Eine
Ziege auf unerlaubten Entdeckungstouren, zwei Enten als
dauerschnatternde Begleitung und ein Pony mit Eifersuchtsanfällen - wo
gibt's denn sowas? Na klar, auf dem Waldenhof! Und dazu noch vier große
Brüder, eine schwangere Mama und ein Opa, der viel zu temperamentvoll
für einen Opa ist. Herzlich willkommen bei Rieke und ihrer Familie!
Bisher hatte Rieke höchstens drei Mal in der Woche zu Balduin fahren, auf ihm reiten, ihn streicheln und mit ihm reden können. Auf dem Waldenhof würde das anders sein: Dort würde sie ihren geliebten Haflinger jeden Tag sehen.
„Ach Mama, Balduin versteht sich mit jedem“, sagte sie. „Bestimmt auch mit Frau Doktor.“
Lasse grinste. „Aber vor allem mit dir.“
„Logo“, erwiderte Rieke. „Was glaubst du, wie froh er sein wird, wenn ich jeden Nachmittag mit ihm ausreite!“
„Das wird bestimmt toll für euch beide“, mischte Claas sich ein. „Aber du wirst ab dann für dein Pony alleine verantwortlich sein. Schaffst du das?“
Rieke nickte eifrig.
„Papa meint nicht nur das Reiten“, sagte Lasse.
„Sondern auch das Füttern“, fügte Thiess hinzu.
„Und das Ausmisten“, ergänzte Finn und rümpfte die Nase.
„Ach das, das mache ich alles total gern“, betonte Rieke selbstbewusst.
„Dann ist es ja gut“, sagte Rena und blickte ihrer Tochter fest in die grünen Augen mit den kleinen braunen Punkten. „Ich bin mir sicher, du kriegst das hin.“
„Bin ich jetzt endlich dran?“, fragte Lasse, den Rieke vor geraumer Weile mitten im Satz unterbrochen hatte.
Rena lächelte ihm zu und strich gleichzeitig mit der rechten Hand über ihren runden Bauch. „Klar, leg los.“
„Ich finde es echt blöd, wenn ich jeden Tag so weit fahren muss. Ich habe ja nicht mal ein Auto.“
„Das würde dir auch gar nichts nutzen, solange du noch keinen Führerschein hast“, erinnerte Finn ihn.
„Ich nehme ja bald Fahrstunden.“
„Wenn du die Prüfung bestanden hast, kannst du ab und zu Mamas oder mein Auto leihen“, antwortete Claas.
Auch das überzeugte Lasse nicht. „Meistens braucht ihr eure Autos selbst, oder?“
„Stimmt auch wieder“, sagte Rena. „Dann musst du eben doch mit dem Bus fahren, wenn du dich mit Josefine oder deinen Freunden in Rendsburg treffen möchtest.“
„Also, ich gehe auf keinen Fall auf eine andere Schule“, wandte Finn ein.
„Ich auch nicht“, sagte Thiess.
Rena wandte sich an ihren zweitältesten Sohn. “Aber du bist immer noch einverstanden, Lenni, ja?“
„Mir egal. Ich werd sowieso Koch.“
„Mann, du bist echt ein Brutalo“, sagte Finn.
„Wieso?“, fragten Lennart und Rena gleichzeitig und starrten Finn verblüfft an. Auch Rieke überlegte fieberhaft, weshalb sein Berufswunsch aus ihrem ruhigen Bruder Lenni einen abgebrühten Schläger machen sollte.
Doch da antwortete Finn schon grinsend: „Na, da muss man Sahne schlagen, Schnitzel platt hauen, Eier köpfen, Orangen auspressen ...“
Da lachte die ganze Familie Walden laut los. Finn schlug mit Lasse ein, Thiess kicherte vor sich hin und Rieke stellte sich vor, wie Lennart mit weißer Kochmütze auf dem Kopf und schwingendem Fleischklopfer einem flüchtenden Schnitzel hinterherrannte. Nur Lennart saß da und verzog keine Miene.
