Als die Waffenexpertin Karen
Lombard entführt wird, beauftragt die Regierung die Spezialeinheit von
Clint Hunter mit der Befreiung. Zwar wird Karen gerettet, doch bei der
Mission läuft vieles schief. Clint quittiert den Dienst und lebt seit
nunmehr vier Jahren auf der Ranch seiner Eltern in Montana.
Karens Leben dagegen verlief in der Zwischenzeit alles andere als ruhig, denn seit der Entführung stoßen ihr immer wieder gefährliche Missgeschicke zu, die sie nicht nur körperlich verletzt haben, sondern auch seelisch. Nach dem jüngsten Zwischenfall erkennt sie schließlich, dass jemand versucht, sie umzubringen: Die Unfälle der vergangenen Jahre waren missglückte Mordversuche. Offenbar will eine Terrorgruppe so an Karens Waffenprojekt herankommen. Die Spezialistin ist völlig verzweifelt und weiß nicht, wohin sie sich wenden soll, denn sie kann niemandem mehr trauen - außer dem Mann, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat. So macht sie sich also auf die Suche nach Clint Hunter …
Riskante Nähe ist nach »Canyon der Gefühle« der zweite Roman von Michelle Raven über die Geschwister Hunter. Nach Shane Hunter, der als Ranger seiner Kollegin Autumn bei der Flucht vor deren Ex-Freund hilft, steht diesmal der SEAL Clint Hunter im Mittelpunkt. Doch auch mit Shane und Autumn gibt es ein Wiedersehen.
Diamond Bar Ranch, Montana, Juli 1998
Der Tag fing schlecht an und von da an ging es steil bergab. Clint Hunter, Captain des Alpha Squads von Navy SEAL Team 11, stand gerade auf der Ranch seiner Eltern bis zu den Hüften in einem mit Morast gefüllten Loch in das sich eine der Kühe verirrt hatte, als sein Pager sich meldete. Das fremdartige Geräusch erschreckte die panische Kuh derart dass sie durch ihr Gezappel noch tiefer in den Schlamm gezogen wurde.
»Shit.« Mit Fingern die ebenso dreckig waren wie der Rest von ihm zog er vorsichtig den Pager von seinem Gürtel. Bevor er die Nummer richtig erkennen konnte rutschte das Gerät durch seine schlammigen Finger und fiel in den Matsch.
»Verdammt.« Hastig bückte sich Clint um ihn zu retten. Er zog den Pager aus dem Morast und wischte mit den Fingern über das Display. Gott sei dank war es die wasserdichte Variante. Die Nummer gehörte zum Naval Special Warfare Command in Coronado. Clint seufzte. Wer sollte ihn auch sonst anpagen? Im Prinzip hatte er außerhalb der Navy kein Leben. Sein Pager war auch ohnehin nur für Notfälle reserviert. Und kaum gönnte er sich seit Jahren das erste Mal wieder mehr als ein paar Tage Erholung, schon wurde er wieder von seinem Arbeitgeber gerufen. Er übergab das Seil, mit dem er versucht hatte die widerspenstige Kuh einzufangen, dem Vorarbeiter der Ranch.
»Versuch du dein Glück, Shep. Ich muss zum Telefon. Falls wir uns nicht mehr sehen sollten, Petri Heil!« Mit dieser Bemerkung entfernte er sich rasch aus der Reichweite von Sheps schlammigen Fingern. Es tat ihm gut nach all den Monaten im Dienst der Elite-Spezialeinheit der Navy mal wieder für einige Zeit zu Hause zu sein und sich mit seiner Familie und den Rancharbeitern um die Arbeiten auf der Ranch kümmern zu können. Man bekam bei der Navy nicht viel von Viehzucht zu sehen, auch wenn die SEALs nicht nur im und am Wasser operierten, sondern auch auf dem Land und in der Luft. Gegründet nach dem Zweiten Weltkrieg aus den UDTs, den Underwater Demolition Teams, die noch weitgehend im Wasser beziehungsweise unter Wasser arbeiteten, waren die SEALS (SEaAirLand) inzwischen auch durchaus in der Wüste zu finden oder in der Arktis oder bei Fallschirmsprüngen aus Flugzeugen und Helikoptern. Natürlich hielten sie sich auch noch weiterhin im Training oder bei der Arbeit oft im Wasser auf, aber ein hoher Prozentsatz der Arbeit eines SEALs fand heutzutage an Land statt.
Vor allem bei seinem Team 11, das vor allem für Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiungen eingesetzt wurde. Bisher war das Jahr eigentlich recht ruhig verlaufen, es waren keine größeren terroristischen Vorkommnisse gemeldet worden. Deshalb hatte er ja auch gedacht sich einen kleinen Urlaub leisten zu können. Während er auf schnellstem Wege auf seinem Hengst Devil den Weg zum Ranchhaus zurücklegte, sann er über die verschiedenen Gründe, die diesen Anruf bewirkt haben konnten, nach. Wahrscheinlich wurde er wieder nach Coronado zurückbeordert, aber ob es sich um einen Ernstfall oder um eine Übung zur Schnelligkeit der Teamsammlung handelte war nicht zu ersehen. Er hoffte nur dass er nicht des Trainings halber von seinem Urlaub zurückbeordert wurde. Sein Mundwinkel verzog sich nach unten. Oder vielleicht wäre das doch besser. Ein Ernstfall bedeutete immer Gefahr. Gefahr für die Menschen zu deren Rettung sie geschickt wurden und auch für sein Team. In seinem Team waren nur die Besten der Besten, aber es konnte immer etwas schief gehen in einer Mission. Bisher hatte er immer sein ganzes Team zurück gebracht, manchmal zwar mit Verletzungen, aber besser verletzt als tot. Hoffentlich würde das noch lange so bleiben.
