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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Der Fluch der heilerin


Deutschland Ende des 14. Jahrhunderts: Als Wanderheilerin zieht die junge Melissa durch das Land am Oberrhein. Ihr Ziel ist es, ein Spital zu gründen. Doch der Weg dorthin ist lang und abenteuerreich, und mehr als einmal fragt sich Melissa, ob es ihr tatsächlich gelingen wird, ihre Mission zu erfüllen. Und was hat es mit dem Gürtel auf sich, den ihr sterbender Vater ihr einst vermachte und der angeblich der heiligen Martha gehört hat? Warum interessiert sich Hagen, ein Deutschordensritter, so für ihn? Melissa würde an ihrer Aufgabe verzweifeln, wäre da nicht Avremar, in den sie sich nach ihrer Flucht aus den Fängen einer Söldnerbande verliebt hat …





LESEPROBE


In den Salinen von Peccais, 1379/1380

 

Das Schiff kreuzte die Küste der Camargue entlang. Die Rhonemündung lag bereits hinter ihnen, es war Nachmittag. Melissa stand am Bug des Schiffes und hielt den Kopf in den Wind, leckte die Gischt von ihren aufgesprungenen Lippen. Die Sonne blendete sie, da sie gen Westen segelten. In ihrem Rücken blähten sich die Segel, unter ihr pflügte der Kiel durch die Wellen. Sie glitzerten einladend, und am liebsten hätte sie sich in ihre sanften Bewegungen hineinfallen lassen. Sie hätte es getan, wäre da nur nicht dieser Strick ...

Sie hob ihren Blick zu dem Schwarm kreischender Möwen, die sie seit ihrem Aufbruch in Marseille begleiteten.

Mein Traum hat sich auf teuflische Weise erfüllt, dachte sie bitter. Ich bin jetzt endlich auf einem Schiff, doch es ist eine Strafe.

Kreuzte der Segler, so dass er Kurs auf dieWeiten des Meeres nahm, wurde ihr leichter ums Herz, kam indes die Küste näher, packte sie die Verzweiflung. Dabei war sie weder  angeschrien noch geschlagen worden, trug nur diesen Strick, der sie an den ersten Mast des Schiffes fesselte. Sie sei zu schade für einen frühen Tod, hatte Graf Alzias zynisch gemeint und ihr damit zu verstehen gegeben, dass er wusste, sie würde sich ins Meer stürzen, um dem zu entgehen, was ihr bevorstand.

"Ihr werdet in unseren Salinen erfahren, wie bitter und ätzend Salz sein Kann." Dies waren Graf Alzias` letzte Worte, die er an sie gerichtet hatte. Wie lange sie dort büßen sollte, wusste er offensichtlich selbst nicht. Sie war seiner Gnade ausgeliefert. Wenn sie Glück hatte, erinnerte er sich in einem halben oder einem Jahr an sie. Wollte es das Schicksal anders, würde er sie vergessen.

Von der Gräfin konnte sie keine Hilfe erwarten. Sie hatte sich von ihrer schlechtesten Seite gezeigt, indem sie ihrem Mann einzureden versucht hatte, allein sie, Melissa, sei für die Abtreibung verantwortlich gewesen. "Ich hatte mich schon durchgerungen, dir alles zu beichten, da kam sie ..."

Er hatte seine Frau vor ihren Augen geohrfeigt.

Dafür hasste die Gräfin sie jetzt.

Sie wird mich so lange in den Salinen gefangen halten, bis ich entstellt bin, bis mir das Salz Gesicht und Körper zerfressen hat. (...)

 

Sie war durstig, leckte sich über die schmerzenden Lippen. Jetzt ist Winter, dachte sie, wie wird es erst im Sommer sein?




Ina-Marie Cassens

Ina-Marie Cassens - Der Fluch der Heilerin
Weltbild, Juli 2009
Hardcover
ISBN-13: 978-3-8289-9453-9


Ina-Marie Cassens - Der Fluch der Heilerin
Originalausgabe
Knaur Verlag August 2008
Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-63903-0


Originalausgabe: Knaur Verlag
August 2008
Genre: historischer Roman
Zeit: 14.  Jahrhundert
Handlungsort: Alexandria,
Montpellier, Tarascon, Arles,
Marseilles, Salinen von Peccais,
Genua, Tirol, Bodensee, Hochrhein