Ein Roman so romantisch und unvergesslich wie ein Sommer an der Ostsee!
Ahlbeck, 1905: Die junge Fenja kommt nach dem Tod ihrer Mutter als Kindermädchen in den Haushalt der wohlhabenden Familie Hoschwitz. Liane, die Dame des Hauses, grämt sich darüber, nur ein einziges Kind zu haben, das zudem auch noch durch eine Kinderlähmung gehandicapt ist. Sie wünscht sich sehnlichst ein weiteres Kind, doch ihr Mann verweigert sich ihr. Fenja bleiben die Spannungen in der Familie nicht verborgen. Als sie sich in Achim von Bening, einen Veteranen des Burenkriegs und Hausgast der Familie, verliebt, stellt Fenja verbittert fest, dass auch Liane ein Auge auf Achim geworfen hat ...
Auch wenn sich alles in ihr dagegen wehrte, Fenja konnte Eddas Kuss nicht vergessen. Immer wieder malte sie sich aus, wie es wäre, wenn von Bening sie geküsst hätte. Sie dachte an die Erregung, die er in ihr ausgelöst hatte, als er sie in den Sattel hob. Es machte sie fast wahnsinnig. Vergeblich zwang sie sich, ihre Sehnsucht nach ihm zu verdrängen, aber ebenso gut hätte sie versuchen können, die Wellen des Meeres zu glätten.
Sie teilte ihr Geheimnis nun mit Edda, ein Geheimnis, das ihr – wie Edda richtig gesagt hatte – nicht das Recht gab, auf eine Erfüllung ihrer Liebe zu hoffen.
Spät am Abend kehrte Fenja noch einmal an den Strand zurück. Es war kühl und windig, doch sie brauchte das Meer, weil sie Linderung von der Unruhe suchte, die sie umtrieb. Sie lief dem Wind entgegen, an Heringsdorf vorbei und immer weiter. Sie beachtete weder die Fischer, die auf ihren Booten zum Entenfang hinausfuhren, noch die Seemöwen, die sie ein Stück weit hinausbegleiteten. Sie ließ selbst die Bernsteine unberührt, die seit der Sturmflut am Strand liegen geblieben waren. Ab und zu wandte sie sich um, sah zu ihren Spuren im feuchten Sand. Flach auslaufende Wellen verwischten sie immer wieder, und Fenja kam es vor, als wollten sie sie daran erinnern, dass es keine Vergangenheit gab, nur Gegenwart.
Sie fühlte sich wohl mit dem vertrauten Rauschen des Windes im Ohr, dem besänftigenden Schmatzen und Rollen des Wassers.
Als sie feststellte, dass ihre Sohlen durchweicht waren, hatte sie Bansin erreicht. Sie zögerte, ob sie sofort umkehren sollte. Doch obwohl sie fror, blieb sie stehen, als hielte sie der Anblick des ruhenden Meeres fest, über dem der Vollmond bereits wachte. Und plötzlich kehrte die Erinnerung an Achim von Bening zurück, die sie so lange mühevoll verdrängt hatte. Und je länger sie an die Silvesternacht und die Stunde am “Schwarzen Herz” dachte, desto einsamer kam sie sich vor, wie Treibgut, das von einer Sturmflut übrig geblieben war. Sie lauschte auf den Wind, als könne er ihr den Klang seiner Stimme zuwehen.
Sie würde ihn nicht vergessen.
Er fehlte ihr.
Er fehlte ihr jetzt.
Wie sollte sie nur mit einer Sehnsucht leben, die unerfüllbar bleiben würde?
Das Mondlicht spiegelte sich auf dem dunklen Antlitz der Ostsee. Es war, als hielten Himmel und Meer stille, geheimnisvolle Zwiesprache. (S. 78f.)
Wer, fragte sich Fenja, mochte dieser Mann sein, der Berthold daran hinderte, allein mit dem Rollstuhl herumzufahren? Für einen Vater wirkte er zu alt, für einen Großvater zu jung ... War er einer jener Berliner Unternehmer, Fabrikanten oder Bankiers, die die bürgerliche Atmosphäre hier in Ahlbeck jener aristokratischeren in Heringsdorf vorzogen? Oder fehlte ihm schlichtweg das Vermögen für den Bau einer eigenen Sommervilla? Wie auch immer, gewiss war, dass er es sich leisten konnte, im Ahlbecker Hof zu logieren und sich am Strand bedienen zu lassen: mit Morgenzeitungen, Kaffee und Gebäck aus der Hotelkonditorei, einem Glas Calvados oder Champagner.
Warum interessierte er sie? Lag es an ihrem Mitleid für diesen hübschen Jungen, der nicht wie andere seines Alters Flöße bauen oder segeln konnte? Oder hatte es etwas damit zu tun, dass er sein Wissen über einen neugestalteten kaiserlichen Uniformknopf ausgeplaudert hatte? Ein Knopf, der das Abzeichen der preußischen Krone trug. Jener Krone, der Achim von Bening diente.
Da war er wieder.
Ihr kam es vor, als hätte ihr das Meer ihre Erinnerung an ihn erneut ins Bewusstsein gespült.
Gab es kein Entrinnen vor der Sehnsucht?
Ohne dass sie wusste, warum, begann sie, sich auf den Sommer zu freuen. (S. 100f.)