Fünf Minuten später war er beim Haus angelangt. Adrenalin hatte sich in seinem Körper ausgebreitet als er sein Pferd im Stall an einen Arbeiter weitergab und den Hügel zum Haus hinauf joggte. Sein Vater kam ihm in der Tür zum Arbeitszimmer entgegen. Seine sonst so ruhige Miene verzog sich als er Clints Gesichtsausdruck sah.
»Ich lasse dich alleine.« Er schloss leise die Tür hinter sich. George Hunter sah trotz seiner 62 Jahre seinem Sohn noch sehr ähnlich. Sein Körper war immer noch schlank und fit, in seinem schwarzen Haar nur wenige graue Strähnen. Selbst die sherryfarbenen Augen hatte Clint von ihm geerbt. Sein Vater war der einzige in seiner großen Familie der wusste und verstand dass Clint ein SEAL war. Kein Wunder, war er doch selber im Vietnamkrieg ein UDT gewesen. Kurz danach waren dann die ersten SEAL-Teams entstanden. Doch zu dieser Zeit war George bereits aus dem Militärdienst ausgeschieden und hatte sich hier in Montana zusammen mit seiner Frau Angela das Land gekauft und die Ranch aufgebaut.
Clint wählte eilig die Nummer, die sich ihm von hunderten Anrufen ins Gedächtnis eingebrannt hatte. In der Einsatzzentrale in Kalifornien nahm Matt Colter, sein XO (Executive Officer, ausführender Offizier) und Swim-Buddy aus der Zeit des Basic Underwater Demolition / SEAL Training (BUD/S) schon nach dem ersten Klingeln den Hörer ab.
»Jo.«
»East hier, was gibt's?«
»Das wurde aber auch langsam Zeit. Wo hast du denn gesteckt?«
Clint schnitt eine Grimasse. »In einem Schlammloch wenn du es genau wissen willst.«
Matt lachte. Dann wurde seine Stimme ernst. »Wie schnell kannst du hier sein? Wir haben einen Notfall, eine Geiselnahme. Wir müssen so schnell wie möglich nach Washington, D.C., alles weitere erfahren wir dann dort. Und es handelt sich nicht um eine Übung.«
»Shit.« Clint strich durch seine kurzen schwarzen Haare. »Es würde zu lange dauern wenn ich zu euch komme. Ich werde mir von Salt Lake City einen Flug nach Washington nehmen. Könnt ihr eine Ausrüstung mitnehmen?«
»Kein Problem. Sollte noch etwas fehlen können wir es uns noch am Standort Little Creek besorgen.«
»Warum kann denn deren Team die Sache nicht übernehmen? Virginia ist doch viel näher.«
»Weil das Geiselteam gerade in Europa unterwegs ist, Übungen im Kosovo. Außerdem ist unter den SEALs dort gerade die Grippe ausgebrochen.«
»Okay, gib mir ein paar Minuten, ich buche schnell einen Flug. Schick mir alle vorhandenen Informationen zur Situation bitte als Fax.«
»Wird gemacht, Boss.«
»Ich gebe dir dann nachher noch die Fluginformationen durch, damit mich in Washington jemand abholen kann.«
»Gut. Bis später.« Clint drückte die Gabel und wählte gleich darauf die Nummer des Flughafens in Salt Lake City. Innerhalb von wenigen Minuten hatte er einen Flug nach Washington gebucht der in zwei Stunden abflog. Deshalb musste er sich in West Yellowstone ein Flugzeug besorgen mit dem er sofort los fliegen konnte wenn er es noch pünktlich schaffen wollte. Erstaunlicher Weise gelang ihm das auch ohne größere Probleme. Danach gab er die Flugdaten an Matt weiter und legte auf. Als er durch den Raum ging blickte er entsetzt auf seine schlammigen Stiefel herunter. Verdammt, er hätte sie wirklich vor der Tür ausziehen sollen. Seine Mutter würde ihn lynchen. Er zog sie schnell aus um nicht noch mehr Dreck zu machen und öffnete die Tür des Arbeitszimmers. Dort traf er seinen Vater an, der bereits mit einem Wassereimer und einem Wischmob bewaffnet auf ihn wartete.
