Das
Klinikpersonal des Celler Krankenhauses ist
geschockt: Während einer Operation unter der Leitung von Dr. Matthias
Kunz wird
in der Eistruhe für Knochenzement die Leiche der attraktiven OP-
Schwester
Tanja Becker gefunden. Wer hat die hübsche und vor allem bei vielen
männlichen
Kollegen beliebte Schwester auf so grausame Art ermordet?
Kommissar Fischer nimmt mit seiner SOKO die Ermittlungen auf. Er deckt
Tanja
Beckers heimliche Affären auf und bringt bisher verborgene Tatsachen
ans Licht.
Doch es bleiben Fragen: Von wem stammen die Drohbriefe, die Dr. Vetters
erhält?
Steht der Mord an Tanja in Verbindung mit dem Unfalltod ihrer Mutter?
Während die
Polizei noch im Dunkeln tappt, hat der Mörder bereits die nächste
Eisschwester
im Visier.
LESEPROBE
“Kann mir jemand sagen, was da los ist?” Unsicher horchte Dr. Kunz in den Raum hinein. Aber das Einzige, was ihn erreichte, waren hektische Geräusche, Weinen und eine unheimliche Stimmung, die von der Eistruhe in den OP-Saal zu schwappen schien, als wären Außerirdische gelandet oder Biogifte versprüht worden.
Nach einigen Minuten, kamen Dr. Buchmann, OP-Schwester Femke und Schwester Simone langsam in den Saal zurück.
Kunz sah fragend in die Runde. “Und?”
“Tanja”, Femke begann leise zu schluchzen, “ich bin… fassungslos.” Sie drehte sich kopfschüttelnd um und schlich zurück.
Dr. Buchmann räusperte sich schließlich und mit tiefer Bassstimme antwortete er, nach Worten ringend: “Ja, Schwester Tanja liegt in der Kühltruhe. Sie ist wohl, ehm, ja, es sieht wohl so aus, leider, ja, tot.”
“Was sagen Sie da?” Kunz schaute ihn verwirrt an.
“In der, ehm, Truhe.”
Kunz wurde schwindelig und hatte Mühe, seine eins neunzig in der Senkrechten zu halten. Er spürte ein kribbelndes Ziehen im Magen, das er sonst nur kannte, wenn jemand bei Tisch von besonders blutigen Fällen berichtete. So, wie die Chefs von der Uri und der Inneren, Professor von Zastrow und Professor Hartmann, die die Fälle förmlich zelebrierten und grundsätzlich nur Salat aßen, um damit ihren Unmut über sämtliche Fleischgerichte kund zu tun. Von Zastrow und Hartmann waren mit Leib und Seele Vegetarier. Und begnadete Erzähler. Am liebsten zeterten sie bei Steak oder Gulasch in Pilzrahmsauce, was es immer montags und mittwochs gab. Dienstags ging’s um die Innereien. Leberrupturen oder Nierenabrisse. Kunz mochte noch nie Leber oder Nieren. Weder essen noch operieren. Und ganz besonders schlimm war es donnerstags, wenn Kunz und seine Leute Currywurst und Pommes rotweiß aßen. Dann sprachen sie besonders gerne von Darmresektionen. Oder Magenverkleinerungen bei der Diagnose Fettsucht. Und eigentlich hatte er heute genau das wieder vorgehabt: Currywurst essen. Möglichst nach zwölf, wenn die beiden schon wieder weg waren.
Doch jetzt drohte sein Magen zu rebellieren und seine Beine nachzugeben und er hielt sich nur mühsam aufrecht. Reiß dich zusammen, Matthias, mahnte er sich, du bist hier im Saal der Chef. Er schluckte, dachte an alles, nur nicht an eine Tote in der Knochenzementtruhe. Oder an Currywurst. Er versuchte sich an Ulrikes Hemdchen und ihre frechen Pobacken zu erinnern, wiederholte gedanklich Femkes Witz von eben und fragte schließlich, nachdem er sich etwas gesammelt hatte, leise: “Tanja? Tanja Becker?”
Dr. Buchmann nickte.
Tanja, die Heißbegehrte. Selbst er, der ein so glücklich verheirateter Mann war, konnte den Blick manchmal nicht von ihr lassen. Sie sah aus wie eine pralle, zuckersüße, reife Melone.
Es wurde immer wieder im Haus darüber getuschelt, dass die jungen Kollegen von ihr viel lernten. Wenn auch nicht unbedingt etwas über die Fächer Chirurgie oder Unfallchirurgie. Kunz dachte darüber hinweg. Das war die private Sache der Jungs. Und nicht seine. Außerdem ist Tanja Becker eine erstklassige OP-Schwester mit einem herrlich schwarzen Humor. War, musste er sich nun entsetzt korrigieren. Sie hatten manche Nacht zusammen am Tisch gestanden. Und er hatte stets ihre laszive, träge vibrierende Nähe gespürt, schwer wie Honig, der vom Löffel tropft. Ein Vollblutweib eben. Aber was sagte Großmutter Annabell immer? Matti, Appetit darf man sich holen, aber gegessen wird Zuhaus’! Sie musste es wissen. Annabell und Felix Sturm waren über sechzig Jahre verheiratet gewesen. Und das strebte er ebenfalls an mit Ulrike. Immerhin, fast neunzehn Jahre hatten sie schon.
“Und nun?”
Kunz fixierte Buchmann. Der war ein Pragmat wie er im Buche steht, dachte er, plötzlich so kalt wie eine Hundeschnauze. Und nun? Woher sollte er das wissen? Kunz erwiderte irritiert: “Rufen Sie den Professor an. Er soll die Polizei verständigen.”
Bruder Dr. Vetters liiert? Buchmann hatte doch den Namen seiner Frau angenommen. Und dann so unbeteiligt?


