Tobias liebt Milena. Milena
liebt Tobias. Aber kann sie ihm vertrauen?
Tobias hat sich in Milena verliebt, die schlagfertig ist und selbstbewusst, aber auch sehr verletzlich. Denn Milena hat eine Gehbehinderung. Als Tobias endlich ihr Vertrauen gewinnt, funkt seine Stiefschwester Ilka dazwischen. Sie will die beiden um jeden Preis auseinander bringen. Deshalb zettelt sie eine Intrige an, die Tobias als miesen Frauenheld dastehen lässt. In letzter Minute kommt er mit Hilfe seines Freundes Björn Ilka und ihren Helfern auf die Schliche. Doch wie soll er Milena von der Wahrheit überzeugen?
Tobias hat sich in Milena verliebt, die schlagfertig ist und selbstbewusst, aber auch sehr verletzlich. Denn Milena hat eine Gehbehinderung. Als Tobias endlich ihr Vertrauen gewinnt, funkt seine Stiefschwester Ilka dazwischen. Sie will die beiden um jeden Preis auseinander bringen. Deshalb zettelt sie eine Intrige an, die Tobias als miesen Frauenheld dastehen lässt. In letzter Minute kommt er mit Hilfe seines Freundes Björn Ilka und ihren Helfern auf die Schliche. Doch wie soll er Milena von der Wahrheit überzeugen?
LESEPROBE
Die Frau an der Kasse drehte das Päckchen
ungefähr zweiunddreißigmal hin und her. Angeblich fand sie die
Markierungsstreifen zum Einscannen nicht. Ihre Blicke durchbohrten
mich, sie sagte kein Wort. Keiner sagte ein Wort. Eine tausendäugige
schweigende Schlange hatte sich hinter mir gebildet, deren Blicke ich
nicht erwiderte. Mittlerweile bereute ich zutiefst, gleich zur
Maxipackung gegriffen zu haben. Aber imagemäßig hatte ich bei Björn
einiges gutzumachen.
Mit starrem Finger wies die Kassiererin auf die kleinen grünen Zahlen, die endlich den fälligen Betrag anzeigten. Ich kratzte alles Geld aus meinen Taschen zusammen. Mir fehlten zwei Cent.
»Könnten Sie nicht eine Ausnahme machen?«, fragte ich mit rauer Stimme.
»Ausgeschlossen!«, zischte sie. Aus ihren Augen flogen Dolche.
»In einer Minute haben Sie das Geld. Ich muss nur eben …«
»Jetzt!«, befahl sie. »Oder du stellst die Dinger zurück.«
Die Leute in der Schlange waren mucksmäuschenstill. Das Gesicht der Kassiererin überzog sich mit roten Flecken. Sie machte eine Handbewegung, als wolle sie eine Fliege verscheuchen. Die Fliege war ich. Jetzt aber war auch die Fliege genervt. Ich brauchte einen Befreiungsschlag.
»Und das im Zeitalter von Aids!«, sagte ich laut. In der Schlange kicherte es. Ich hielt die Packung Kondome in die Luft und sah mich herausfordernd um. Alle starrten mich an. Ich war zum Mahnmahl geworden gegen Intoleranz und HIV. Jetzt sah ich, wer gekichert hatte. Ein Mädchen, ungefähr in meinem Alter. Sie war sehr hübsch. Sie grinste noch immer. Unsere Blicke trafen sich. Ich war mir sofort sicher, noch niemals in solche Augen geschaut zu haben. Sie waren groß, braun und schön. Das Lachen in ihnen wirkte ansteckend.
»Zahlen oder verschwinden!«, meckerte die Kassiererin. Ich hörte es und hörte es doch nicht. Das Mädchen streckte mir die Hand entgegen, schaute mich an. Ich hatte keine Ahnung, warum. Ich war wie hypnotisiert.
»Die zwei Cent«, sagte sie grinsend und blickte auf die Großpackung Kondome. »Du hast wohl noch einiges vor.«
Darauf fiel mir nichts ein. Stumm reichte ich das Geld weiter an die Kassiererin.
Von der Tür aus drehte ich mich noch einmal um. Das Mädchen schaute mir hinterher. Ich sah noch ihr Lächeln, dann stand ich total belämmert auf der Straße, besagte Maxipackung offen in der Hand. Grelles Sonnenlicht blendete mich. Björn wartete bei den Rädern.