„Zurück zum Thema“, forderte Rena, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war. „Es ist so: Alle bleiben auf ihren Schulen, mit Ausnahme von Rieke natürlich.“
Rieke besuchte die vierte Grundschulklasse und sollte nach den Sommerferien aufs Gymnasium wechseln. „Aber ich gehe trotzdem mit Jana und Marie hier in Rendsburg aufs Gymnasium, oder?“, fragte sie ein wenig besorgt.
Ihre Eltern schüttelten die Köpfe. „Nein Liebes“, antwortete ihr Vater. „Nicht weit von Hockensbüll entfernt gibt es ein Gymnasium, da kannst du sogar mit dem Fahrrad hinfahren.“
„Wie? Die Jungs dürfen auf ihren Schulen bleiben und ich nicht? Das ist ja total gemein!“, empörte Rieke sich.
„Du kannst doch ohnehin nicht auf deiner alten Schule bleiben“, gab Lasse zu bedenken.
„Außerdem sind wir älter“, fügte Thiess hinzu.
„Und können besser Bus fahren als du“, sagte Finn grinsend.
„Busfahren kann jedes Baby“, antwortete Rieke schnell, obwohl sie erst ein einziges Mal alleine mit dem Bus gefahren war.
Weil Rena wusste, dass nun jedes ihrer Kinder – mit Ausnahme von Lennart natürlich – etwas zum Thema Busfahren sagen würde, gab sie ein energisches „Stopp jetzt!“ von sich. Danach wandte sie sich Rieke zu: „Ich verstehe schon, dass du lieber mit deinen alten Klassenkameraden zusammenbleiben würdest und vor allem mit Jana und Marie. Aber die beiden dürfen dich jederzeit in Hockensbüll besuchen. Und auf dem Augusta-Gymnasium wird es dir gefallen, da bin ich mir sicher!“
Rieke war eine Langschläferin, deshalb sagte ihr Vater nun: „Außerdem kannst du morgens länger schlafen, weil dein Schulweg viel kürzer ist.“
„... und du bist mittags früher zu Hause“, ergänzte Rena.
Rieke war noch nicht überzeugt. „Das ist trotzdem blöd.“
„Man kann eben nicht alles haben“, sagten Finn und Thiess gleichzeitig. Das war einer der Lieblingssätze ihres Großvaters und jedes der Waldenkinder hatte diesen Spruch schon unzählige Male zu hören bekommen ...
LESEPROBE
Bisher hatte Rieke höchstens drei Mal in der Woche zu Balduin fahren, auf ihm reiten, ihn streicheln und mit ihm reden können. Auf dem Waldenhof würde das anders sein: Dort würde sie ihren geliebten Haflinger jeden Tag sehen.
„Ach Mama, Balduin versteht sich mit jedem“, sagte sie. „Bestimmt auch mit Frau Doktor.“
Lasse grinste. „Aber vor allem mit dir.“
„Logo“, erwiderte Rieke. „Was glaubst du, wie froh er sein wird, wenn ich jeden Nachmittag mit ihm ausreite!“
„Das wird bestimmt toll für euch beide“, mischte Claas sich ein. „Aber du wirst ab dann für dein Pony alleine verantwortlich sein. Schaffst du das?“
Rieke nickte eifrig.
„Papa meint nicht nur das Reiten“, sagte Lasse.
„Sondern auch das Füttern“, fügte Thiess hinzu.
„Und das Ausmisten“, ergänzte Finn und rümpfte die Nase.
„Ach das, das mache ich alles total gern“, betonte Rieke selbstbewusst.
„Dann ist es ja gut“, sagte Rena und blickte ihrer Tochter fest in die grünen Augen mit den kleinen braunen Punkten. „Ich bin mir sicher, du kriegst das hin.“
„Bin ich jetzt endlich dran?“, fragte Lasse, den Rieke vor geraumer Weile mitten im Satz unterbrochen hatte.
Rena lächelte ihm zu und strich gleichzeitig mit der rechten Hand über ihren runden Bauch. „Klar, leg los.“
„Ich finde es echt blöd, wenn ich jeden Tag so weit fahren muss. Ich habe ja nicht mal ein Auto.“
„Das würde dir auch gar nichts nutzen, solange du noch keinen Führerschein hast“, erinnerte Finn ihn.
