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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Außer kontrolle


Verwüstungen auf dem Friedhof, zerstochene Autoreifen, Einbruch und Diebstahl. Sind jugendliche Täter dafür verantwortlich? Die Anzeichen dafür, dass Eric, der Bruder von Mandys neuer Freundin Jana, in diese Straftaten verwickelt ist, werden immer deutlicher.

Nun müssen Tom, Louis und Mandy mit Hilfe von Kommissar Ehrlicher schnellstens handeln.






LESEPROBE


»Du siehst aus, als hättest du Hunger«, meinte Louis statt einer Begrüßung.

»Nö, ich habe schon gegessen«, erwiderte Mandy und warf ihre Tasche schwungvoll auf einen freien Stuhl. »Hallo übrigens«, ergänzte sie.


Mandy und die beiden Jungs waren gute Freunde. Die erste Begegnung zwischen Tom und der fünfzehnjährigen Mandy Grimm war allerdings wenig erfreulich verlaufen. Sie war sogar ungleich unerfreulicher gewesen, als die erste Begegnung zwischen Tom und Louis.

Louis war Tom in den ersten Tagen einfach zu aufdringlich gewesen und zu besserwisserisch. Die Selbstsicherheit des Dreizehnjährigen fand Tom aufgesetzt und angeberisch.

Mit Mandy hingegen hatte er etwas zutiefst Peinliches erlebt. Er, der kräftige, durchtrainierte Tom war von Mandy abgezockt worden. Zuerst hatte sie ihm dreißig Euro abgenommen und dann auch noch die Polizeijacke, die er von Ehrlicher zum Geburtstag bekommen hatte.

Die ganze Geschichte war Tom damals sogar so unangenehm gewesen, dass er sich zunächst nicht getraut hatte, irgendjemandem davon zu erzählen.

Aber Mandy war selbst von ihrer Clique ausgenommen worden. Mit Hilfe von Tom und Louis hatte sie herausgefunden, dass ihre angeblichen Freundinnen aus der Mädchengang sie nach Strich und Faden betrogen.

Danach hatten die drei Jugendlichen sich häufiger getroffen und schnell gemerkt, dass sie einander mochten. Und dass es keine Rolle spielte, ob man - wie Tom und Louis - aufs Gymnasium ging oder - wie Mandy - die Hauptschule besuchte. Bei den Fällen, zu deren Auflösung sie erheblich beigetragen hatten, wusste oder konnte der eine immer etwas, das der andere nicht konnte oder wusste. Die drei waren ein Team. Ein gutes Team sogar.

Mandy hatte sich inzwischen hingesetzt und kam sofort zur Sache: »Habt ihr Samstag schon etwas vor?«

Bevor Louis reagieren konnte, sprach Tom. »Nein, warum?«

»Jana gibt eine Geburtstagsparty.«


Tom hakte sofort ein. »Die Jana aus deiner Klasse, mit der du in letzter Zeit so oft unterwegs warst?«

»Genau«, antwortete Mandy, trank einen Schluck Wasser und grinste. »Und weil ich irgendwann per Zufall über euch geredet habe, soll ich euch mitbringen.«

In Wirklichkeit hatte Mandy ihrer neuen Freundin schon ziemlich viel über Tom Liebermann und Louis von Eden erzählt. Schließlich waren die beiden ihre besten Freunde.

»Die Party ist übrigens im neuen Jugendhaus, das vor vier Wochen bei mir in der Nähe aufgemacht hat. Davon habe ich euch schon erzählt, oder?«

Oh, ja. Das hatte sie. Tom erinnerte sich sehr gut daran, dass Mandy von der funkel-niegel-nagelneuen Einrichtung erzählt hatte, in der Jugendliche sich zum Klönen, Spielen, Hausaufgaben machen und Party feiern treffen konnten. Vor allem erinnerte Tom sich daran, dass Mandy gesagt hatte, Rainer, der Jugendhausleiter, sei ein relativ cooler Typ. Normalerweise hielt Mandy sich nämlich mit ihren Sympathiekundgebungen zurück. Bei ihr dauerte es immer ein Weilchen, bis sie warm geworden war und Vertrauen zu jemandem gefasst hatte. Das galt erst recht für Erwachsene.

Exakt aus diesem Grund erinnerte Tom sich gut an Mandys Bericht. Ein Erwachsener, der in Mandys Augen ein cooler Typ war, musste wirklich ziemlich in Ordnung sein. Und eine Party am Samstagabend war ohnehin nicht zu verachten.

Tom nickte. »Ja, hast du. Also, ich komme gern. Wann geht's los?«

»Um halb acht«, antwortete Mandy und schaute zu Louis. »Und du? Du bist so still. Hast du keine Lust oder hast du schlechte Laune, weil einer deiner vier Rechner abgestürzt ist?«

Louis zögerte. Sollte er seinen Freunden jetzt erzählen, dass am kommenden Samstag der 21. Juli war? Der Tag, an dem im Jahre 1969 der erste Mensch den Mond betreten hatte? 1969, das war verdammt lang her. Und ob die amerikanischen Astronauten mit der Apollo 11 wirklich auf dem Mond
gelandet waren, stand im wahrsten Sinne des Wortesin den Sternen. Vielleicht hatten die Amerikaner nur ein gigantisches, 40 Milliarden Dollar teures Medienspektakel inszeniert. Vielleicht hatten sie heimlich, still und leise einen Film in der Wüste gedreht, statt auf dem Mond herumzulaufen.

So oder so. Der 21. Juli war ein historisches Datum. Und Louis wollte diesen Tag feiern!

Auf den Monitoren seiner Rechner sollten Bilder vom Mond, der Apollo und den Astronauten zu sehen sein. Und die Lautsprecher würden den weltberühmten Satz des Astronauten Neil Armstrong wiedergeben: »Ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer für die Menschheit.«

Louis hatte gründlich recherchiert. Er wollte seinen Freunden auch all die Dinge zeigen, die darauf hinwiesen, dass die Amis nicht auf dem Mond gewesen waren. Den kleinen Filmausschnitt mit der wehenden amerikanischen Flagge zum Beispiel. Wenn es stimmte, dass es auf dem Mond kaum Atmosphäre und keinen Wind gab, konnte es auch keine wehende Flagge geben. Und warum sah man keine Sterne? Und wie konnte es sein, dass sich in einem der Astronautenhelme Scheinwerfer spiegelten?

Louis fand seine Idee klasse. Er freute sich seit Tagen auf die überraschten Gesichter der anderen. Aber jetzt kam ihm diese Party im Jugendzentrum dazwischen.

Wenn Mandys beste Freundin ihren Geburtstag feierte, stand es außer Frage, dass Mandy ihr wegen seiner Moonwalker-Party absagen würde.

Auch Tom schien Lust auf Janas Geburtstagsfete zu haben. Also, was sollte es!

Louis beschloss, seinen Plan zunächst für sich zu behalten …

»Logisch«, sagte er forsch. »Ich bin dabei.«





Bella Berger

Bella Berger - Außer Kontrolle
Originalausgabe
Dino Verlag November 2005
ISBN: 3-8332-1325-6


Originalausgabe: Dino Verlag
November 2005
Genre: Kinderkrimi
Zeit: Gegenwart
Handlungsort: Leipzig
Reihe: KiKa.Krimi.de Band 1