Ahlbeck, 1905: Die junge Fenja kommt nach dem Tod ihrer Mutter als Kindermädchen in den Haushalt der wohlhabenden Familie Hoschwitz. Liane, die Dame des Hauses, grämt sich darüber, nur ein einziges Kind zu haben, das zudem auch noch durch eine Kinderlähmung gehandicapt ist. Sie wünscht sich sehnlichst ein weiteres Kind, doch ihr Mann verweigert sich ihr. Fenja bleiben die Spannungen in der Familie nicht verborgen. Als sie sich in Achim von Bening, einen Veteranen des Burenkriegs und Hausgast der Familie, verliebt, stellt Fenja verbittert fest, dass auch Liane ein Auge auf Achim geworfen hat ...
LESEPROBE
Auch wenn sich alles in ihr dagegen wehrte, Fenja konnte Eddas Kuss nicht vergessen. Immer wieder malte sie sich aus, wie es wäre, wenn von Bening sie geküsst hätte. Sie dachte an die Erregung, die er in ihr ausgelöst hatte, als er sie in den Sattel hob. Es machte sie fast wahnsinnig. Vergeblich zwang sie sich, ihre Sehnsucht nach ihm zu verdrängen, aber ebenso gut hätte sie versuchen können, die Wellen des Meeres zu glätten.
Sie teilte ihr Geheimnis nun mit Edda, ein Geheimnis, das ihr – wie Edda richtig gesagt hatte – nicht das Recht gab, auf eine Erfüllung ihrer Liebe zu hoffen.
Spät am Abend kehrte Fenja noch einmal an den Strand zurück. Es war kühl und windig, doch sie brauchte das Meer, weil sie Linderung von der Unruhe suchte, die sie umtrieb. Sie lief dem Wind entgegen, an Heringsdorf vorbei und immer weiter. Sie beachtete weder die Fischer, die auf ihren Booten zum Entenfang hinausfuhren, noch die Seemöwen, die sie ein Stück weit hinausbegleiteten. Sie ließ selbst die Bernsteine unberührt, die seit der Sturmflut am Strand liegen geblieben waren. Ab und zu wandte sie sich um, sah zu ihren Spuren im feuchten Sand. Flach auslaufende Wellen verwischten sie immer wieder, und Fenja kam es vor, als wollten sie sie daran erinnern, dass es keine Vergangenheit gab, nur Gegenwart.
Sie fühlte sich wohl mit dem vertrauten Rauschen des Windes im Ohr, dem besänftigenden Schmatzen und Rollen des Wassers.
Als sie feststellte, dass ihre Sohlen durchweicht waren, hatte sie Bansin erreicht. Sie zögerte, ob sie sofort umkehren sollte. Doch obwohl sie fror, blieb sie stehen, als hielte sie der Anblick des ruhenden Meeres fest, über dem der Vollmond bereits wachte. Und plötzlich kehrte die Erinnerung an Achim von Bening zurück, die sie so lange mühevoll verdrängt hatte. Und je länger sie an die Silvesternacht und die Stunde am “Schwarzen Herz” dachte, desto einsamer kam sie sich vor, wie Treibgut, das von einer Sturmflut übrig geblieben war. Sie lauschte auf den Wind, als könne er ihr den Klang seiner Stimme zuwehen.
Sie würde ihn nicht vergessen.
Er fehlte ihr.
Er fehlte ihr jetzt.
Wie sollte sie nur mit einer Sehnsucht leben, die unerfüllbar bleiben würde?
Das Mondlicht spiegelte sich auf dem dunklen Antlitz der Ostsee. Es war, als hielten Himmel und Meer stille, geheimnisvolle Zwiesprache. (S. 78f.)
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Wer, fragte sich Fenja, mochte dieser Mann sein, der Berthold daran hinderte, allein mit dem Rollstuhl herumzufahren? Für einen Vater wirkte er zu alt, für einen Großvater zu jung ... War er einer jener Berliner Unternehmer, Fabrikanten oder Bankiers, die die bürgerliche Atmosphäre hier in Ahlbeck jener aristokratischeren in Heringsdorf vorzogen? Oder fehlte ihm schlichtweg das Vermögen für den Bau einer eigenen Sommervilla? Wie auch immer, gewiss war, dass er es sich leisten konnte, im Ahlbecker Hof zu logieren und sich am Strand bedienen zu lassen: mit Morgenzeitungen, Kaffee und Gebäck aus der Hotelkonditorei, einem Glas Calvados oder Champagner.
Warum interessierte er sie? Lag es an ihrem Mitleid für diesen hübschen Jungen, der nicht wie andere seines Alters Flöße bauen oder segeln konnte? Oder hatte es etwas damit zu tun, dass er sein Wissen über einen neugestalteten kaiserlichen Uniformknopf ausgeplaudert hatte? Ein Knopf, der das Abzeichen der preußischen Krone trug. Jener Krone, der Achim von Bening diente.
Da war er wieder.
Ihr kam es vor, als hätte ihr das Meer ihre Erinnerung an ihn erneut ins Bewusstsein gespült.
Gab es kein Entrinnen vor der Sehnsucht?
Ohne dass sie wusste, warum, begann sie, sich auf den Sommer zu freuen. (S. 100f.)