»Musst du weg?«
»Ja. Tut mir leid wegen des Drecks, ich habe einfach nicht daran gedacht.«
George lächelte. »Kein Problem, das kenne ich. Pack du ruhig deine Sachen, ich mache das hier schon. Wann fährst du los?«
»Sowie ich geduscht und die Kleidung gewechselt habe. Ich wäre wirklich gerne länger geblieben, aber …«
George unterbrach ihn. »Die Pflicht ruft. Ich weiß.« Er tauchte den Wischmob ins Wasser. »Pass auf dich auf.«
Clint drückte ihm die Schulter. »Das tue ich doch immer. Und sag Mom bitte …«
»Keine Sorge.«
Nach einem letzten Blick lief Clint die Treppe hinauf und verschwand in seinem Zimmer, eine Spur aus Kleidung zurücklassend. Zehn Minuten später war er bereits wieder auf dem Weg nach unten, in seinem Seesack nur das Allernötigste.
Nach einem kurzen Abstecher ins Arbeitszimmer wo er den gefaxten Situationsbericht einsammelte sprang er in den Jeep mit dem ihn ein Rancharbeiter zum Flughafen in West Yellowstone fahren würde.
»Los geht's!« Staub aufwirbelnd fuhr der Jeep die lange Ranchauffahrt hinunter. Fünf Minuten später stieg er auf dem Flugplatz aus dem Auto. Er zog seinen Seesack vom Rücksitz und blickte den Fahrer kurz an. »Danke für die Fahrt.«
Der Arbeiter lächelte. »Kein Problem. Bis bald.« Damit gab er Gas.
Clint schulterte seinen Seesack und lief zu der auf ihn wartenden Cessna Turbo Stationair, einem recht schnellen Kleinflugzeug. Der Pilot war schon dabei die Checkliste durchzugehen als Clint zu ihm ins Cockpit stieg.
»Hallo Pete. Alles bereit?«
Pete grinste ihn an. »Aber klar doch. Schnall dich an, dann können wir los.«
Clint tat wie ihm geheißen und lehnte sich zurück. Er war schon öfter mit Pete geflogen. Die Ranch war ziemlich abgelegen von den größeren Städten mit Flughafen, und er hatte nicht immer Lust gehabt sich ein Auto zu mieten. Einige Male war er auch schon selber die Strecke geflogen, denn er hatte selber einen Pilotenschein. Genau genommen hatte er in seiner militärischen Laufbahn schon so gut wie alles geflogen. Doch diesmal musste er so schnell wie möglich nach Salt Lake City kommen um seinen Flug nach Washington zu erwischen, daher war es günstiger für ihn ein Flugzeug mit Piloten zu mieten. Er blickte auf die Uhr. In einer Stunde und vierzig Minuten startete die Linienmaschine nach Washington. Das würde knapp werden.
»Pete, drück auf die Tube.«
»Okay.«
Doch auch bei Höchstgeschwindigkeit konnte er nicht mehr als zehn Minuten vor Abflug ankommen. Wenn der Wind mitspielte. Clint schüttelte den Kopf. Es brachte nichts jetzt darüber nachzugrübeln. Er sollte sich lieber schon einmal mit dem Auftrag bekannt machen. Er streckte seine langen Beine aus und vertiefte sich in die Papiere. Natürlich wurden aus Gründen der Geheimhaltung keine Namen und sensible Daten genannt, aber eine grundlegende Zusammenfassung der Ereignisse war beigefügt. Clint strich sich über sein mit Bartstoppeln raues Kinn während er las. Scheinbar war heute morgen eine für die Regierung an einem geheimen Waffenprojekt arbeitende Wissenschaftlerin nicht bei der Arbeit erschienen. Eine Kollegin hatte sich Sorgen gemacht und versucht sie telefonisch zu erreichen. Als sich niemand bei ihr zu Hause meldete und sie nach Stunden immer noch nicht aufgetaucht war, wurde der Regierungsapparat tätig und ein bewaffnetes Team zu ihrem Haus geschickt, das sie zusammen mit ihrem Ehemann bewohnte. Das Haus war leer, aber man konnte Spuren eines Kampfes entdecken. Möbel waren umgestürzt, einzelne Blutspritzer auf Boden und Wänden verteilt. Sofort rückte ein Team zur Spurensicherung an.
Man machte auch ihren Mann ausfindig, der natürlich völlig geschockt war und nur berichtete sie hätte sich morgens ganz normal für die Arbeit fertig gemacht. Er war dann zu seiner Arbeitsstelle, einer Buchhaltungsfirma, gefahren. Seitdem hatte er nichts mehr von ihr gehört. Die Nachbarn waren befragt worden, ebenso wie Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Familienangehörige. Gegen Mittag war dann eine Lösegeldforderung eingegangen. Darin hieß es, die Wissenschaftlerin würde für ein Lösegeld in Höhe von $ 5.000.000 freigelassen werden. Fünf Millionen Dollar. Clints Mund verzog sich. Anscheinend wussten die Entführer wen sie da in ihrer Hand hatten. Andererseits war ihnen wohl entgangen dass die amerikanische Regierung nicht mit Terroristen und Geiselnehmern verhandelte. Die Frau hatte nur Glück für die Regierung von einigem Wert zu sein, sonst wäre sie jetzt auf sich gestellt. Einem bestimmten Umstand, näheres war in dem Fax nicht genannt, war es zu verdanken dass ihr derzeitiger Aufenthaltsort ermittelt werden kann und somit ein Rettungsteam bestehend aus SEALs angefordert wurde.
