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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Die Gefangene des Highlanders


Als der tapfere Kreuzritter Braden MacDean nach Jahren nach Hause zurückkehrt, steht er vor dem Nichts. Seine Familie wurde getötet, die Burg ist zerstört und das Land gehört einem anderen Clan. Braden fordert seinen Besitz zurück, aber man verjagt ihn. Doch dann begegnet der heimatlose Highlander einer atemberaubenden Schönheit – es ist Marian, die Tochter des verfeindeten Clans …






LESEPROBE


Es war wie immer. Er stürzte in dunkle Bewusstlosigkeit, die ihn umfing wie die Wände eines Brunnenschachtes, kühl, glatt und vollkommen still. Dann erst, nach einer scheinbaren Ewigkeit, begannen die Träume wieder Besitz von ihm zu nehmen. Es waren immer die gleichen, er kannte sie aus seinen Fieberphantasien, als er auf dem langen Krankenlager pausenlos vor sich hinredete und sich mit seinen Fieberschimären unterhielt. Später, als er wieder Herr seiner Gedanken war, hatten sie sich heimtückisch in seinen Schlaf geschlichen, nutzten die Willenlosigkeit des Schlummers um ihn zu peinigen.
Bilder von wilden Kämpfen unter sengender Sonne drängten sich ihm entgegen, sterbende Männer, die in den glühenden, roten Sand stürzten, er spürte wieder die schwere, sinnlose Last seines stählernen Panzerhemdes, das ihn verbrennen wollte. Kameraden, die für ein paar Goldstücke zu Mördern wurden, Gefangene, die man zu Tode folterte um ein paar Worte aus ihnen heraus zu pressen. Dann das Zelt, mit dunklen Häuten bespannt, kostbare Teppiche und Gefäße im Inneren, kühles Wasser in weiten Schalen, die schmale Mondsichel in Sithas Augen.
Er wehrte sich verzweifelt, um dem Ende des Traums zu entkommen, spürte die weiche, blasse Haut der schönen Sarazenin, tastete über ihr ausgebreitetes Haar, neigte sich über sie und berührte ihre vollen, verlockenden Lippen …
„He clanchief! Wach auf! Willst du die neue Mauer einstürzen?“
Jemand rüttelte ihn fest am Arm und Braden gelang es, kurz vor dem fatalen Ende seines Traums aufzuwachen. Er keuchte noch, wischte sich den Schweiß von der Stirn und kam sich unter dem verwunderten Blick des Mannes wieder einmal ziemlich lächerlich vor. Offensichtlich hatte er im Schlaf ordentlich gegen die Mauer getreten, denn sein linker Schuh war aufgerissen.
„Träume“, sagte Keith düster. „Kenne ich. Seit die MacArons meinen kleinen Bruder erwischt haben, sehe ich es jede Nacht im Schlaf vor mir. Haben ihm nicht helfen können, chief, die Feiglinge hatten mich an einen Pfosten gebunden.“
Braden nickte ihm verständnisvoll zu und schlug ihm auf die Schulter, dann blinzelte er und stellte fest, dass es bereits dämmrig war und die Luft außerdem nach Nebel roch. Als er sich erhob sah er, dass Waldrand und Seeufer bereits unter dem grauen Dunst verschwunden waren. Langsam und stetig bewegten sich die wallenden Nebelschwaden über die Heide auf die Burg zu.
„Bisher ist alles ruhig“, sagte Keith. „Außer im Turm, da ist die Hölle los.“
„Was?“, entfuhr es Braden verblüfft.
Keith schien die Sache peinlich zu sein, er trat von einem Fuß auf den anderen und zog die buschigen Augenbrauen hoch.
„Nun ja – sie hat ständig andere Wünsche. Wir haben Kräuter gesammelt, Wasser und Tücher herangeschleppt, dazu Decken und Felle und einen Besen. Dann wollte sie einen Stuhl, den haben wir ihr zusammengezimmert. Danach verlangte sie nach einem Kamm, einer Fibel für ihr Gewand, neuen Riemen für ihre Schuhe, die sie sich zerrissen hatte, und schließlich wollte sie sogar noch, dass wir ihr neben dem Turm Häute aufspannen, damit sie sich dort ungesehen waschen kann …“
Braden richtete sich langsam auf, zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er Lust zu lachen. Diese unverschämte Person hatte die gutmütigen Kerle vermutlich die ganze Zeit auf Trab gehalten.
„Was machst du eigentlich, wenn deine Frau oder deine Töchter solche Wünsche haben, Keith?“
„Ich sage ihnen, dass sie das Maul halten sollen, weil ich ihnen sonst eins draufgebe.“
„Und warum sagst du ihr nicht das gleiche?“

Keith hob hilflos die Schultern.



Megan MacFadden

Megan Mac Fadden: Die Gefangene des Highlanders
Originalausgabe
Heyne Februar
2009
Taschenbuch
ISBN:
978-3-548-26989


Originalausgabe: Heyne,
Februar
2009
Genre: historischer Liebesroman
Zeit: 12. Jahrhundert
Handlungsort: Die Highlands in
 Schottland