Als Lucy Magic Beauty zum ersten
Mal sieht, ist sie sofort gefesselt von der geheimnisvollen Schönheit
der Stute. Doch Magic Beauty, die von ihrem grausamen Besitzer in einem
engen Stall gehalten wird, greift jeden an, der sich ihr nähert. Lucy
gelingt es, das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen und es auf die
Creekside Ranch zu bringen. Dort, auf den riesigen Weiden der Prärie,
fühlt sich Magic Beauty wohl. Und auch Lucy ist so glücklich wie noch
nie in ihrem Leben. Aber sie hat eine erbitterte Feindin, die alles
tut, um sie und ihr Pferd von der Ranch zu vertreiben …
LESEPROBE
»Wie geht's deinem Pferd?«, fragte Jack.
»Es ist verkauft worden.«
»Verkauft?«
Lucy zuckte traurig mit den Schultern.
»Hör mal. Mädchen. Ein solches Pferd gibt man nicht her. Du musst es dir zurückholen. Du könntest die Chance deines Lebens verpassen.«
»Aber wie denn? Ich habe kein Geld. Ich habe keine Weide. Ich lebe in einer Großstadt.«
Der Cowboy legte Lucy seine breite, schwielige Hand um die Schulter. Mit der Narbe, die wie eine tiefe Schlucht seine linke Gesichtshälfte teilte, jagte er ihr beinahe ein wenig Angst ein.
»Das Pferd ist unglücklich. Du bist unglücklich. Das ist nicht das, was Gott für die Schöpfung vorgesehen hat. Gott will, dass seine Geschöpfe glücklich sind.« Dann lachte er laut. »Vertrau auf Gott, sagen die Leute. Aber Jack sagt: Vertrau auf dein Pferd. Du musst deinem Pferd nur die richtige Frage stellen. Dann wirst du die Antwort bekommen.«
»Ich soll meinem Pferd Fragen stellen?« Lucy dachte an die merkwürdige Zwiesprache, die sie mit Magic Beauty gehalten hatte.
»Aber natürlich.«
»Unterhalten sich alle Cowboys mit ihren Pferden?«, fragte Lucy.
»Nein.« Er fixierte sie einen Moment lang. »Aber ich denke, du verstehst mich, Mädchen.«
Lucy nickte verwirrt.
»Damals, als man mir Blue Charlie angeboten hat, das war sein Name, war er zwanzigtausend Dollar wert, einer der besten Quarterhorsehengste, die es weit und breit gab. Vor dreißig Jahren waren zwanzigtausend Dollar sehr viel Geld. Aber sein Besitzer konnte nichts mit ihm anfangen. Blue Charlie hat jeden verprügelt, der sich ihm genähert hat. Sie haben ihn mir geschenkt, weil sie ihn sonst zum Abdecker hätten bringen müssen. Ich habe mich natürlich gefragt, ob ich es auf mich nehmen soll, gegen diesen Hengst anzutreten, nachdem so viele gute Männer an ihm gescheitert waren. Aber ich konnte der Herausforderung nicht widerstehen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich einen Moment allein sein wolle mit Blue Charlie. Dann habe ich mich vor seine Box gestellt und die Augen geschlossen. Hast du mal mit geschlossenen Augen vor einem Pferd gestanden?«
Lucy schüttelte den Kopf. »Nein.«
»Ich hab gesagt: Blue Charlie, alter Halunke, was wirst du mir geben, wenn ich dich mitnehme und dich auf eine schöne Weide stelle? Ich hörte einen fürchterlichen Schlag, als wolle er mit den Hufen die Boxenwand zertrümmern. Aber anstatt ihn anzubrüllen, wie er es wahrscheinlich gewohnt war, blieb ich ganz ruhig und hielt weiter die Augen geschlossen, um ihm zu verstehen zu geben, dass ich ihn wirklich hören wollte. Ich spürte seine Kraft. Dieses Pferd strahlte eine Kraft aus, wie ich sie nie zuvor bei einem Pferd empfunden habe. Es ist etwas, was man nicht messen kann, aber man kann es fühlen, und ich habe es gefühlt. Er war ein Herrscher, einer gegen den ich ein erbärmlicher Schlucker war.«
»Es ist verkauft worden.«
»Verkauft?«
Lucy zuckte traurig mit den Schultern.
»Hör mal. Mädchen. Ein solches Pferd gibt man nicht her. Du musst es dir zurückholen. Du könntest die Chance deines Lebens verpassen.«
»Aber wie denn? Ich habe kein Geld. Ich habe keine Weide. Ich lebe in einer Großstadt.«
Der Cowboy legte Lucy seine breite, schwielige Hand um die Schulter. Mit der Narbe, die wie eine tiefe Schlucht seine linke Gesichtshälfte teilte, jagte er ihr beinahe ein wenig Angst ein.
»Das Pferd ist unglücklich. Du bist unglücklich. Das ist nicht das, was Gott für die Schöpfung vorgesehen hat. Gott will, dass seine Geschöpfe glücklich sind.« Dann lachte er laut. »Vertrau auf Gott, sagen die Leute. Aber Jack sagt: Vertrau auf dein Pferd. Du musst deinem Pferd nur die richtige Frage stellen. Dann wirst du die Antwort bekommen.«
»Ich soll meinem Pferd Fragen stellen?« Lucy dachte an die merkwürdige Zwiesprache, die sie mit Magic Beauty gehalten hatte.
»Aber natürlich.«
»Unterhalten sich alle Cowboys mit ihren Pferden?«, fragte Lucy.
»Nein.« Er fixierte sie einen Moment lang. »Aber ich denke, du verstehst mich, Mädchen.«
Lucy nickte verwirrt.
»Damals, als man mir Blue Charlie angeboten hat, das war sein Name, war er zwanzigtausend Dollar wert, einer der besten Quarterhorsehengste, die es weit und breit gab. Vor dreißig Jahren waren zwanzigtausend Dollar sehr viel Geld. Aber sein Besitzer konnte nichts mit ihm anfangen. Blue Charlie hat jeden verprügelt, der sich ihm genähert hat. Sie haben ihn mir geschenkt, weil sie ihn sonst zum Abdecker hätten bringen müssen. Ich habe mich natürlich gefragt, ob ich es auf mich nehmen soll, gegen diesen Hengst anzutreten, nachdem so viele gute Männer an ihm gescheitert waren. Aber ich konnte der Herausforderung nicht widerstehen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich einen Moment allein sein wolle mit Blue Charlie. Dann habe ich mich vor seine Box gestellt und die Augen geschlossen. Hast du mal mit geschlossenen Augen vor einem Pferd gestanden?«
Lucy schüttelte den Kopf. »Nein.«
»Ich hab gesagt: Blue Charlie, alter Halunke, was wirst du mir geben, wenn ich dich mitnehme und dich auf eine schöne Weide stelle? Ich hörte einen fürchterlichen Schlag, als wolle er mit den Hufen die Boxenwand zertrümmern. Aber anstatt ihn anzubrüllen, wie er es wahrscheinlich gewohnt war, blieb ich ganz ruhig und hielt weiter die Augen geschlossen, um ihm zu verstehen zu geben, dass ich ihn wirklich hören wollte. Ich spürte seine Kraft. Dieses Pferd strahlte eine Kraft aus, wie ich sie nie zuvor bei einem Pferd empfunden habe. Es ist etwas, was man nicht messen kann, aber man kann es fühlen, und ich habe es gefühlt. Er war ein Herrscher, einer gegen den ich ein erbärmlicher Schlucker war.«