Clint lehnte sich zurück und schloss die Augen. Hoffentlich standen bei der Besprechung in Washington schon mehr Informationen zur Verfügung. Geiseln hatten es nie leicht, aber Frauen waren dabei besonders bedroht. Nicht selten benutzten die Entführer sexuelle Gewalt um die Geiseln zu unterdrücken und gefügig zu machen, manchmal allerdings auch nur zum Spaß. Wenn sie Glück hatte legten die Täter mehr Wert auf das Geld als auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Clint zog sich der Magen zusammen. Er sah in seinem Beruf viel Gewalt und übte sie auch selber aus, aber an Gewalt gegenüber Frauen würde er sich nie gewöhnen können.
Er blickte auf die Uhr. Sein Team würde nicht vor abends in Washington ankommen, dann folgten Lagebesprechungen und vielleicht, wenn bis dahin der Aufenthaltsort der Geisel bekannt war, würden sie bereits diese Nacht einen Rettungseinsatz durchführen können. Wenn die Geisel wichtig genug für die Regierung war um sein Team aus Coronado einfliegen zu lassen, dann bestand vielleicht die Hoffnung dass auch die Entführer den Wert ihrer Geisel kannten und sie wenigstens für einige Tage am Leben und unversehrt ließen. Andererseits konnten sie aber auch versuchen geheime Informationen durch Folter aus ihr herauszubekommen. Clint schluckte und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete hatte sich sein Gesichtsausdruck verhärtet und ein gefährliches Glitzern lag in seinen sherryfarbenen Augen. Pete blickte ihn kurz an. Er hatte Clint schon öfter so gesehen, er war nur froh dass er selber nicht der Grund für diesen Ausdruck war.
»Wir werden in zwanzig Minuten landen. Reicht doch noch für deinen Anschlussflug, oder?«
Clint blickte auf seine Uhr mit den unzähligen Anzeigen. Ein grimmiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. »Perfekt. Ich hatte wirklich Glück dass du noch mit deiner Cessna da warst.«
Pete grinste. »Ja, weißt du, da ist dieser süße Käfer, der die Funküberwachung übernommen hat …«
Clint lachte. Pete war ein echter Schwerenöter, und die Frauen schienen ihn zu lieben, obwohl er nur noch einen kleinen Kranz brauner Haare hatte, übergewichtig und nicht über 1,70 m groß war. Es musste an seinen großen braunen Augen liegen, oder einfach daran dass er ein wirklich netter Kerl war.
»Was ist denn aus der Kassiererin im Supermarkt geworden von der du neulich so begeistert warst?«
Pete schnitt eine Grimasse. »Wir kamen gut miteinander aus, bis ich merkte dass sie mehr Wert auf mein Bankkonto legte als auf mich.«
Clint zuckte zusammen. Er vergaß immer wieder dass Pete nicht nur ein guter Pilot und Freund war, sondern auch über Unmengen an Vermögen verfügte. Vor Jahren hatte er noch an der Wallstreet spekuliert, war dann ausgestiegen und hatte sich in West Yellowstone niedergelassen wo er Jobs als Pilot übernahm. In seinem eigenen Flugzeug. Clint schüttelte den Kopf. Er verdiente nicht schlecht als Captain in der Navy, und er hatte auch schon einiges in den Jahren zusammengespart, aber er konnte sich einfach nicht vorstellen über unerschöpfliche Mittel zu verfügen. Er wüsste auch gar nicht was er damit anfangen sollte. Im Prinzip hatte er alles was er brauchte, eine Wohnung in Coronado, ein Auto, ein Pferd auf der Ranch seiner Eltern. Er hatte auch keine teure Freundin. Genau genommen hatte er momentan gar keine. Er war zufrieden mit seinem Leben.
»Dann wünsche ich dir viel Glück mit deiner neuen Flamme.«
Pete blickte nachdenklich. »Ich denke diesmal könnte ich vielleicht wirklich Glück haben.«
Clint schwieg dazu. Pete dachte jedes Mal er hätte die Richtige gefunden. Er hoffte diesmal wäre es wirklich so. Kurz darauf landeten sie auf dem Flughafen von Salt Lake City und Clint bereitete sich auf den Sprint zu seinem Flugsteig vor. Er betrat die Maschine fünf Minuten vor dem Abflug, streckte die Beine aus, so weit es die engen Sitzreihen zuließen, schloss die Augen und war Sekunden später eingeschlafen. Es sollte sein letzter erholsamer Schlaf für die nächsten Tage werden.
»Riskante Nähe« belegte den 2. Platz bei der Wahl zum besten deutschsprachigen Liebesroman 2003 (DeLiA-Literaturpreis), der jährlich vom Verein für deutschsprachige Liebesromanliteratur e.V. gestiftet wird.
Außerdem wurde der Roman von den LiebesromanleserInnen der Romantischen Bücherecke bei der Liebesromanwahl 2003 in den Sparten »Bester zeitgenössischer Roman«, »Bester Mystery & Crime Roman« und »Bestes Cover« auf den 2. Platz gewählt. Zudem erreichte »Riskante Nähe« den dritten Platz in der Kategorie »Bestes Buch 2003«.
