DeLiA

Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

rückkehr nach cornwall


Die Geschichte von Celestes und Simons (»Das Erbe der Lady Marian«) Tochter Marian:

Nach einer verlorenen Liebe folgt Marian Elkham ihrer Freundin Olivia auf die Mittelmeerinsel Malta. Dort gerät die junge Adlige in die Fänge des despotischen Roger Grimston und lernt den mittellosen Maler Benedict kennen und lieben. Plötzlich verschwindet Olivia spurlos, und Marian wird verdächtigt, sie ermordet zu haben. Mit Benedicts Hilfe gelingt es ihr, auf einer abenteuerlichen Reise in ihre Heimat Cornwall zurückzukehren. Dort muss Marian erkennen, dass Benedict sie anscheinend nur benutzt hat, um an ein altes Erbe zu kommen. Und sie trifft ihre Jugendliebe Matthew wieder, der inzwischen verwitwet ist. Marian gerät in einen Zwiespalt des Herzens mit dem Verstand - und schließlich in tödliche Gefahr!





LESEPROBE


Was dann kurz vor der Balleröffnung geschah, kam nicht sehr überraschend. Wenn man jedoch den Gedanken an das Unabänderliche von sich schiebt, ihn ganz hinten im Kopf irgendwo versteckt, dann ist der Moment der Wahrheit bitter und schmerzhaft.

Matthew Denbury stieg auf das Podium und bedeutete den Gästen, dass er etwas sagen wollte. Als es in der Halle ruhig geworden war, setzte er mit seiner wohlklingenden Stimme an:

»Meine lieben Freunde und Nachbarn, es ist meiner Mutter, Lady Denbury, und mir eine große Freude, Sie alle heute hier begrüßen zu dürfen. Ich möchte auch gar keine lange Rede halten, denn ich weiß, wie sehr Sie sich darauf freuen, das Tanzbein zu schwingen. Aber es gibt eine Neuigkeit, für deren Verkündigung ich mir keinen besseren Rahmen wie den heutigen Abend vorstellen kann.« Er lächelte und streckte seine Hand zu Hannah aus. Mit geröteten Wangen, die Augen schüchtern gesenkt, trat sie neben Matthew aufs Podium. »Vor drei Tagen bat ich die liebreizende Miss Boscowen um ihre Hand. Sie hat zu meiner Freude und Erleichterung zugestimmt. Somit feiern wir heute Abend unsere Verlobung.«

Nur einen Augenschlag lang herrschte Stille, dann erklangen Hochrufe.

»Herzlichen Glückwunsch!«

»Auf das junge Paar - hoch sollen sie leben!«

»Matthew, du bist mir ja ein ganz Heimlicher! Davon habe ich nichts geahnt.«

Matthew und Hannah schüttelten zahllose Hände, beide strahlten vor Glück. In meinen Ohren summte es und mir war furchtbar kalt. Fröstelnd schlug ich die Arme um den Oberkörper, dabei merkte ich, wie sehr ich zitterte.

Ich weiß nicht, wie ich es schaffte, mir ruhigen Schritten in den Garten zu gehen. In meinem Inneren tobte ein Sturm, und ich konnte nicht verstehen, warum der Vollmond immer noch hell und klar am Himmel stand, wo doch gerade die ganze Welt um mich herum in Trümmer zerbrochen war. Ich merkte erst, dass ich zum Fluss hinuntergelaufen war, als ich vor der Kapelle stand. In sanftem Licht schimmerten die Buchstaben der Gedenktafel für Richard Trelawny. An dieser Stelle war er in den Fluss gesprungen und von seinen Verfolgern für tot gehalten worden. Ich trat näher an die Böschung heran. Das Mondlicht glitzerte auf den sanften Wellen des Tamars. Es war Flut, somit war der Fluss an dieser Stelle mehrere Meter tief. Ich konnte nicht schwimmen. Ich hatte einmal gehört, ertrinken sei ein sanfter Tod, fast ohne Schmerzen. Ich ging noch einen Schritt weiter, und dann noch einer. Die Musik aus dem Schloss drang an meine Ohren. Dort oben wurde ausgelassen getanzt, sie feierten Matthews Verlobung. Matthews Verlobung mit einer anderen Frau … Ein paar lose Steine bröckelten unter meinen Füßen ab und rollten den Abhang hinunter. Nur noch einen Schritt …

»Kein Mann auf dieser Welt ist es wert, sein Leben für ihn fortzuwerfen.«

Erschrocken wirbelte ich herum. An der Seite der Kapelle lehnte eine Gestalt, ihr Gesicht lag im Schatten. Nur an der Stimme hatte ich erkannt, dass es ein Mann sein musste.

»Was wollen Sie hier? Gehen Sie fort und lassen Sie mich allein!«

Er lachte leise auf.

»Gut, es ist Ihr Leben, sie können damit machen, was Sie wollen. Vielleicht sollten Sie aber bedenken, dass es möglich sein könnte, dass Sie sich bei dem Sturz nicht das Genick brechen oder im Fluss ertrinken. Sie könnten überleben, aber so schwer verletzt werden, dass sie den Rest Ihres Lebens im Rollstuhl verbringen werden.«

»Wer zum Teufel sind Sie?« Wütend stampfte ich mit dem Fuß auf, dabei taumelte ich und verlor beinahe den Halt. Eben noch hatte ich mich in die Tiefe stürzen wollen, doch jetzt ruderte ich mit den Armen und es gelang mir, auf sicheren Grund zu springen. Keuchend blickte ich wieder zur Kapelle. Der Schatten war verschwunden.

»Hallo! Wo sind Sie?« , rief ich in die Dunkelheit. Ich war sicher, mir den Mann nicht eingebildet zu haben. Er war sehr real gewesen. Doch wohin war er verschwunden? Hatte es sich um einen Gast gehand




Rebecca Michéle


Rebecca Michele - Rückkehr nach Cornwall
Ullstein Verlag Dezember 2006
Taschenbuch
ISBN: 3-548-26606-1


Rebecca Michele - Rückkehr nach Cornwall
Originalausgabe
Moments Verlag September 2005
Hardcover mit Lesebändchen
ISBN: 3-937670-14-9



Originalausgabe: Moments Verlag September 2005
Genre: historischer Roman
Zeit: 19. Jahrhundert
Handlungsort: Cornwall, London,
 Malta