Ein höchst vergnüglicher Mix aus Historien-roman, Liebesgeschichte, Familiensaga und einem Hauch Kriminalroman vor der grandiosen Kulisse Cornwalls.
Für Alayne bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihre geliebte Großmutter Edith einen Schlaganfall erlitten hat. Sofort eilt sie an Ediths Krankenbett. Als Alayne im Haus ihrer Großmutter altmodische, mit einem Wappen verzierte Kinderkleidung entdeckt, ist ihre Neugier geweckt. Sie beginnt zu recherchieren und stößt auf eine Spur, die nach Cornwall führt. Hier bringt im Jahr 1940 die junge Lady Sarah ihr erstes Kind zur Welt, das kurz darauf entführt und nicht wiedergefunden wird. Hat Alaynes Großmutter etwas mit der Entführung zu tun?
LESEPROBE
Edwina
las
den
Brief
ein
zweites und ein drittes Mal, aber die Worte änderten sich nicht. Sie
konnte es
nicht glauben, was schwarz auf weiß vor ihren Augen stand. Jegliche
Farbe wich
aus ihrem Gesicht. Unaufgefordert sank sie auf einen Stuhl.
„Ich
dachte, ich müsste dich
gleich informieren, Mädchen.“ Lord Henry betrachtete Edwina lauernd. „
Jetzt
kannst du zu dem wahren Erzeuger deines Kindes gehen, vielleicht hat er
ja die
Courage und heiratet dich. Über die Unverschämtheit deines Versuchs,
meinem
Bruder eine solche Sache anzuhängen und damit unseren guten Namen in
einen
Skandal zu verwickeln, werde ich großzügigerweise hinwegsehen und keine
Maßnahmen wegen dieser Verleumdungen gegen dich einleiten. Es ist ja
jetzt wohl
selbstverständlich, dass ich dich niemals wieder auch nur in der Nähe
von
Pencarron Manor sehen will. Hast du das verstanden?“
Wie
betäubt stand Edwina auf.
In ihrem Kopf tobte ein Wirbelsturm. Es gab vieles, was sie
sagen wollte, aber
sie brachte kein einziges Wort heraus. Ohne sich zu verabschieden,
verließ sie
fluchtartig das Arbeitszimmer. Auf dem Flur wurde sie von Hurstley
erwartet,
und sein zufriedenes Grinsen sagte Edwina, dass er wohl an der Tür
gelauscht
hatte. Er bestätigte diese Indiskretion, indem er sagte: „Du hast
Mylord
gehört. Komm, ich geleite dich hinaus.“
Erst
als
sie
den
Wirtschaftsbereich
betraten, fand Edwina die Sprache wieder.
„Kann
ich
bitte
mit
meiner
Schwester sprechen?“
Hurstley
schüttelte
den
Kopf.
„Sie
ist zum Arbeiten hier
und nicht zum Schwatzen. Jowna kann dich in ihrer Freizeit besuchen.“
Es blieb
Edwina nichts
anderes übrig, als rasch das Haus zu verlassen. Unablässig hämmerten
Samuels
Worte aus dem Brief in ihrem Kopf. Hatte sie sich wirklich so sehr ihn
ihm
getäuscht? Waren seine Liebesschwüre null und nichtig, waren seine
Pläne für
eine gemeinsame Zukunft nur eine einzige große Lüge gewesen? War es ihm
die
ganze Zeit nur darum gegangen, sie ins Bett zu bekommen?
Warum dann
ausgerechnet sie, Edwina Goldsworthy? Samuel war ein gutaussehender
Mann, der
bestimmt keine Schwierigkeiten hatte, Frauen für flüchtige Affären zu
finden.
Ziellos lief Edwina durch den Garten. Erst als sie den alten,
baufälligen
Taubenschlag erreicht hatte, merkte sie, dass sie sich immer noch auf
dem Grund
und Boden von Pencarron Manor befand. Bis zum Ende des letzten
Jahrhunderts
waren hier Tauben gezüchtet worden, aber seit Jahrzehnten verfiel der
mittelalterliche Bau immer mehr und hätte eigentlich schon längst
abgerissen
werden müssen. Verzweifelt betrat Edwina durch den niedrigen Durchgang
den
Raum, und ließ sich dort auf einen steinernen Sockel sinken. Sie schlug
die
Hände vors Gesicht, immer noch unfähig, einen klaren Gedanken zu
fassen.
Plötzlich wurde sie durch ein Geräusch von draußen aufgeschreckt.
„Wer ist
da?“, rief sie und
lauschte, aber niemand antwortete. Edwina konnte jedoch deutlich
Schritte
ausmachen. „Jowna, bist du es? Ich bin hier drinnen.“
Sie stand auf
und trat zum
Durchgang. Sicher hatte ihre Schwester erfahren, was vorgefallen war,
und war
ihr nachgegangen. Plötzlich vernahm sie ein seltsames Geräusch von
oben, und
Staub rieselte auf sie herab. Sie blickte nach oben und sah
erschrocken, wie
sich aus dem Mauerwerk Steine lösten und auf sie herunterfielen.
Instinktiv
presste sie beide Hände auf ihren Bauch, um das Baby zu schützen, da
traf sie
der erste Stein auch schon an der Schulter. Mit einem Schrei fiel sie
auf die
Knie, dann prasselte ein Stein nach dem anderen auf ihren Körper.
Offenbar
stürzte der ganze Taubenschlag ein. Sie schrie laut um Hilfe und
versuchte,
nach draußen zu kriechen, aber da traf sie ein Mauerstück an der
Schläfe.
Edwina brach blutüberströmt und bewusstlos zusammen.



