne gehört hätte.

»Ich fürchte, ich kann es mir trotzdem nicht leisten. Obwohl es mir sehr gefällt«, sagte ich spontan. Nur um mich sofort zu ärgern über meine blauäugige Offenheit.

Verdammt, ich sollte ihm lieber die Frau von Welt vorspielen, die Sorte mit einem Haufen Geld! Schon wegen Crissy. Himmel, Mona, du bist tatsächlich aus der Übung, was Männer und Flirten anbelangt!!! Na ja, zehn Jahre mit Leander hatten eben ihre Spuren hinterlassen, auch in dieser Hinsicht.

David lachte. Auch das klang angenehm, voll und warm. Er fragte: »Darf ich Ihnen noch ein Glas Prosecco bringen?«

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich längst auf dem Trockenen saß, also nickte ich. Große Lust, mich selber in das Getümmel an der Bar zu stürzen, verspürte ich ohnehin nicht.

Drei Minuten später war David wieder an meiner Seite. Wir stießen an, er sah mir dabei tief in die Augen, ich guckte intensiv zurück.

Ohne Crissys Auftrag hätte ich das nie so direkt gemacht, sagte ich mir hinterher. Wir plauderten, tranken unsere Gläser leer, David holte neue, wir tranken wieder, stießen miteinander an und guckten uns tief in die Augen. Und dabei musste es dann irgendwann passiert sein …

Am nächsten Morgen erwachte ich jedenfalls in einem fremden Hotelzimmer und in Davids Armen!



Jeanette Sanders


Jeanette Sanders - Der Hang zum Zweitmann
Moments Verlag 2004
Hardcover (im 3er Pack)
ISBN: 3-89996-079-3
(vergriffen)


Jeanette Sanders - Der Hang zum Zweitmann
Originalausgabe
Wunderlich-Rowohlt Verlag
Januar 2000
Taschenbuch (vergriffen)



Originalausgabe: Wunderlich-
Rowohlt Verlag Januar 2000
Genre: Freche Frauen
Zeit: Gegenwart
Handlungsort: München