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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

nebenbei die liebe


Bea hat sich viel vorgenommen: Nach dem Tod ihres Vaters führt sie dessen Kneipe weiter, gleichzeitig bereitet sich die junge Köchin auf einen wichtigen internationalen Wettbewerb vor. Als ihr alles über den Kopf zu wachsen droht, bekommt sie unerwartet Hilfe - und entdeckt so ganz nebenbei die Liebe.





LESEPROBE


Prolog

»Wisst ihr, was heute für ein Tag ist, Jungs?«

Wilhelm Gessler, genannt Willi, platzte beinahe vor Stolz auf seine Tochter Bea, sein einziges Kind. Er selbst war Koch und Gastwirt mit Leib und Seele. Im Augenblick stand er hinter dem Tresen seiner Kneipe Bei Willi und tunkte die gebrauchten Biergläser ins Spülwasser. Dann stülpte er sie über die aufrecht stehenden Spülbürsten, drehte sie mit routinierten Handbewegungen zum Säubern darüber und zog sie mit einem leichten Plopp wieder aus dem Wasser. Er reichte sie an seine Frau Silja weiter, die sie nahm und abtrocknete.

Silja Gessler war eine hübsche Frau von vierundfünfzig Jahren, die sich ernsthaft bemühte. Aber ihre Konzentration richtete sich mehr auf Dinge, die sich weit ab von der Realität anderer Menschen bewegten. Edwin Bauer, genannt Ed, der direkt neben ihr auf einem Barhocker mehr hing als saß, nahm jedes Glas, das sie ihm reichte, aus ihrer Hand und trocknete es selbst noch einmal gründlich ab. Erst danach waren die Gläser wirklich trocken.

»Heute entscheidet sich, wer für Deutschland zur nächsten Kocholympiade fährt«, sagte Willi.

»Kocholympiade? Ich kenn nur Sportolympiade.« Bauer Johann Davids nahm das vor Kälte beschlagene Glas, das vor ihm stand, und kippte den Schnaps mit einem Zug hinunter.

»Die besten Jungköche der Welt treffen sich alle zwei Jahre in Frankreich, um ihren Champion zu ermitteln. Erst einmal hat eine Frau den Wettbewerb gewonnen.«

»Sag bloß, deine Bea macht da mit?«

Willi Gessler strahlte über das ganze Gesicht. »Heute kämpft sie um die deutsche Meisterschaft. Wenn sie gewinnt, vertritt sie unsere Nationalfarben in Lyon.«

Eine Minute lang herrschte beeindrucktes Schweigen. Dann zündete sich Johann eine seiner geliebten Zigarren an und bestellte mit einem Finger ein zweites Glas Schnaps. »Also ich weiß nicht«, sagte er.

»Was weißt du nicht?« Willi, der die Flasche bereits in der Hand hielt, wartete.

»Kochen ist doch mehr ein Männerberuf. Für Frauen ist dat doch viel zu hart.« Johann schaute die Flasche an. Doch Willi machte keine Anstalten, ihm einzuschenken.

»So ein Quatsch. Meine Bea packt das schon. Die hat schon in den besten Küchen der Welt gekocht und sich überall durchgesetzt.«

Silja, seine Frau, hatte nun endgültig die Lust am Gläserabtrocknen verloren. Sie rutschte von ihrem Sitz und nahm Ed an die Hand. »Hilfst du mir Kräuter sammeln?«, fragte sie ihn.

»Ich kann noch nicht weg.« Ed, Bedienung und Mädchen für alles im Bei Willi, ließ seinen Blick über das vollbesetzte Lokal schweifen. An fast allen Tischen wurde noch gegessen und getrunken, gelacht und geraucht. Noch war nicht abzusehen, wann der letzte Gast gehen würde.

»Ich brauche deinen Ed noch hier im Lokal, Silja. Geh allein. Du findest die Kräuter, die du suchst, auch ohne ihn.« Willi störten die vielen Zuschauer nicht. Mit dem freien Arm - die andere Hand hielt immer noch die Schnapsflasche - umarmte er seine Frau und küsste sie auf den Mund. Derart liebevoll und intensiv, dass sich dabei ihr rechtes Bein wie von selbst angewinkelt nach hinten in die Höhe hob.

»Kokett wie ein junges Mädchen.« Der alte Johann grinste Ed breit an. Mit dem Kopf zeigte er auf die Schnapsflasche. Doch Ed schüttelte, ebenfalls grinsend, den Kopf. Da war nichts zu machen. Ein volles Glas würde es erst geben, wenn Willi es so entschied.

»In Norwegen nannte man mich auch die Kräuterhexe«, sagte Silja, atemlos nach Luft schnappend. »Niemand kannte sich so gut aus wie ich.«

»Mittlerweile bist du sogar noch besser geworden«, bestätigte ihr Mann bereitwillig mit einem liebevollen Lächeln. »Du riechst die Kräuter schon, bevor sie aus der Erde kommen.« Ohne hinzusehen, füllte er endlich Johanns Glas. Erleichtert leerte der alte Mann es in einem Zug.

»Weißt du was?«, sagte Willi zu seiner Frau. »Ich rufe unsere Bea schnell noch an und sage ihr, dass wir alle an sie denken. Stell dir mal vor, Silja - unsere Tochter gewinnt den Bocuse d' Or, die Olympiade der Köche. Ich sage dir, in dreißig Jahren gab es noch nie einen Ruhetag in diesem Lokal. Aber wenn unsere Bea in Lyon an den Start geht, dann machen wir hier dicht und fahren nach Frankreich.«

»Und wann fahren wir nach Norwegen?« Silja strich sich aufgeregt die Haare aus dem Gesicht.

»Bald, mein Schatz, das habe ich dir doch versprochen.« Willi hatte den Telefonhörer bereits in der Hand. Seine Finger zitterten, als er die Nummer von Beas Handy wählte.

»Mein Gott, bin ich aufgeregt. Mein Herz hüpft richtig. Als ob ich selbst dort vorkochen muss.« Angespannt lauschte er in den Hörer hinein.




Marte Cormann



Marte Cormann - Nebenbei die Liebe
Pavillon Verlag Juli 2006
Taschenbuch

Marte Cormann - Nebenbei die Liebe
Originalausgabe
Heyne Verlag Februar 2005
Taschenbuch
ISBN: 3-453-58005-2


Originalausgabe: Heyne Verlag
Februar 2005
Genre: Liebesroman
Zeit: Gegenwart
Handlungsort: Deutschland
(Meerbusch u.a.)