DeLiA

Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

die wasser-gärtnerin


Nie wieder Erde, Dünger und Strandhafer, schwört sich Tinke, als sie die Gärtnerei ihres Vaters auf Langeoog verlässt. Seit dem rätselhaften Verschwinden ihrer Mutter lösen die kleine Nordseeinsel und die vielen Blumen nur noch bittere Erinnerungen in ihr aus. Um endlich herauszufinden, was sie vom Leben will, zieht Tinke zu einer Freundin ins turbulente Berlin-Kreuzberg. Sie schwebt im siebten Himmel, als sie sich dort neu verliebt. Doch dann macht sie eine unerwartete Entdeckung, und plötzlich ist nicht mehr so, wie es schien …

Ein wunderschöner Roman über die Liebe, das Leben und eine große Leidenschaft. 


Nominiert für die Delia 2009!






LESEPROBE


Florian ging inzwischen vom CD-Spieler zum Kühlschrank und holte die Sektflasche heraus. “Ich möchte gern mit dir anstoßen”, sagte er.
“Auf dein neues Atelier, das gerade fertig geworden ist?”
“Ja, darauf auch”, antwortete Florian. Er öffnete die Flasche vorsichtig und goss den schäumenden Sekt in zwei tulpenförmige Gläser, in die ein geschwungenes Muster eingraviert war. Dann nahm er sie und ging zu dem Tisch, an dem Tinke saß. “Und darauf, dass uns der Zufall zusammengebracht hat. Dass wir uns kennengelernt haben und nie wieder wie Fremde in der Stadt aneinander vorbeigehen werden. Auf dich. Auf mich. Auf uns.” Er sah sie lächelnd an und stieß sein Glas gegen ihres. Ein leises Klingen ertönte.
Das Gewitter schien jetzt genau über ihnen zu sein. Die Regentropfen trommelten heftig gegen das Fenster, der Sturm fuhr so heulend über die Terrasse, dass die Rosenbüsche sich im Wind neigten. Die ersten Töne von Musettas Walzer erklangen.
Tinke wusste genau, was jetzt passieren würde. Sie hatte es bereits auf dem Weg in die Graefestraße geahnt, hatte es gespürt, als sie die vielen Stufen hochgestiegen war. Deshalb war sie auch nicht überrascht, als Florian sein Glas abstellte und sie hoch und in seine Arme zog. Sein Kuss schmeckte nach Sekt, nach Rosen und Regen, nach Wind und Sommersturm und Musik, nach Kunst und Farben und Glück. Ich habe mich verliebt, dachte sie noch, während er sie auf seine schmale Liege zog. Und dann dachte sie eine ganze Weile nichts mehr. Selbst der Schrei “Mimi!”, mit dem Rodolfo später den Tod der Geliebten beklagte, konnte sie nicht schrecken. Mimi mochte tot sein. Aber sie lebte und genoss jede Sekunde.




Tania Krätschmar

Tania Krätschmar - Die Wasser-Gärtnerin
Originalausgabe
Knaur August 2008
Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-63894-1

Originalausgabe: Knaur 2008
Zeit: Gegenwart
Handlungsort:
Berlin, Langeoog