Karens Leben dagegen verlief in der Zwischenzeit alles andere als ruhig, denn seit der Entführung stoßen ihr immer wieder gefährliche Missgeschicke zu, die sie nicht nur körperlich verletzt haben, sondern auch seelisch. Nach dem jüngsten Zwischenfall erkennt sie schließlich, dass jemand versucht, sie umzubringen: Die Unfälle der vergangenen Jahre waren missglückte Mordversuche. Offenbar will eine Terrorgruppe so an Karens Waffenprojekt herankommen. Die Spezialistin ist völlig verzweifelt und weiß nicht, wohin sie sich wenden soll, denn sie kann niemandem mehr trauen - außer dem Mann, der ihr schon einmal das Leben gerettet hat. So macht sie sich also auf die Suche nach Clint Hunter …
Riskante Nähe ist nach »Canyon der Gefühle« der zweite Roman von Michelle Raven über die Geschwister Hunter. Nach Shane Hunter, der als Ranger seiner Kollegin Autumn bei der Flucht vor deren Ex-Freund hilft, steht diesmal der SEAL Clint Hunter im Mittelpunkt. Doch auch mit Shane und Autumn gibt es ein Wiedersehen.
LESEPROBE
Diamond Bar Ranch, Montana, Juli 1998
Der Tag fing schlecht an und von da an ging es steil bergab. Clint Hunter, Captain des Alpha Squads von Navy SEAL Team 11, stand gerade auf der Ranch seiner Eltern bis zu den Hüften in einem mit Morast gefüllten Loch in das sich eine der Kühe verirrt hatte, als sein Pager sich meldete. Das fremdartige Geräusch erschreckte die panische Kuh derart dass sie durch ihr Gezappel noch tiefer in den Schlamm gezogen wurde.
»Shit.« Mit Fingern die ebenso dreckig waren wie der Rest von ihm zog er vorsichtig den Pager von seinem Gürtel. Bevor er die Nummer richtig erkennen konnte rutschte das Gerät durch seine schlammigen Finger und fiel in den Matsch.
»Verdammt.« Hastig bückte sich Clint um ihn zu retten. Er zog den Pager aus dem Morast und wischte mit den Fingern über das Display. Gott sei dank war es die wasserdichte Variante. Die Nummer gehörte zum Naval Special Warfare Command in Coronado. Clint seufzte. Wer sollte ihn auch sonst anpagen? Im Prinzip hatte er außerhalb der Navy kein Leben. Sein Pager war auch ohnehin nur für Notfälle reserviert. Und kaum gönnte er sich seit Jahren das erste Mal wieder mehr als ein paar Tage Erholung, schon wurde er wieder von seinem Arbeitgeber gerufen. Er übergab das Seil, mit dem er versucht hatte die widerspenstige Kuh einzufangen, dem Vorarbeiter der Ranch.
»Versuch du dein Glück, Shep. Ich muss zum Telefon. Falls wir uns nicht mehr sehen sollten, Petri Heil!« Mit dieser Bemerkung entfernte er sich rasch aus der Reichweite von Sheps schlammigen Fingern. Es tat ihm gut nach all den Monaten im Dienst der Elite-Spezialeinheit der Navy mal wieder für einige Zeit zu Hause zu sein und sich mit seiner Familie und den Rancharbeitern um die Arbeiten auf der Ranch kümmern zu können. Man bekam bei der Navy nicht viel von Viehzucht zu sehen, auch wenn die SEALs nicht nur im und am Wasser operierten, sondern auch auf dem Land und in der Luft. Gegründet nach dem Zweiten Weltkrieg aus den UDTs, den Underwater Demolition Teams, die noch weitgehend im Wasser beziehungsweise unter Wasser arbeiteten, waren die SEALS (SEaAirLand) inzwischen auch durchaus in der Wüste zu finden oder in der Arktis oder bei Fallschirmsprüngen aus Flugzeugen und Helikoptern. Natürlich hielten sie sich auch noch weiterhin im Training oder bei der Arbeit oft im Wasser auf, aber ein hoher Prozentsatz der Arbeit eines SEALs fand heutzutage an Land statt.
Vor allem bei seinem Team 11, das vor allem für Terrorismusbekämpfung und Geiselbefreiungen eingesetzt wurde. Bisher war das Jahr eigentlich recht ruhig verlaufen, es waren keine größeren terroristischen Vorkommnisse gemeldet worden. Deshalb hatte er ja auch gedacht sich einen kleinen Urlaub leisten zu können. Während er auf schnellstem Wege auf seinem Hengst Devil den Weg zum Ranchhaus zurücklegte, sann er über die verschiedenen Gründe, die diesen Anruf bewirkt haben konnten, nach. Wahrscheinlich wurde er wieder nach Coronado zurückbeordert, aber ob es sich um einen Ernstfall oder um eine Übung zur Schnelligkeit der Teamsammlung handelte war nicht zu ersehen. Er hoffte nur dass er nicht des Trainings halber von seinem Urlaub zurückbeordert wurde. Sein Mundwinkel verzog sich nach unten. Oder vielleicht wäre das doch besser. Ein Ernstfall bedeutete immer Gefahr. Gefahr für die Menschen zu deren Rettung sie geschickt wurden und auch für sein Team. In seinem Team waren nur die Besten der Besten, aber es konnte immer etwas schief gehen in einer Mission. Bisher hatte er immer sein ganzes Team zurück gebracht, manchmal zwar mit Verletzungen, aber besser verletzt als tot. Hoffentlich würde das noch lange so bleiben.
