Der erste Roman über das Quilter- und Patchworkmilieu aus der Feder einer deutschen Autorin
Elisabeth Crane kehrt nach Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück. Sie nimmt die Stelle der Oberärztin am St. Elwine Hospital an und widmet sich mit großem Elan ihrer Arbeit. Dank des Einflusses ihrer Freundin Rachel schließt sich Liz der örtlichen Patchworkgruppe an.
Bereits nach wenigen Wochen trifft sie auf ihren alten Gegenspieler aus der Highschool – Joshua Tanner. Glaubt er noch immer der unwiderstehliche Herzensbrecher zu sein?
Elisabeth ahnt: irgendetwas hat sich geändert. Sie kann nicht verhindern, dass ihr Leben erneut kompliziert wird und schon bald steht sie vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens...
Dies ist der Auftakt einer Serie spannender Geschichten über die Menschen in St. Elwine – einer gewöhnlichen Kleinstadt an der Küste von Maryland.
LESEPROBE
Die Sanitäter verschwanden im Aufenthaltsraum der Schwestern.
Liz sah vom PC auf und musterte ihren Patienten. Mist! Ausgerechnet Joshua Tanner. Der ungekrönte König von St. Elwine persönlich. Das konnte ja heiter werden. Sie hatte ihn sofort erkannt, obwohl die weichen Züge eines Highschool - Jungen aus seinem Gesicht verschwunden waren. Was seiner Attraktivität allerdings keinen Abbruch tat, wie sie sofort feststellen konnte, ganz im Gegenteil!
Er hielt jetzt die Augen geschlossen. Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Offensichtlich ging es ihm gar nicht gut. Ob er vielleicht absichtlich ein bisschen Theater spielte? Wollte er sie nur wieder auf die Probe stellen - wie bereits so oft in der Vergangenheit? Sicher hatte er längst erfahren, dass sie hier in der Stadt ihren Dienst angetreten hatte. Na schön, das konnte er haben. Bisher war sie ihm noch jedes Mal gewachsen gewesen. Manche Dinge änderten sich wohl nie? Sie seufzte und ging hinüber ins Untersuchungszimmer. Er sah sofort auf und verzog seinen Mund zu einem Lächeln, das jedoch seine dunklen Augen nicht erreichte. Ein ganz neuer Wesenszug an ihm, bemerkte sie etwas erstaunt.
Anscheinend waren seine schauspielerischen Leistungen nicht mehr so gut wie früher.
"Elizabeth Crane, sieh an, sieh an. Nun Schwester, hol deinen Chef, so dass ich heute irgendwann noch nach Hause komme!", sagte er sichtlich genervt. Sein Ton war überheblich wie eh und je.
"Ich- bin- Dr.- Elizabeth- Crane-, Oberärztin der Chirurgie im St. Elwine Hospital!"
Sie betonte jedes Wort mit Nachdruck und zog sich die Untersuchungshandschuhe über, ohne ihn dabei aus den Augen zu lassen.
Nur langsam schienen ihre Worte zu ihm durchzudringen und die Erkenntnis spiegelte sich jetzt auf seinem Gesicht wider. Er sah so ehrlich erschrocken aus, dass Liz beinahe laut aufgelacht hätte. Ein leiser Zweifel meldete sich in ihr, wegen ihrer anfänglichen Vermutung. Sie schob ihn vorerst bei Seite.
„Nun, Mr. Tanner, was ist passiert auf dem Sportplatz?" Sie wählte ganz bewusst die förmliche Anrede.
„Ich habe den Baseballschläger abbekommen. In eh..." Offensichtlich hatte er Mühe, die geeigneten Worte zu finden.
„Aha, ich verstehe. Na dann werde ich mir das jetzt mal ansehen", antwortete Liz völlig gelassen in ihrem professionellsten Ton.
