Salerno im 11. Jahrhundert: Hier
hat sich die junge Trota dank ihrer medizinischen Erfahrungen, die sie
im Harem von Messina gesammelt hat, einen Namen als Ärztin erworben.
Doch ihr Ruhm bleibt nicht unangefochten: Man neidet ihr ihre Stellung,
die für eine Frau ihrer Zeit ungewöhnlich ist, und wirft ihr sogar
schwarze Magie vor. Zudem leidet ihr geliebter Sohn unter einer
schweren Krankheit, die nur durch eine geheimnisvolle Medizin gelindert
werden kann. Diese aber kann ihr nur einer beschaffen: der muslimische
Gelehrte und Kräuterhändler Halifa, den sie einst in Messina kennen und
lieben lernte …
Der Mann hielt die Augen geschlossen, begann aber heftig zu stöhnen, als sie sich daran machte, die Wunde auszuwaschen und Dreck und Steinsplitter zu entfernen.
Ich werde ihm Wein und Mohnsaft einflößen, dachte sie, denn ihre Vorräte an Bilsenkraut waren längst zur Neige gegangen. Ala und sie hatten sich damit den harten Winter in den Alburner Bergen verkürzt, sie aber hatte in Reggio vergessen, ihre Vorräte wieder aufzufüllen.
Kurz entschlossen rief sie nach Halifa, der aufgeregt mit dem jungen Byzantiner diskutierte. Sie musste mehrmals nach ihm rufen, und als er endlich zu ihr kam, sah sie ihm seine Verstimmung an. »Was hast du?«
»Ein übliches Ärgernis zwischen Konkurrenten, nichts weiter.«
»Er ist Kräuterhändler so wie du?«
»Ja, man könnte aber ebenso glauben, er sei ein eifersüchtiger Halunke und Ränkeschmied.«
»So ein gutaussehender Mann? Wie heißt er überhaupt?«
»Niketa ist sein Name. Aber sieh dich vor, Trota!« Er hob halb spielerisch, halb ernst seinen Zeigefinger. »Ich bin es, der dir deine Wünsche erfüllt, gleich, welche es sind.«
»Gut, dann bringe mir schnell Wein und Mohnsaft.«
Halifa beugte sich über den Verletzten und murmelte: »Gib ihm nicht zu viel, ich fürchte, er hält sonst die Fahrt nicht durch.«
Kurz nachdem Trota dem Verletzten den mit Wein vermischten Mohnsaft eingeträufelt hatte, fiel dieser in Schlaf. Dann ließ sie ein kleines Feuer herrichten, bat Halifa um etwas Diktam und kochte es mit eigenen Kräutern aus ihrem Vorrat auf. Anschließend zerstampfte sie zwei Drittel der Masse und legte sie in einem Verband auf die Wunde. Den Rest ließ sie ein wenig länger im heißen Wasser ziehen. Dabei bemerkte sie, dass Niketa sie beobachtete. Doch sie kümmerte sich nicht darum, sondern fuhr in ihrer Arbeit fort.
* * * * *
Der Verletzte schlief. Trota setzte sich neben ihn, um seinen Schlaf zu bewachen. Sie war zufrieden mit sich und genoss das Gefühl, endlich wieder als Ärztin gefragt zu sein. Trotzdem hätte sie zu gerne gewusst, was es mit dem Streit zwischen Halifa und Niketa auf sich hatte.
Langsam verstrich die Zeit.
Trota dachte an Sikelgaita und fragte sich seit langer Zeit wieder einmal, ob die Prinzessin ihren Eingriff ohne Beschwerden überstanden hatte. Und wie mochte es Costas gehen? Ob er überhaupt noch lebte? Und ihr Geheimnis wahrte?
Würde sie wirklich jemals nach Salerno zurückkehren können?
LESEPROBE
Der Mann hielt die Augen geschlossen, begann aber heftig zu stöhnen, als sie sich daran machte, die Wunde auszuwaschen und Dreck und Steinsplitter zu entfernen.
Ich werde ihm Wein und Mohnsaft einflößen, dachte sie, denn ihre Vorräte an Bilsenkraut waren längst zur Neige gegangen. Ala und sie hatten sich damit den harten Winter in den Alburner Bergen verkürzt, sie aber hatte in Reggio vergessen, ihre Vorräte wieder aufzufüllen.
Kurz entschlossen rief sie nach Halifa, der aufgeregt mit dem jungen Byzantiner diskutierte. Sie musste mehrmals nach ihm rufen, und als er endlich zu ihr kam, sah sie ihm seine Verstimmung an. »Was hast du?«
»Ein übliches Ärgernis zwischen Konkurrenten, nichts weiter.«
»Er ist Kräuterhändler so wie du?«
»Ja, man könnte aber ebenso glauben, er sei ein eifersüchtiger Halunke und Ränkeschmied.«
»So ein gutaussehender Mann? Wie heißt er überhaupt?«
»Niketa ist sein Name. Aber sieh dich vor, Trota!« Er hob halb spielerisch, halb ernst seinen Zeigefinger. »Ich bin es, der dir deine Wünsche erfüllt, gleich, welche es sind.«
»Gut, dann bringe mir schnell Wein und Mohnsaft.«
Halifa beugte sich über den Verletzten und murmelte: »Gib ihm nicht zu viel, ich fürchte, er hält sonst die Fahrt nicht durch.«
Kurz nachdem Trota dem Verletzten den mit Wein vermischten Mohnsaft eingeträufelt hatte, fiel dieser in Schlaf. Dann ließ sie ein kleines Feuer herrichten, bat Halifa um etwas Diktam und kochte es mit eigenen Kräutern aus ihrem Vorrat auf. Anschließend zerstampfte sie zwei Drittel der Masse und legte sie in einem Verband auf die Wunde. Den Rest ließ sie ein wenig länger im heißen Wasser ziehen. Dabei bemerkte sie, dass Niketa sie beobachtete. Doch sie kümmerte sich nicht darum, sondern fuhr in ihrer Arbeit fort.
* * * * *
Der Verletzte schlief. Trota setzte sich neben ihn, um seinen Schlaf zu bewachen. Sie war zufrieden mit sich und genoss das Gefühl, endlich wieder als Ärztin gefragt zu sein. Trotzdem hätte sie zu gerne gewusst, was es mit dem Streit zwischen Halifa und Niketa auf sich hatte.
Langsam verstrich die Zeit.
Trota dachte an Sikelgaita und fragte sich seit langer Zeit wieder einmal, ob die Prinzessin ihren Eingriff ohne Beschwerden überstanden hatte. Und wie mochte es Costas gehen? Ob er überhaupt noch lebte? Und ihr Geheimnis wahrte?
Würde sie wirklich jemals nach Salerno zurückkehren können?



