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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

das lied der lüge


Zwei verzweifelte Frauen – vom Schicksal zusammengeführt und für ihr Leben verbunden …

London, an einem neblig-trüben Novembertag des Jahres 1906:
Lady Lavinia Callington ist seit über fünf Jahren in einer Vernunftehe mit dem über zwanzig Jahre älteren Edward gefangen. Noch mehr als unter der Gefühlskälte ihres Mannes leidet Lavinia unter ihrer Kinderlosigkeit. Nach einem Arztbesuch, der ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt, stürzt sich Lavinia in die Fluten der Themse.
Doch das Schicksal eilt ihr in Form der aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Susan Hexton zur Hilfe, die Lady Lavinias Leben rettet. Denn das ungeborene Kind, das Susan zu diesem Zeitpunkt unter ihrem Herzen trägt, wird schnell zum Bindeglied der zwei so unterschiedlichen Frauen und ein unglaublicher und unmoralischer Plan reift zwischen Lavinia und Susan heran, der die beiden noch Jahrzehnte später aneinander binden wird …



LESEPROBE


„Sie erwarten ein Kind?“ Lavinias Augen flackerten unruhig. „Was ist mit dem Vater? Hat er Sie sitzenlassen? Ich nehme nicht an, dass Sie verheiratet sind.“
„Oh, doch!“ Trotzig streckte Susan das Kinn vor. „Mein Mann kann sich derzeit nur nicht um mich und unseren Sohn kümmern.“ Susan war nicht gewillt zu erzählen, dass ihr Mann seit über einem Jahr wegen schweren Raubes und Körperverletzung im Gefängnis von Wandsworth einsaß, also nicht der Vater ihres ungeborenen Kindes sein konnte. Sie hatte nun endgültig genug von Lady Lavinia, ihrem vornehmen Getue und Gejammer. Mochte sie in ihrem Haus auch mehrere Badezimmer und weiche Handtücher haben – sie wollte nur noch von hier fort.
Ohne Lavinia weiter zu beachten, stand Susan auf und ging zur Tür. Eine Hand bereits auf dem Knauf, hörte sie, wie Lavinia rief: „Geben Sie mir Ihr Kind! Ich meine das Ungeborene. Sie können es für mich austragen, und ich werde Sie dafür gut bezahlen. Dann sind Sie Ihre Sorgen los.“
Susan glaubte, sich nun wirklich in einem Traum zu befinden, allerdings wandelte dieser sich zu einem Alptraum. Mit einem Schnauben fuhr sie herum.
„Sie sind ja verrückt und wissen nicht mehr, was Sie sagen! Ich hätte Sie am besten im Wasser lassen sollen.“
„Es ist mein Ernst.“ Plötzlich klang Lavinias Stimme ruhig und leise. „Wir könnten auf unseren Sommersitz nach Cornwall fahren. Mein Mann würde uns dort nicht besuchen, über den Winter kann er London nicht verlassen. Dort bekommen Sie in aller Ruhe Ihr Kind, das ich als das meinige annehmen werde. Den Leuten dort kann ich hundertprozentig vertrauen, sie würden ihr Leben für mich opfern, wenn es sein müsste. Wenn alles vorbei ist, gebe ich Ihnen ...“ Sie zögerte kurz und runzelte nachdenklich die Stirn. „Sagen wir eintausend Pfund. Wenn Sie mit dem Geld gut haushalten, reicht es einige Jahre und kann Ihnen den Start in ein neues Leben ermöglichen.“
Die Summe fuhr wie ein heißes Eisen durch Susans Körper. Eintausend Pfund! Sie hatte keine Vorstellung, wie viel das war, es hörte sich jedoch unglaublich hoch an. Lavinia bemerkte Susans Zögern. Sie trat neben sie, legte eine Hand auf Susans Schultern und sah ihr eindringlich in die Augen.
„Überlegen Sie sich mein Angebot, Sie wissen ja, wo Sie mich finden.



Ricarda Martin




Ricarda Martin - Das Lied der Lüge
 
Weltbild Verlag
November 2011
Hardcover, ca. 600 Seiten
ISBN 978-3-868-00618-6

Originalausgabe: Weltbild
Genre: Historischer Roman
Zeit: zu Beginn des
19. Jahrhundert
Handlungsort:
London und Cornwall (England)




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