Fünf Minuten später war er beim Haus angelangt. Adrenalin hatte sich in seinem Körper ausgebreitet als er sein Pferd im Stall an einen Arbeiter weitergab und den Hügel zum Haus hinauf joggte. Sein Vater kam ihm in der Tür zum Arbeitszimmer entgegen. Seine sonst so ruhige Miene verzog sich als er Clints Gesichtsausdruck sah.
»Ich lasse dich alleine.« Er schloss leise die Tür hinter sich. George Hunter sah trotz seiner 62 Jahre seinem Sohn noch sehr ähnlich. Sein Körper war immer noch schlank und fit, in seinem schwarzen Haar nur wenige graue Strähnen. Selbst die sherryfarbenen Augen hatte Clint von ihm geerbt. Sein Vater war der einzige in seiner großen Familie der wusste und verstand dass Clint ein SEAL war. Kein Wunder, war er doch selber im Vietnamkrieg ein UDT gewesen. Kurz danach waren dann die ersten SEAL-Teams entstanden. Doch zu dieser Zeit war George bereits aus dem Militärdienst ausgeschieden und hatte sich hier in Montana zusammen mit seiner Frau Angela das Land gekauft und die Ranch aufgebaut.
Clint wählte eilig die Nummer, die sich ihm von hunderten Anrufen ins Gedächtnis eingebrannt hatte. In der Einsatzzentrale in Kalifornien nahm Matt Colter, sein XO (Executive Officer, ausführender Offizier) und Swim-Buddy aus der Zeit des Basic Underwater Demolition / SEAL Training (BUD/S) schon nach dem ersten Klingeln den Hörer ab.
»Jo.«
»East hier, was gibt's?«
»Das wurde aber auch langsam Zeit. Wo hast du denn gesteckt?«
Clint schnitt eine Grimasse. »In einem Schlammloch wenn du es genau wissen willst.«
Matt lachte. Dann wurde seine Stimme ernst. »Wie schnell kannst du hier sein? Wir haben einen Notfall, eine Geiselnahme. Wir müssen so schnell wie möglich nach Washington, D.C., alles weitere erfahren wir dann dort. Und es handelt sich nicht um eine Übung.«
»Shit.« Clint strich durch seine kurzen schwarzen Haare. »Es würde zu lange dauern wenn ich zu euch komme. Ich werde mir von Salt Lake City einen Flug nach Washington nehmen. Könnt ihr eine Ausrüstung mitnehmen?«
»Kein Problem. Sollte noch etwas fehlen können wir es uns noch am Standort Little Creek besorgen.«
»Warum kann denn deren Team die Sache nicht übernehmen? Virginia ist doch viel näher.«
»Weil das Geiselteam gerade in Europa unterwegs ist, Übungen im Kosovo. Außerdem ist unter den SEALs dort gerade die Grippe ausgebrochen.«
»Okay, gib mir ein paar Minuten, ich buche schnell einen Flug. Schick mir alle vorhandenen Informationen zur Situation bitte als Fax.«
»Wird gemacht, Boss.«
»Ich gebe dir dann nachher noch die Fluginformationen durch, damit mich in Washington jemand abholen kann.«
»Gut. Bis später.« Clint drückte die Gabel und wählte gleich darauf die Nummer des Flughafens in Salt Lake City. Innerhalb von wenigen Minuten hatte er einen Flug nach Washington gebucht der in zwei Stunden abflog. Deshalb musste er sich in West Yellowstone ein Flugzeug besorgen mit dem er sofort los fliegen konnte wenn er es noch pünktlich schaffen wollte. Erstaunlicher Weise gelang ihm das auch ohne größere Probleme. Danach gab er die Flugdaten an Matt weiter und legte auf. Als er durch den Raum ging blickte er entsetzt auf seine schlammigen Stiefel herunter. Verdammt, er hätte sie wirklich vor der Tür ausziehen sollen. Seine Mutter würde ihn lynchen. Er zog sie schnell aus um nicht noch mehr Dreck zu machen und öffnete die Tür des Arbeitszimmers. Dort traf er seinen Vater an, der bereits mit einem Wassereimer und einem Wischmob bewaffnet auf ihn wartete.
»Musst du weg?«
»Ja. Tut mir leid wegen des Drecks, ich habe einfach nicht daran gedacht.«
George lächelte. »Kein Problem, das kenne ich. Pack du ruhig deine Sachen, ich mache das hier schon. Wann fährst du los?«
»Sowie ich geduscht und die Kleidung gewechselt habe. Ich wäre wirklich gerne länger geblieben, aber …«
George unterbrach ihn. »Die Pflicht ruft. Ich weiß.« Er tauchte den Wischmob ins Wasser. »Pass auf dich auf.«
Clint drückte ihm die Schulter. »Das tue ich doch immer. Und sag Mom bitte …«
»Keine Sorge.«
Nach einem letzten Blick lief Clint die Treppe hinauf und verschwand in seinem Zimmer, eine Spur aus Kleidung zurücklassend. Zehn Minuten später war er bereits wieder auf dem Weg nach unten, in seinem Seesack nur das Allernötigste.