Sein Kopf fuhr erschreckt hoch. Nicht schlecht Tanner, fast würde ich dir die Nummer abnehmen, überlegte sie belustigt.
„Moment! Gibt,... gibt...“, begann er tatsächlich zu stottern. „Gibt es noch jemanden, der heute hier Dienst hat?"
Er fuhr sich nervös mit der Zunge über die Lippen. Josh ahnte bereits ihre Antwort.
„Es ist niemand hier, Mr. Tanner. Jedenfalls kein anderer Arzt", stellte Liz nicht ohne einen Funken Genugtuung klar. „Das meinten Sie doch wohl?“
Er ging überhaupt nicht auf ihre Frage ein. Nun gut.
„Ich möchte jetzt gern feststellen, wie schwer Sie verletzt sind.“ Wenn Sie allerdings damit ein Problem haben, dürfen Sie selbstverständlich nach Hause gehen, hätte sie am liebsten hinzugefügt. „Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich schnell handeln muss, um Spätfolgen zu vermeiden."
Sie wollte sehen, wie weit er mit seinen ungewöhnlichen Anbaggerversuchen tatsächlich gehen würde. Welch ein Spaß. Er war offensichtlich noch der gleiche selbstherrliche Spinner, schimpfte sie innerlich. Trotzdem ließ sie sich nichts anmerken, sondern fixierte ihn mit ihren Blicken.
An einem anderen Tag, wenn Josh im Vollbesitz seiner Kräfte gewesen wäre, hätte er mit Sicherheit gegrinst und gedacht, was Elizabeth doch für eine kleine Hexe sein konnte. Auf alle Fälle hätte er ernsthaft daran gezweifelt, dass sie ihm weismachen wollte, dass kein anderer Arzt in der Nähe war. Ja, er hätte ihr wahrscheinlich böse Absichten unterstellt, um mal wieder ihre kleinen Rachefeldzüge gegen ihn auszuführen. Nun bot sich ihr immerhin die Gelegenheit, auf die sie sicher schon seit Jahren gewartet hatte. Sie wurde ihr sogar auf dem sprichwörtlichen Silbertablett serviert, zumindest im metaphorischen Sinne. Doch jetzt, in diesem Augenblick, fühlte er sich einfach viel zu elend. Er war hier gelandet und sah sich außerstande, einen Ausweg aus der Situation zu finden. Die Schmerzen nahmen an Intensität zu. Er wünschte, er könnte sich irgendwo hin verkriechen, wo ihn keiner sah und sich einfach nur zusammenrollen.
Josh krümmte sich in der Tat fast und musste mit aller Kraft ein Stöhnen unterdrücken. Vor Lizzy würde er sich nicht die Blöße geben. Lange jedoch konnte er das nicht mehr ertragen, das war ihm nur allzu bewusst.
„Ist
Theo, ich
meine Dr. Jefferson da?“, fragte er leise.
Natürlich, Sie möchten zum
Chefarzt persönlich. "So viel ich weiß, hatte er noch einen
wichtigen Termin außer Haus." Das war nicht mal gelogen, überlegte sie.
Sie nahm ein kurzes Flackern wahr, das über seine Lider huschte. Diese albernen, weiblichen Wimpern überschatteten seine Augen. Trotz des dunklen Teints sah er ungewöhnlich blass aus. Das konnte man doch gar nicht spielen, oder? Liz war sich nicht sicher. Er schien wirklich starke Schmerzen zu haben. Fast tat er ihr ein wenig leid.
„Also?",
fragte
sie deshalb schon wesentlich sanfter. „Vertrauen Sie mir?" Sie
beobachtete ihn unentwegt. Es verging eine schier endlose Pause.
Josh
war
viel zu angeschlagen, um gründlich darüber nachzudenken. Eine tiefe
Resignation
erfasste ihn. Er wollte jetzt nur noch von diesem
entsetzlichen Schmerz befreit
werden. Seine Abwehr brach zusammen.


