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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Janusliebe


Die Liebe hat immer zwei Gesichter, manchmal sogar mehr. Das muss auch Carry einsehen, die mehr durch Zufall als bewusst in Lawrence M. Carters Büro landet und dort plötzlich zu arbeiten beginnt. Damit löst sie eine Serie mysteriöser Vorgänge aus, die Carry schließlich beinahe um den Verstand und sogar in Lebensgefahr bringen...

Der Ausgangspunkt für dieses Buch war die Frage: Kann man einen Roman über eine oder zwei Personen schreiben, ohne einmal ihren Namen zu nennen?





LESEPROBE


Sie vermied es während sie sich abfrottierte, in die Spiegelkacheln zu blicken. Das Bild, das diese ihr zeigten, war sowieso immer dasselbe magere, deprimierende Zerrbild einer Frau ohne die runden, warmen Attribute, die wahre Weiblichkeit ausmachen. Dieses Zerrbild würde ihr nur die Laune verderben und das magere Selbstvertrauen erschüttern, das sie sich im Laufe der Jahre mühsam zusammengebastelt hatte und das sie jeden Tag aufs Neue aufpäppeln musste.

Und sie brauchte Selbstbewusstein.

Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Dringend, denn eine Frau wie sie musste viele Tiefschläge einstecken. Früher hatten die Wut darüber und der Hass auf die Menschen, vor allem auf die Männer, sie beinahe zerfressen. Aber jetzt gab es IHN in ihrem Leben und seine Liebe entschädigte sie für alles, was sie vor ihm hatte erdulden müssen. Mit ihm an ihrer Seite würde sie alles ertragen. Nichts konnte ihr etwas anhaben und es gab niemanden mehr, der sie verletzen konnte. 

Jetzt blickte sie doch in die Kacheln. Ein Lächeln lag auf ihren dünnen, ungeschminkten Lippen.

 «Siehst du Mutter, jetzt habe ich doch einen Mann gefunden», sagte sie zu dem Bild der blassen, schmalgesichtigen Frau, die ihr aus den Spiegelkacheln entgegensah. «Und nicht nur einen einfachen Mann, nein, einen richtigen Prinzen habe ich gefunden. Meinen Prinzen. Da staunst du, nicht wahr?»

 Ihr Lächeln wurde zu einem breiten, höhnischen Grinsen, dann wandte sie sich ab und griff nach der Cremedose.

Sie mochte die Kacheln überhaupt nicht. Damals, als sie hier eingezogen war, hatte sie sie abschlagen wollen. Der tägliche Anblick ihres mageren Körpers war jeden Tag eine neue Demütigung für sie, die sie an ihr Versagen als Frau erinnerte. Aber irgendwie hatte sie es nie geschafft, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dann war er in ihr Leben getreten und als sie ihn gebeten hatte, die Kacheln abzuhauen, hatte er ihr ein striktes «Nein» entgegengesetzt. «Die Kacheln bleiben.» Er hatte sie am Nacken gepackt, ins Badezimmer geschleift und sie gezwungen, sich vor der Spiegelwand aufzustellen.

«Das bist du», hatte er gesagt und dabei war der Griff in ihrem Nacken noch fester geworden. Sie hatte jeden einzelnen Finger seiner Hand gespürt. «Du bist die Frau, die ich liebe. Ich will, dass auch du sie liebst.»

Also hatte sie die Kacheln behalten und versuchte seitdem, sich mit seinen Augen zu sehen. Aber es gelang ihr bis heute nicht, die Frau darin zu akzeptieren. Immer wenn sie in diese Kacheln schaute, sah sie nur dieselbe dürre, hässliche Frau, mit der sie am liebsten nichts zu tun gehabt hätte.

Er hingegen liebte es, sich selbst beim Sex mit ihr zuzusehen. Es törnte ihn an, machte ihn geil, mehr als es ihre Hände, Zunge oder P-U-S-S-Y vermochten.

Ach, verdammt! Sie biss sich auf die Lippen. Obwohl er ihr immer wieder sagte, dass er alles an ihr schön fand, schaffte sie es nicht, ihr Geschlecht anzunehmen oder gar darüber zu sprechen. Ja, selbst wenn sie nur daran dachte, bekam sie sofort ein furchtbar schlechtes Gewissen.
Das kam daher, weil zu Hause alles, was mit Sex zu tun hatte, mit einem dicken Tabu belegt gewesen war.



Ednor Mier

Ednor Mier - Janusliebe
Ubooks Mai 2008
Taschenbuch
ISBN: 978-3-86608-084-3



Originalausgabe: Ubooks
Mai 2008
Genre: erotischer Roman
Zeit: Gegenwart
Handlungsort: Denver, Colorado
 (USA)