Nach einem kurzen Abstecher ins Arbeitszimmer wo er den gefaxten Situationsbericht einsammelte sprang er in den Jeep mit dem ihn ein Rancharbeiter zum Flughafen in West Yellowstone fahren würde.
»Los geht's!« Staub aufwirbelnd fuhr der Jeep die lange Ranchauffahrt hinunter. Fünf Minuten später stieg er auf dem Flugplatz aus dem Auto. Er zog seinen Seesack vom Rücksitz und blickte den Fahrer kurz an. »Danke für die Fahrt.«
Der Arbeiter lächelte. »Kein Problem. Bis bald.« Damit gab er Gas.
Clint schulterte seinen Seesack und lief zu der auf ihn wartenden Cessna Turbo Stationair, einem recht schnellen Kleinflugzeug. Der Pilot war schon dabei die Checkliste durchzugehen als Clint zu ihm ins Cockpit stieg.
»Hallo Pete. Alles bereit?«
Pete grinste ihn an. »Aber klar doch. Schnall dich an, dann können wir los.«
Clint tat wie ihm geheißen und lehnte sich zurück. Er war schon öfter mit Pete geflogen. Die Ranch war ziemlich abgelegen von den größeren Städten mit Flughafen, und er hatte nicht immer Lust gehabt sich ein Auto zu mieten. Einige Male war er auch schon selber die Strecke geflogen, denn er hatte selber einen Pilotenschein. Genau genommen hatte er in seiner militärischen Laufbahn schon so gut wie alles geflogen. Doch diesmal musste er so schnell wie möglich nach Salt Lake City kommen um seinen Flug nach Washington zu erwischen, daher war es günstiger für ihn ein Flugzeug mit Piloten zu mieten. Er blickte auf die Uhr. In einer Stunde und vierzig Minuten startete die Linienmaschine nach Washington. Das würde knapp werden.
»Pete, drück auf die Tube.«
»Okay.«
Doch auch bei Höchstgeschwindigkeit konnte er nicht mehr als zehn Minuten vor Abflug ankommen. Wenn der Wind mitspielte. Clint schüttelte den Kopf. Es brachte nichts jetzt darüber nachzugrübeln. Er sollte sich lieber schon einmal mit dem Auftrag bekannt machen. Er streckte seine langen Beine aus und vertiefte sich in die Papiere. Natürlich wurden aus Gründen der Geheimhaltung keine Namen und sensible Daten genannt, aber eine grundlegende Zusammenfassung der Ereignisse war beigefügt. Clint strich sich über sein mit Bartstoppeln raues Kinn während er las. Scheinbar war heute morgen eine für die Regierung an einem geheimen Waffenprojekt arbeitende Wissenschaftlerin nicht bei der Arbeit erschienen. Eine Kollegin hatte sich Sorgen gemacht und versucht sie telefonisch zu erreichen. Als sich niemand bei ihr zu Hause meldete und sie nach Stunden immer noch nicht aufgetaucht war, wurde der Regierungsapparat tätig und ein bewaffnetes Team zu ihrem Haus geschickt, das sie zusammen mit ihrem Ehemann bewohnte. Das Haus war leer, aber man konnte Spuren eines Kampfes entdecken. Möbel waren umgestürzt, einzelne Blutspritzer auf Boden und Wänden verteilt. Sofort rückte ein Team zur Spurensicherung an.
Man machte auch ihren Mann ausfindig, der natürlich völlig geschockt war und nur berichtete sie hätte sich morgens ganz normal für die Arbeit fertig gemacht. Er war dann zu seiner Arbeitsstelle, einer Buchhaltungsfirma, gefahren. Seitdem hatte er nichts mehr von ihr gehört. Die Nachbarn waren befragt worden, ebenso wie Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Familienangehörige. Gegen Mittag war dann eine Lösegeldforderung eingegangen. Darin hieß es, die Wissenschaftlerin würde für ein Lösegeld in Höhe von $ 5.000.000 freigelassen werden. Fünf Millionen Dollar. Clints Mund verzog sich. Anscheinend wussten die Entführer wen sie da in ihrer Hand hatten. Andererseits war ihnen wohl entgangen dass die amerikanische Regierung nicht mit Terroristen und Geiselnehmern verhandelte. Die Frau hatte nur Glück für die Regierung von einigem Wert zu sein, sonst wäre sie jetzt auf sich gestellt. Einem bestimmten Umstand, näheres war in dem Fax nicht genannt, war es zu verdanken dass ihr derzeitiger Aufenthaltsort ermittelt werden kann und somit ein Rettungsteam bestehend aus SEALs angefordert wurde.