»Du bist ja ganz blass«, sagte er.
»Da drinnen …«, stammelte ich.
Besorgt sah Björn mich an. »Was ist da drinnen? Außerirdische?«
»Ein Mädchen.«
»Whow!«, rief er. »Wahnsinn! Ein echtes Mädchen?«
Er nahm mich nicht ernst.
»Schwachkopf!«, sagte ich. »Eins steht fest: Gegen die ist Nadine hässlich.«
»Die da?« Björn deutete mit dem Kinn leicht nach links und guckte skeptisch.
»Quatsch!«, sagte ich. Ich sah nur ein Mädchen, das bei jedem Schritt mit dem linken Bein seltsam weit ausholte. Das Bein schien steif oder irgendwie verkrampft. »Doch keine Behinderte.«
In diesem Augenblick drehte sie sich um, und ich erkannte, dass es das Mädchen aus der Drogerie war. Wieder grinste sie mich an.
Mit starrem Finger wies die Kassiererin auf die kleinen grünen Zahlen, die endlich den fälligen Betrag anzeigten. Ich kratzte alles Geld aus meinen Taschen zusammen. Mir fehlten zwei Cent.
»Könnten Sie nicht eine Ausnahme machen?«, fragte ich mit rauer Stimme.
»Ausgeschlossen!«, zischte sie. Aus ihren Augen flogen Dolche.
»In einer Minute haben Sie das Geld. Ich muss nur eben …«
»Jetzt!«, befahl sie. »Oder du stellst die Dinger zurück.«
Die Leute in der Schlange waren mucksmäuschenstill. Das Gesicht der Kassiererin überzog sich mit roten Flecken. Sie machte eine Handbewegung, als wolle sie eine Fliege verscheuchen. Die Fliege war ich. Jetzt aber war auch die Fliege genervt. Ich brauchte einen Befreiungsschlag.
»Und das im Zeitalter von Aids!«, sagte ich laut. In der Schlange kicherte es. Ich hielt die Packung Kondome in die Luft und sah mich herausfordernd um. Alle starrten mich an. Ich war zum Mahnmahl geworden gegen Intoleranz und HIV. Jetzt sah ich, wer gekichert hatte. Ein Mädchen, ungefähr in meinem Alter. Sie war sehr hübsch. Sie grinste noch immer. Unsere Blicke trafen sich. Ich war mir sofort sicher, noch niemals in solche Augen geschaut zu haben. Sie waren groß, braun und schön. Das Lachen in ihnen wirkte ansteckend.
»Zahlen oder verschwinden!«, meckerte die Kassiererin. Ich hörte es und hörte es doch nicht. Das Mädchen streckte mir die Hand entgegen, schaute mich an. Ich hatte keine Ahnung, warum. Ich war wie hypnotisiert.
»Die zwei Cent«, sagte sie grinsend und blickte auf die Großpackung Kondome. »Du hast wohl noch einiges vor.«
Darauf fiel mir nichts ein. Stumm reichte ich das Geld weiter an die Kassiererin.
Von der Tür aus drehte ich mich noch einmal um. Das Mädchen schaute mir hinterher. Ich sah noch ihr Lächeln, dann stand ich total belämmert auf der Straße, besagte Maxipackung offen in der Hand. Grelles Sonnenlicht blendete mich. Björn wartete bei den Rädern.
»Du bist ja ganz blass«, sagte er.
»Da drinnen …«, stammelte ich.
Besorgt sah Björn mich an. »Was ist da drinnen? Außerirdische?«
»Ein Mädchen.«
»Whow!«, rief er. »Wahnsinn! Ein echtes Mädchen?«
Er nahm mich nicht ernst.
»Schwachkopf!«, sagte ich. »Eins steht fest: Gegen die ist Nadine hässlich.«
»Die da?« Björn deutete mit dem Kinn leicht nach links und guckte skeptisch.
»Quatsch!«, sagte ich. Ich sah nur ein Mädchen, das bei jedem Schritt mit dem linken Bein seltsam weit ausholte. Das Bein schien steif oder irgendwie verkrampft. »Doch keine Behinderte.«
In diesem Augenblick drehte sie sich um, und ich erkannte, dass es das Mädchen aus der Drogerie war. Wieder grinste sie mich an.