„Ich nehme ja bald Fahrstunden.“
„Wenn du die Prüfung bestanden hast, kannst du ab und zu Mamas oder mein Auto leihen“, antwortete Claas.
Auch das überzeugte Lasse nicht. „Meistens braucht ihr eure Autos selbst, oder?“
„Stimmt auch wieder“, sagte Rena. „Dann musst du eben doch mit dem Bus fahren, wenn du dich mit Josefine oder deinen Freunden in Rendsburg treffen möchtest.“
„Also, ich gehe auf keinen Fall auf eine andere Schule“, wandte Finn ein.
„Ich auch nicht“, sagte Thiess.
Rena wandte sich an ihren zweitältesten Sohn. “Aber du bist immer noch einverstanden, Lenni, ja?“
„Mir egal. Ich werd sowieso Koch.“
„Mann, du bist echt ein Brutalo“, sagte Finn.
„Wieso?“, fragten Lennart und Rena gleichzeitig und starrten Finn verblüfft an. Auch Rieke überlegte fieberhaft, weshalb sein Berufswunsch aus ihrem ruhigen Bruder Lenni einen abgebrühten Schläger machen sollte.
Doch da antwortete Finn schon grinsend: „Na, da muss man Sahne schlagen, Schnitzel platt hauen, Eier köpfen, Orangen auspressen ...“
Da lachte die ganze Familie Walden laut los. Finn schlug mit Lasse ein, Thiess kicherte vor sich hin und Rieke stellte sich vor, wie Lennart mit weißer Kochmütze auf dem Kopf und schwingendem Fleischklopfer einem flüchtenden Schnitzel hinterherrannte. Nur Lennart saß da und verzog keine Miene.
„Zurück zum Thema“, forderte Rena, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war. „Es ist so: Alle bleiben auf ihren Schulen, mit Ausnahme von Rieke natürlich.“
Rieke besuchte die vierte Grundschulklasse und sollte nach den Sommerferien aufs Gymnasium wechseln. „Aber ich gehe trotzdem mit Jana und Marie hier in Rendsburg aufs Gymnasium, oder?“, fragte sie ein wenig besorgt.
Ihre Eltern schüttelten die Köpfe. „Nein Liebes“, antwortete ihr Vater. „Nicht weit von Hockensbüll entfernt gibt es ein Gymnasium, da kannst du sogar mit dem Fahrrad hinfahren.“
„Wie? Die Jungs dürfen auf ihren Schulen bleiben und ich nicht? Das ist ja total gemein!“, empörte Rieke sich.
„Du kannst doch ohnehin nicht auf deiner alten Schule bleiben“, gab Lasse zu bedenken.
„Außerdem sind wir älter“, fügte Thiess hinzu.
„Und können besser Bus fahren als du“, sagte Finn grinsend.
„Busfahren kann jedes Baby“, antwortete Rieke schnell, obwohl sie erst ein einziges Mal alleine mit dem Bus gefahren war.
Weil Rena wusste, dass nun jedes ihrer Kinder – mit Ausnahme von Lennart natürlich – etwas zum Thema Busfahren sagen würde, gab sie ein energisches „Stopp jetzt!“ von sich. Danach wandte sie sich Rieke zu: „Ich verstehe schon, dass du lieber mit deinen alten Klassenkameraden zusammenbleiben würdest und vor allem mit Jana und Marie. Aber die beiden dürfen dich jederzeit in Hockensbüll besuchen. Und auf dem Augusta-Gymnasium wird es dir gefallen, da bin ich mir sicher!“
Rieke war eine Langschläferin, deshalb sagte ihr Vater nun: „Außerdem kannst du morgens länger schlafen, weil dein Schulweg viel kürzer ist.“
„... und du bist mittags früher zu Hause“, ergänzte Rena.
Rieke war noch nicht überzeugt. „Das ist trotzdem blöd.“
„Man kann eben nicht alles haben“, sagten Finn und Thiess gleichzeitig. Das war einer der Lieblingssätze ihres Großvaters und jedes der Waldenkinder hatte diesen Spruch schon unzählige Male zu hören bekommen ...


