Russland im 18. Jahrhundert: Die
adelige Sonja ist die einzige Hoffnung ihrer Familie – nur durch eine
reiche Heirat Sonjas kann der finanzielle und gesellschaftliche Ruin
aufgehalten werden. Als der reiche Fürst Baranow um Sonjas Hand anhält,
ist ihre Familie begeistert. Sonja ist die Heirat mit dem grausamen
Fürsten jedoch zuwider. Auf der Reise zu Baranows Gut wird die Kutsche
von rebellischen Kosaken überfallen und Sonja von ihnen entführt.
Andrej, der wilde Anführer der Kosaken, beansprucht die schöne Beute
für sich. Obwohl sich Sonja zuerst noch abweisend zeigt, schmilzt sie
bald unter seinen Verführungsversuchen dahin …
Sie zog die Beine an den Körper und stand leise auf. Ihre Chancen waren nicht groß, doch sie würde es wagen. Vielleicht würde sie sich in den Wäldern verirren und verhungern. Vielleicht aber stieß sie auch auf ein Fischerdorf oder wenigstens auf einen Meiler, wo man ihr weiterhelfen würde. Hier am Fluss musste ganz sicher irgendwo eine Siedlung sein, hatte sie nicht vorhin auch einige Boote auf dem Wasser entdeckt?
Der Mond stieß wieder durch die Wolken, sein Licht fiel auf das Messer, das neben Andrej auf dem Lager lag. Ja, eine Waffe könnte ihr nützlich sein. Unhörbar beugte sie sich herab zu dem Schlafenden, horchte auf seinen gleichmäßigen Atem während ihre Finger sich um den Griff des Messers schlossen. Als sie es in den Gürtel steckte beschien das Mondlicht sein Gesicht, das seltsam blass und friedlich wirkte. Das feuchte, lockige Haar klebte an seiner Stirn, hart zeichneten sich die geschwungenen Bögen seiner dunklen Augenbrauen, die Nase war schmal und ein wenig gebogen, Kinn und Wangen von einem kurzen, dunklen Bart bedeckt.
Er schien ihr so schutzlos in seinem tiefen Schlaf und sie spürte das Verlangen, sein Gesicht zu berühren, mit dem Finger über seine Lippen zu streichen, die sicher ungeheuer weich und ein wenig feucht waren.
Hure, dachte sie. Nur eine Hure kann solche Gedanken haben. Eben noch hat dieser lasterhafte Kerl mit Pelageja Abscheuliches getrieben.
Der eifersüchtige Zorn half ihr über den Abschied hinweg. Leise bewegte sie sich durch das hohe Gras, blieb erschrocken stehen, wenn ihr Fuß einen dürren Zweig zerknackte oder eines der Pferde schnaubte. Bald hatte sie die ersten Baumstämme erreicht und sie atmete auf, denn nun konnte sie sich leichter verbergen.
Dafür war es viel schwieriger als sie geglaubt hatte, durch das Dickicht des Unterholzes zu schlüpfen. Je weiter sie sich von der Lichtung entfernte, desto schwärzer wurde es um sie herum, das dichte Laubdach des Waldes ließ nur wenige blasse Mondstrahlen bis auf den Waldboden eindringen. Wenn der Mond gar von Wolken verdeckt wurde, stand sie vollkommen im Finstern und konnte sich nur tastend fortbewegen. Immer wieder stießen ihre vorgestreckten Hände an die knotigen Stämme, ihre nackten Füße versanken im feuchten Waldboden, verletzten sich an spitzen Pflanzen und vorstehenden Wurzeln. Dazu umgaben sie die unheimlichen Geräusche des nächtlichen Waldes, das Ächzen der hohen Bäume, das Huschen kleiner Tiere im Gebüsch, das leise Vorüberstreichen unbekannter Wesen, die sie sehen und riechen konnten, ihr jedoch auswichen. Sie dachte daran, dass es Bären im Wald gab und sie erschauerte bei dem Gedanken, dass dicht vor ihr solch ein Ungeheuer stehen und auf ihre Bewegungen lauern könnte. Wenn die Wolkendecke aufriss und das bläuliche Mondlicht den Wald erhellte, sah sie die düsteren Umrisse der Stämme, das schwarze Gespinst der Büsche und dazwischen immer wieder dunkle, unförmige Gebilde, die sowohl Steine oder tote Baumstämme sein konnten, genau so gut aber auch am Boden kauernde Tiere.
