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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Die Liebe des Kosaken


Als die junge Adelige Natalja erfährt, dass ihr Verlobter, Fürst Oleg, in Sibirien wegen Goldschmuggels verhaftet wurde, will sie nach Perm reisen, um ihren Bräutigam zu befreien oder sein Schicksal zu teilen. Sie gewinnt den ehemaligen Kosakenkämpfer Andrej als Begleiter – einen ungehobelten Kerl, der in Natalja jedoch bald einen Widerstreit der Gefühle auslöst …





LESEPROBE


Andrej fand sein Haus in völlig chaotischem Zustand vor. Verängstigt und ratlos hockten die Diener in der Küche zwischen zerbrochenem Geschirr und aufgeschlitzten Mehlsäcken, man hatte sogar die Vorräte konfisziert und die Feuerstelle durchwühlt. Es war früh am Morgen, er gab einige kurze Anweisungen, das Reisegepäck zu richten so gut es ging und stieg die Treppe hinauf. Zähneknirschend erinnerte er sich daran, dass die Soldaten auch in seinen Wohnräumen gewütet hatten, vermutlich lag dort oben alles in Trümmern – von Wertgegenständen und Kunstobjekten, die unter der Hand verschwunden waren, gar nicht erst zu reden.
Als er jedoch die Tür zu seinem Salon öffnete begriff er, dass auch die schlimmsten Erwartungen noch übertroffen werden konnten. Inmitten umgestürzter Möbel und herabgerissener Vorhänge stand eine zarte, junge Frau in weißem Sommerkleid, einen leichten, weinroten Schal um die Schultern geworfen. Ihr Gesicht war von dem hellen Schotenhut beschattet, die braunen Augen wirkten groß und hilflos.
Andrej prallte zurück, als habe eine plötzliche Feuersbrunst sich vor ihm erhoben.
„Was haben Sie hier zu suchen?“
Natalja fuhr ein wenig zusammen, denn sein Ton war mehr als unfreundlich. Zudem deutete das Chaos in diesem Zimmer darauf hin, dass er in dieser Nacht offensichtlich eine wilde Orgie gefeiert hatte. Aber sie war wild entschlossen, sich durch nichts und niemanden einschüchtern zu lassen.
„Sie waren so gütig, mir Ihre Hilfe anzubieten, Andrej Semjonitsch. Nun – ich bin gekommen, weil ich von Ihrem Angebot Gebrauch machen möchte. Ich bin in einer schwierigen Lage.“
Die Situation war so grotesk, dass er in Lachen ausbrach. Sie brauchte seine Hilfe! Diese sture, kleine Person glaubte allen Ernstes, er habe nichts Anderes zu tun, als sich mit ihren Problemen zu befassen!
„Bedaure, Comtesse! Ich reise heute noch ab. Vielleicht ein anderes Mal.“
Er machte sich daran, einen der umgestürzten Sessel wieder aufzurichten, hielt jedoch inne als er sie aufschluchzen hörte. Verdammt noch mal – weinende Frauen machten ihm Angst.
„Ich flehe Sie an, Andrej Semjonitsch! Sie sind meine einzige Hoffnung. Bitte helfen Sie mir sonst sterbe ich vor Verzweiflung!“

Sie hatte die Hände vor Gesicht genommen, ihr ganzer Körper bebte, der Hut war zur Seite gerutscht und das blonde Haar quoll darunter hervor. Andrej fühlte sich hilflos bei diesem Anblick, seine Stimmung schwang um und plötzlich empfand er tiefes Mitgefühl. Diese schöne junge Frau tat ihm Leid, er selbst tat sich ebenfalls Leid – wenn er diesen elenden Versager Oleg jetzt vor sich gehabt hätte, hätte er ihn mit Freuden erwürgt.



Catherine du Parc

Catherine du Parc: Die Liebe des Kosaken
Originalausgabe
Ullstein
Januar 2009
Taschenbuch
ISBN:
978-3-548-26989


Originalausgabe: Ullstein
Januar 2009
Genre: historischer Liebesroman
Zeit: 19. Jahrhundert
Handlungsort: Russland