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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Der Duft von Zitronen


Carolina ist Zuckerbäckerin mit Leib und Seele. Nur die Liebe lässt auf sich warten. Eines Tages soll ihr kleines Café Immobilienhaien zum Opfer fallen – die Rettung kommt von unerwarteter Seite. Denn Carolinas Gegenspieler bringt ihr verbotene Gefühle entgegen. Kann sie ihm vertrauen?





LESEPROBE


„Moment noch!“, rief Carolina und wischte sich mit der freien Hand einen Sahnefleck von der Stirn. „Bin gleich fertig.“

Ihre Tante Annette stand in der Tür zur Backstube - groß, hager und mit zwei Zornesfalten auf der Stirn. „Das Lokal ist voll, und im Garten stehen die Leute Schlange. Wir haben den ersten schönen Sonnentag, mitten im April. So etwas will ausgenutzt sein.“ Sie warf einen missbilligenden Blick auf die Arbeitsplatte. „Du musst bedienen, Kind, du kannst nicht nur deinen Schokoladenträumen nachhängen. Sonst gehen wir demnächst pleite.“

Carolina seufzte leise. Sie hatte gehofft, noch ein wenig Zeit für ihre neueste Kreation zu haben: Sahnetrüffel mit einem Hauch von Eierlikör. Außerdem hatten sie gestern die Kokoskugeln restlos ausverkauft. Zwar zu einem Sonderpreis, der kaum die Kosten deckte, aber immerhin. Außerdem mussten die Kunden nach und nach zu Pralinenliebhabern erzogen werden. Irgendwann würden sie damit auch gut verdienen.

Carolina war gern Konditorin, aber sie liebte es, Pralinen herzustellen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie überhaupt nichts anderes gemacht, als den lieben langen Tag lang, und gern auch die halbe Nacht, kleine süße Spezialitäten zu erschaffen. Doch das waren, wie Annette ganz richtig sagte, Träume, und die Wirklichkeit stellte andere Anforderungen. Das Café Sonnenschein musste Gewinn abwerfen, wenn sie beide davon leben wollten, und das bedeutete für Carolina: Täglich viele Kuchen backen, köstliche Torten erschaffen und Bleche voller Plätzchen aus dem Ofen holen. Außerdem natürlich die Gäste bedienen.

Carolina stellte das Tablett mit den Sahnetrüffeln beiseite, drehte sich um und lachte ihre Tante an. „Nicht böse sein, ich beeile mich ja schon.“

Zwei Minuten später eilte sie von Tisch zu Tisch. Unter ihrer Schürze trug sie eine weite Bluse und einen flatternden Glockenrock, der vielleicht vor zwanzig Jahren modern gewesen war. Carolina kümmerte das nicht. Mit Mode hatte sie nie viel im Sinn gehabt. Wie reizvoll gerade diese etwas altmodische Kleidung an ihr wirkte, fiel ihr selbst gar nicht auf. Sie nahm Bestellungen auf, servierte Kännchen mit heißem Kaffee, dazu Schwarzwälder Kirsch und Nusstorte, nahm sich bei den Stammgästen ein, zwei Minuten Zeit für einen kleinen Plausch und verbreitete mit ihrem großen, ihrem einmaligen Lachen, rundherum gute Laune.

Manche Leute behaupteten ja, das Café sei nach ihr benannt, weil Carolina wie ein Sonnenschein durchs Leben ging. Das norddeutsche, meist graue und nasskalte Wetter, konnte unmöglich bei der Namensgebung eine Rolle gespielt haben. Niemand erlebte Carolina je anders als fröhlich, niemand, ahnte, dass sich hinter ihm Lachen eine große tiefe Traurigkeit verbarg. Carolina hatte sich im Griff. Nur manchmal geriet ihre Fassade ins wanken. So wie jetzt, als sie in den Garten kam und die kleine Familie am Tisch unter der alten Eiche entdeckte. Sie kannte die Leute nicht, trotzdem traf sie der Anblick mitten ins Herz.


 




Brigitta D'Orazio


Brigitta D'Orazio - Der Duft von Zitronen
Originalausgabe
Langen Müller Herbig
Edition Tosca
, September 2009
Taschenbuch
ISBN: 978-3-7844-3202-1



Originalausgabe: Langen Müller
Herbig,
September 2009
Genre: Liebesroman
Zeit: Gegenwart
Handlungsort: Italien