INSELSTÜRME
Barbara Auenstein ist reif für die Insel. Nach dem
Tod ihres Mannes muss die Fünfzigjährige zum
ersten Mal in ihrem Leben alleine für sich sorgen.
Seelisch und wirtschaftlich schwer angeschlagen
sucht sie Zuflucht in ihrem Häuschen auf
Wangerooge. Hier hofft sie, in der
Abgeschiedenheit neue Kraft zu schöpfen.
Und tatsächlich: Das Rauschen des Meeres, die wispernden Wellen und der Wind, der allen Schmerz von ihr wegfegt, helfen Barbara, ganz langsam, wieder zu sich selbst zu finden.
Trost findet sie auch in ihrer alten Leidenschaft, der Malerei. Trotz großer Zweifel an ihrem eigenen Talent, schafft es eine gute Freundin, Barbara davon zu überzeugen, einige Bilder in einer Galerie auszustellen. Bald schon erhält sie ihren ersten Auftrag als Malerin und zwei Männer treten in ihr Leben: der smarte Felix und Geschäftsmann Johannes. Doch für wen soll sie sich entscheiden?
Und tatsächlich: Das Rauschen des Meeres, die wispernden Wellen und der Wind, der allen Schmerz von ihr wegfegt, helfen Barbara, ganz langsam, wieder zu sich selbst zu finden.
Trost findet sie auch in ihrer alten Leidenschaft, der Malerei. Trotz großer Zweifel an ihrem eigenen Talent, schafft es eine gute Freundin, Barbara davon zu überzeugen, einige Bilder in einer Galerie auszustellen. Bald schon erhält sie ihren ersten Auftrag als Malerin und zwei Männer treten in ihr Leben: der smarte Felix und Geschäftsmann Johannes. Doch für wen soll sie sich entscheiden?
LESEPROBE
Kapitel 1
»Liebes, es geht mir gut. Mache dir bitte keine Sorgen. Die Fahrt war wunderschön. Ich bin so froh, endlich hier zu sein. Die frische Inselluft wird mir den Kopf frei pusten, dann sehe ich bestimmt bald klarer. Du weißt doch, es geht immer irgendwie weiter.«
Barbara brauchte ihre ganze Kraft, um Zuversicht in ihre Stimme zu legen. Sie wollte nicht, dass Emilie sich Sorgen machte. Die letzten Wochen waren schlimm genug gewesen – für sie alle. Nun war es Zeit, dass Emilie sich wieder um ihre eigene Familie kümmerte.
»Mama, du musst nicht die Starke spielen. Du weißt, ich bin immer für dich da. Ich hab’ dich so lieb, denke bitte immer daran, ja? Und auch Bernhard hilft dir, wenn du ihn brauchst. Ach Mama, bist du wirklich stabil genug, um alleine auf Wangerooge zu sein? Ich hätte dich nicht fahren lassen dürfen.«
Barbara holte tief Luft. Eine einzelne Träne bahnte sich den Weg ihre Wange hinunter, über das Kinn und tropfte auf ihre Brust. »Es geht mir wirklich gut, Liebes. Grüße bitte die Kinder und Bernhard von mir. Ich muss jetzt Schluss machen, ich möchte noch malen gehen, solange das Wetter hält. Ich melde mich bald wieder.
Tschüss, Emilie.«
»Tschüss, Mama.«
Barbara hörte die Zweifel in Emilies Stimme, aber sie konnte es nicht ändern. Zitternd legte sie den Hörer auf. Mit dem Ende des Gespräches kam auch das Ende ihrer Beherrschung. Sie ließ sich auf die nächstbeste Umzugskiste sinken und barg ihr Gesicht in den Händen.
Nur langsam verebbte die Tränenflut.
Das Leid, die Wut und die Verzweiflung der letzten Wochen bahnten sich den Weg an die Oberfläche. Endlich konnte sie sich fallen lassen. Endlich musste sie nicht mehr lächeln und den Schein wahren. Sie fühlte sich elend, leer und ausgebrannt.
Eine viertel Stunde später schnäuzte sie sich resolut und machte sich auf die Suche nach ihren Malutensilien. Sie musste über die wild im Haus verteilten Umzugskartons klettern, aber das war ihr erst einmal egal. Auspacken konnte sie später noch, jetzt wollte sie nur eines – malen.