LESEPROBE
Sie zog die Beine an den Körper und stand leise auf. Ihre Chancen waren nicht groß, doch sie würde es wagen. Vielleicht würde sie sich in den Wäldern verirren und verhungern. Vielleicht aber stieß sie auch auf ein Fischerdorf oder wenigstens auf einen Meiler, wo man ihr weiterhelfen würde. Hier am Fluss musste ganz sicher irgendwo eine Siedlung sein, hatte sie nicht vorhin auch einige Boote auf dem Wasser entdeckt?
Der Mond stieß wieder durch die Wolken, sein Licht fiel auf das Messer, das neben Andrej auf dem Lager lag. Ja, eine Waffe könnte ihr nützlich sein. Unhörbar beugte sie sich herab zu dem Schlafenden, horchte auf seinen gleichmäßigen Atem während ihre Finger sich um den Griff des Messers schlossen. Als sie es in den Gürtel steckte beschien das Mondlicht sein Gesicht, das seltsam blass und friedlich wirkte. Das feuchte, lockige Haar klebte an seiner Stirn, hart zeichneten sich die geschwungenen Bögen seiner dunklen Augenbrauen, die Nase war schmal und ein wenig gebogen, Kinn und Wangen von einem kurzen, dunklen Bart bedeckt.
Er schien ihr so schutzlos in seinem tiefen Schlaf und sie spürte das Verlangen, sein Gesicht zu berühren, mit dem Finger über seine Lippen zu streichen, die sicher ungeheuer weich und ein wenig feucht waren.
Hure, dachte sie. Nur eine Hure kann solche Gedanken haben. Eben noch hat dieser lasterhafte Kerl mit Pelageja Abscheuliches getrieben.
Der eifersüchtige Zorn half ihr über den Abschied hinweg. Leise bewegte sie sich durch das hohe Gras, blieb erschrocken stehen, wenn ihr Fuß einen dürren Zweig zerknackte oder eines der Pferde schnaubte. Bald hatte sie die ersten Baumstämme erreicht und sie atmete auf, denn nun konnte sie sich leichter verbergen.
Dafür war es viel schwieriger als sie geglaubt hatte, durch das Dickicht des Unterholzes zu schlüpfen. Je weiter sie sich von der Lichtung entfernte, desto schwärzer wurde es um sie herum, das dichte Laubdach des Waldes ließ nur wenige blasse Mondstrahlen bis auf den Waldboden eindringen. Wenn der Mond gar von Wolken verdeckt wurde, stand sie vollkommen im Finstern und konnte sich nur tastend fortbewegen. Immer wieder stießen ihre vorgestreckten Hände an die knotigen Stämme, ihre nackten Füße versanken im feuchten Waldboden, verletzten sich an spitzen Pflanzen und vorstehenden Wurzeln. Dazu umgaben sie die unheimlichen Geräusche des nächtlichen Waldes, das Ächzen der hohen Bäume, das Huschen kleiner Tiere im Gebüsch, das leise Vorüberstreichen unbekannter Wesen, die sie sehen und riechen konnten, ihr jedoch auswichen. Sie dachte daran, dass es Bären im Wald gab und sie erschauerte bei dem Gedanken, dass dicht vor ihr solch ein Ungeheuer stehen und auf ihre Bewegungen lauern könnte. Wenn die Wolkendecke aufriss und das bläuliche Mondlicht den Wald erhellte, sah sie die düsteren Umrisse der Stämme, das schwarze Gespinst der Büsche und dazwischen immer wieder dunkle, unförmige Gebilde, die sowohl Steine oder tote Baumstämme sein konnten, genau so gut aber auch am Boden kauernde Tiere.




