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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

liebe allein ist nicht genug -
im vertrauen - band 2


Die zehn Frauen, die in diesem Buch zu Worte kommen und ihre Geschichte erzählen, haben eines gemeinsam: sie haben es geschafft, sich aus einer traumatischen Kindheit, aus Abhängigkeit und Angst, aus Schuld und Selbstzweifeln, aus religiösen Zwängen und über Grenzen hinweg zu befreien. Da sind zum Beispiel Sonja, die ihrem Mann aus Liebe nach Saudi-Arabien folgte; die Griechin Chriso, deren Liebe zu Abdul gegen alle Regeln verstößt; Anna-Lena, die sich in einen Mann verliebt, der sie nur ausnutzt; Hannah, die in einer strengen Sekte aufwächst und Theodora, deren Fehler es war, als Mädchen auf die Welt gekommen zu sein.



LESEPROBE


Ich war bereits im Alter von sechs Jahren mit dem ältesten Sohn eines entfernten Verwandten verlobt worden. Meinen zukünftigen Gatten hatte ich seit über acht Jahren nicht mehr gesehen. Amir war drei Jahre älter als ich und studierte zurzeit in Amerika. Wir sollten heiraten, sobald er sein Studium beendet hatte.
Je älter ich wurde, umso furchtsamer sah ich meiner Ehe entgegen. Als Kind hatte ich Amir gemocht. Er war immer sehr lustig gewesen und stets zu einem Streich aufgelegt, doch woher sollte ich wissen, wie er sich entwickelt hatte? Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, einen Mann zu heiraten, den ich nicht liebte. 
Kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag lernte ich durch Zufall auf einer Ausstellung über Saudi-Arabien, die mein Vater mit uns besuchte, Stephan kennen. Ich hatte mich etwas abgesondert und betrachtete in einem der Nebenräume ein großes Foto, das drei verschleierte Frauen zeigte.
„Finden Sie es nicht auch schrecklich, was man in Saudi-Arabien den Frauen antut?“, sprach er mich an.
„Jedes Land hat seine Sitten“, antwortete ich diplomatisch. In der Öffentlichkeit hielt ich mich mit Bemerkungen über meine Heimat zurück.
„Ich bin nur hier, weil meine Schwester sich für Saudi-Arabien interessiert. Anabel hat sich in einen Saudi verliebt.“ Er hob die Schultern. „An ihrer Stelle würde ich spätestens nach dem heutigen Abend einen großen Bogen um jeden Saudi machen. Können Sie sich vorstellen, wie stickig es unter diesem Schleier und den Mantel sein muss?“
„Ich kann“, bemerkte ich trocken. „Mein Vater ist Saudi.“ Es gefiel mir, wie er zusammenzuckte. „Wenn ich in Saudi-Arabien bin, muss ich auch Abahja, Tuch und Schleier tragen.“
„Wie entsetzlich“, entfuhr es ihm. „Sind Sie schon lange in Deutschland? Sie sprechen sehr gut deutsch.“
Ich lachte. Obwohl es mir untersagt worden war, mit fremden Männern zu sprechen, gab ich bereitwillig auf seine Fragen Antwort. Der junge Mann gefiel mir. An diesem Abend fühlte ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich frei.
„Würden Sie am Samstagabend mit mir ins Kino gehen?“, fragte er. „Ich heiße Stephan Kayser. Ich würde gern mehr über Saudi-Arabien erfahren. Meine Schwester können wir mitnehmen. Wie gesagt, für sie ist es sogar sehr wichtig. Außerdem...“
„Wo treffen wir uns?“, fragte ich. „Seit Jahren darf ich nicht mehr allein aus dem Haus. Ich werde eine meiner Freundinnen bitten, mich einzuladen.“
Wir hatten gerade einen Treffpunkt ausgemacht, als mein Bruder Ahmed erschien. „Ach hier bist du, Layla“, meinte er und warf einen misstrauischen Blick auf Stephan, der völlig unbeteiligt wirkte. „Mutter hat schon nach dir gefragt.“
Ich folgte meinem Bruder in den Hauptraum der Ausstellung. Mein Vater hielt gerade eine Rede. Mit den Gedanken an den jungen Mann, den ich kennen gelernt hatte, hörte ich kaum zu.
In dieser Nacht träumte ich von Stephan. Ich sah mich mit ihm nach Rheinsberg hinausfahren. Er hielt meine Hand. Als es dunkel wurde, küsste er mich.
Am Morgen schämte ich mich fast meiner Träume. Ich nahm mit meiner Familie das Frühstück ein und ließ mich anschließend vom Chauffeur meines Vaters in die Schule fahren. Kaum traf meine Freundin Sharon, eine Engländerin, ebenfalls in der Schule ein, erzählte ich ihr von meiner Begegnung mit Stephan.
„Bitte gib mir für Samstagabend ein Alibi“, bat ich sie. „Stephan und ich möchten uns um sechs Uhr dreißig beim Zoo treffen. Dein Bruder könnte mich fahren.“



Maren Simonis




Maren Simonis - Liebe allein ist nicht genug
Originalausgabe
Aaronis Colletion
Januar 2011
Taschenbuch, 166 Seiten
ISBN: 978-3-936-52434-5

Originalausgabe:
  Aaronis Colletion
  Januar 2011
Genre: Liebe
Reihe: Im Vertrauen - Band 2
Zeit: Gegenwart
Handlungsort:
  Deutschland, Saudi-Arabien, Griechenland, Zypern, Spanien