Ganz hinten im Wohnzimmer fand sie die richtige Kiste und packte entschlossen Staffelei, Block und die Tasche mit den Farben und dem übrigen Zubehör aus. Schwer beladen stapfte sie aus dem Haus und über die Dünen. Sie suchte den richtigen Ort für ihr erstes Bild und erinnerte sich an ihren Lieblingsplatz.
Wie lange war das her?
25 Jahre waren vergangen, seit sie das letzte Mal dort gewesen war. Eine Ewigkeit. Sicher, sie hatten jedes Jahr ihre Ferien auf der Insel verbracht. Aber da sie ihr Hobby nicht mehr hatte praktizieren dürfen, wollte sie auch ihren bevorzugten Malplatz nicht mehr aufsuchen. Das hätte nur Schmerzen und Sehnsucht ausgelöst. Wozu sich quälen?
Barbara spürte ihr Herz im Hals klopfen. Ob es so war wie vor diesem Vierteljahrhundert? Ob sie dort immer noch ungestört würde malen können? Damals konnte man sich zwischen einzelnen Büschen positionieren.
»Liebes, es geht mir gut. Mache dir bitte keine Sorgen. Die Fahrt war wunderschön. Ich bin so froh, endlich hier zu sein. Die frische Inselluft wird mir den Kopf frei pusten, dann sehe ich bestimmt bald klarer. Du weißt doch, es geht immer irgendwie weiter.«
Barbara brauchte ihre ganze Kraft, um Zuversicht in ihre Stimme zu legen. Sie wollte nicht, dass Emilie sich Sorgen machte. Die letzten Wochen waren schlimm genug gewesen – für sie alle. Nun war es Zeit, dass Emilie sich wieder um ihre eigene Familie kümmerte.
»Mama, du musst nicht die Starke spielen. Du weißt, ich bin immer für dich da. Ich hab’ dich so lieb, denke bitte immer daran, ja? Und auch Bernhard hilft dir, wenn du ihn brauchst. Ach Mama, bist du wirklich stabil genug, um alleine auf Wangerooge zu sein? Ich hätte dich nicht fahren lassen dürfen.«
Barbara holte tief Luft. Eine einzelne Träne bahnte sich den Weg ihre Wange hinunter, über das Kinn und tropfte auf ihre Brust. »Es geht mir wirklich gut, Liebes. Grüße bitte die Kinder und Bernhard von mir. Ich muss jetzt Schluss machen, ich möchte noch malen gehen, solange das Wetter hält. Ich melde mich bald wieder.
Tschüss, Emilie.«
»Tschüss, Mama.«
Barbara hörte die Zweifel in Emilies Stimme, aber sie konnte es nicht ändern. Zitternd legte sie den Hörer auf. Mit dem Ende des Gespräches kam auch das Ende ihrer Beherrschung. Sie ließ sich auf die nächstbeste Umzugskiste sinken und barg ihr Gesicht in den Händen.
Nur langsam verebbte die Tränenflut.
Das Leid, die Wut und die Verzweiflung der letzten Wochen bahnten sich den Weg an die Oberfläche. Endlich konnte sie sich fallen lassen. Endlich musste sie nicht mehr lächeln und den Schein wahren. Sie fühlte sich elend, leer und ausgebrannt.
Eine viertel Stunde später schnäuzte sie sich resolut und machte sich auf die Suche nach ihren Malutensilien. Sie musste über die wild im Haus verteilten Umzugskartons klettern, aber das war ihr erst einmal egal. Auspacken konnte sie später noch, jetzt wollte sie nur eines – malen.
Ganz hinten im Wohnzimmer fand sie die richtige Kiste und packte entschlossen Staffelei, Block und die Tasche mit den Farben und dem übrigen Zubehör aus. Schwer beladen stapfte sie aus dem Haus und über die Dünen. Sie suchte den richtigen Ort für ihr erstes Bild und erinnerte sich an ihren Lieblingsplatz.
Wie lange war das her?
25 Jahre waren vergangen, seit sie das letzte Mal dort gewesen war. Eine Ewigkeit. Sicher, sie hatten jedes Jahr ihre Ferien auf der Insel verbracht. Aber da sie ihr Hobby nicht mehr hatte praktizieren dürfen, wollte sie auch ihren bevorzugten Malplatz nicht mehr aufsuchen. Das hätte nur Schmerzen und Sehnsucht ausgelöst. Wozu sich quälen?
Barbara spürte ihr Herz im Hals klopfen. Ob es so war wie vor diesem Vierteljahrhundert? Ob sie dort immer noch ungestört würde malen können? Damals konnte man sich zwischen einzelnen Büschen positionieren.