Clint lehnte sich zurück und schloss die Augen. Hoffentlich standen bei der Besprechung in Washington schon mehr Informationen zur Verfügung. Geiseln hatten es nie leicht, aber Frauen waren dabei besonders bedroht. Nicht selten benutzten die Entführer sexuelle Gewalt um die Geiseln zu unterdrücken und gefügig zu machen, manchmal allerdings auch nur zum Spaß. Wenn sie Glück hatte legten die Täter mehr Wert auf das Geld als auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Clint zog sich der Magen zusammen. Er sah in seinem Beruf viel Gewalt und übte sie auch selber aus, aber an Gewalt gegenüber Frauen würde er sich nie gewöhnen können.
Er blickte auf die Uhr. Sein Team würde nicht vor abends in Washington ankommen, dann folgten Lagebesprechungen und vielleicht, wenn bis dahin der Aufenthaltsort der Geisel bekannt war, würden sie bereits diese Nacht einen Rettungseinsatz durchführen können. Wenn die Geisel wichtig genug für die Regierung war um sein Team aus Coronado einfliegen zu lassen, dann bestand vielleicht die Hoffnung dass auch die Entführer den Wert ihrer Geisel kannten und sie wenigstens für einige Tage am Leben und unversehrt ließen. Andererseits konnten sie aber auch versuchen geheime Informationen durch Folter aus ihr herauszubekommen. Clint schluckte und schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete hatte sich sein Gesichtsausdruck verhärtet und ein gefährliches Glitzern lag in seinen sherryfarbenen Augen. Pete blickte ihn kurz an. Er hatte Clint schon öfter so gesehen, er war nur froh dass er selber nicht der Grund für diesen Ausdruck war.
»Wir werden in zwanzig Minuten landen. Reicht doch noch für deinen Anschlussflug, oder?«
Clint blickte auf seine Uhr mit den unzähligen Anzeigen. Ein grimmiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. »Perfekt. Ich hatte wirklich Glück dass du noch mit deiner Cessna da warst.«
Pete grinste. »Ja, weißt du, da ist dieser süße Käfer, der die Funküberwachung übernommen hat …«
Clint lachte. Pete war ein echter Schwerenöter, und die Frauen schienen ihn zu lieben, obwohl er nur noch einen kleinen Kranz brauner Haare hatte, übergewichtig und nicht über 1,70 m groß war. Es musste an seinen großen braunen Augen liegen, oder einfach daran dass er ein wirklich netter Kerl war.
»Was ist denn aus der Kassiererin im Supermarkt geworden von der du neulich so begeistert warst?«
Pete schnitt eine Grimasse. »Wir kamen gut miteinander aus, bis ich merkte dass sie mehr Wert auf mein Bankkonto legte als auf mich.«
Clint zuckte zusammen. Er vergaß immer wieder dass Pete nicht nur ein guter Pilot und Freund war, sondern auch über Unmengen an Vermögen verfügte. Vor Jahren hatte er noch an der Wallstreet spekuliert, war dann ausgestiegen und hatte sich in West Yellowstone niedergelassen wo er Jobs als Pilot übernahm. In seinem eigenen Flugzeug. Clint schüttelte den Kopf. Er verdiente nicht schlecht als Captain in der Navy, und er hatte auch schon einiges in den Jahren zusammengespart, aber er konnte sich einfach nicht vorstellen über unerschöpfliche Mittel zu verfügen. Er wüsste auch gar nicht was er damit anfangen sollte. Im Prinzip hatte er alles was er brauchte, eine Wohnung in Coronado, ein Auto, ein Pferd auf der Ranch seiner Eltern. Er hatte auch keine teure Freundin. Genau genommen hatte er momentan gar keine. Er war zufrieden mit seinem Leben.
»Dann wünsche ich dir viel Glück mit deiner neuen Flamme.«
Pete blickte nachdenklich. »Ich denke diesmal könnte ich vielleicht wirklich Glück haben.«
Clint schwieg dazu. Pete dachte jedes Mal er hätte die Richtige gefunden. Er hoffte diesmal wäre es wirklich so. Kurz darauf landeten sie auf dem Flughafen von Salt Lake City und Clint bereitete sich auf den Sprint zu seinem Flugsteig vor. Er betrat die Maschine fünf Minuten vor dem Abflug, streckte die Beine aus, so weit es die engen Sitzreihen zuließen, schloss die Augen und war Sekunden später eingeschlafen. Es sollte sein letzter erholsamer Schlaf für die nächsten Tage werden.
AUSZEICHNUNGEN
»Riskante Nähe« belegte den 2. Platz bei der Wahl zum besten deutschsprachigen Liebesroman 2003 (DeLiA-Literaturpreis), der jährlich vom Verein für deutschsprachige Liebesromanliteratur e.V. gestiftet wird.
Außerdem wurde der Roman von den LiebesromanleserInnen der Romantischen Bücherecke bei der Liebesromanwahl 2003 in den Sparten »Bester zeitgenössischer Roman«, »Bester Mystery & Crime Roman« und »Bestes Cover« auf den 2. Platz gewählt. Zudem erreichte »Riskante Nähe« den dritten Platz in der Kategorie »Bestes Buch 2003«.





