DeLiA

Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Der kuss des SCHOKOLADENMÄDCHENs


Mal ehrlich: Können Sie Schokolade widerstehen?

 

Madelaine Gürtler, die als “Schokoladenmädchen” mit ihren süßen Kreationen Furore und die Männer verrückt machte, ist mit ihrem Mann, dem Grafen Mazary, in seine Heimat Ungarn gezogen. Doch ihre Ehe steht unter keinem glücklichen Stern: Der lang erwartete männliche Erbe bleibt aus, und Madelaine erträgt den Druck kaum mehr, den die gräfliche Familie auf sie ausübt. Verzweifelt flüchtet sich Madelaine in die Arme eines anderen Mannes, doch dann droht sie die Liebe beider Männer zu verlieren ...





LESEPROBE


Bernhard Ulrich von Terenzin ging ihr nicht aus dem Kopf. Wieder und wieder hatte sie die Bilder des Abends vor ihrem inneren Auge Revue passieren lassen, jedes Wort, jeden Satz unzählige Male für sich wiederholt - und dabei so viele köstliche Pralinés gegessen wie noch nie zuvor in ihrem Leben: solche mit Krokantsplitter, Pistazien, Marzipan, Mocca und Mandelcreme. Und jetzt? Jetzt rückten die Zeiger der Uhr auf Mitternacht vor, und sie konnte immer noch nicht einschlafen - weil Terenzin in ihrem Kopf rotierte wie die Granitwalzen einer mélangeur. Er zermahlte ihre Gedanken, ihren Widerstand, ihre Moral, als seien es Kakaobrocken und Zuckerkristalle.

Sie hatte sich von dieser hemmungslosen Schlemmerei erhofft, die Süße der Schokolade könne den Aufruhr in ihr einschmelzen, umhüllen und sie weniger leiden lassen. Das aber war nicht der Fall. Im Gegenteil. Der Genuss der Schokolade hatte ihre Sehnsucht nach Terenzin nur noch weiter angeheizt. Sie hatte ihr eine Kraft geschenkt, die warm war und konzentriert, so dass es Madelaine vorkam, als sei sie eine pralle Kugel, die nur eines Blickes von ihm gebraucht hätte, um ins Rollen zu kommen. Er hätte sie lenken können, überallhin, schneller und schneller. ...

 

* * * * *

... Noch immer war die ganze Küche mit Schokoladenduft erfüllt. Madelaine trat an die Abtropfgitter heran. Mit einer kleinen Silberzange pflückte sie eine Praline Liebeslust und eine Praline Liebesleid aus den Reihen und setzte sie behutsam auf ihre linke Handfläche. Ganz so, als seien sie Marienkäfer, die das Glück, oder als seien sie Märchenfrösche im Pralinégewand, die die Liebe versprachen.

Madelaine betrachtete sie zufrieden und von schwindeligem Stolz erfüllt. Niemand würde je erfahren, dass die feste, dunkel glänzende Kuvertüre mehr als nur Aromen und Pariser Creme barg, sondern ihr ganz persönliches Geheimnis. Madelaine lächelte ihnen zu, als seien es tatsächlich schokoladige Geschöpfe, die ihr in ihrem stillen Reiz versprachen, zu schweigen.

Sie schob ihren Kopf vor und küsste erst das eine, dann das andere. Erst berührten ihre Lippen sie kurz, dann länger, bis die Kuvertüre schmolz, ihrer Zungenspitze Einlass gewährte zu ihrem Innersten. Madelaine labte sich abwechselnd an ihren Aromen, champagnerselig, liebestrunken, verzehrt von bitterer Sehnsucht.

Es schmeckte wie das Leben, wie die Liebe. Aber auch wie der Trost.

Le baiser de la chocolatière. Der Kuss des Schokoladenmädchens. Dies war ihre Stunde. ...

 

* * * * *

 

... Er machte eine Pause. "Was wirst du tun, wenn dein Vater in Hamburg ist? Willst du mich allein lassen? Ist jetzt die Stunde gekommen?"

"Andersherum gefragt: Willst du mich allein lassen? Bernhard ..."

András hob die Augenbrauen. "Bernhard? Was hat er gesagt?"

"Willst du es wirklich wissen?"

"Ja." Er stand auf.

"Nein, András. Es ist unwichtig."

Er packte sie an den Schultern. "Ich will es wissen, Madelaine!"

"Ich will mit dir leben! Ich will, dass du bei mir bleibst!" Sie schrie nun.

"Liebt er dich?"

"Du musst mich lieben, András! Du! Und du tust es nicht, wenn dir noch immer dein Vater, dieses ganze Gerede um Erbe und Vermögen so wichtig ist. Du musst dich entscheiden."

"Ist das dein letztes Wort?"

"Ja, zähle du die Wochen."

András sah ihr ernst in die Augen. "Bernhard ist, wie du weißt, Diplomat. Er wird in diesem Jahr vierunddreißig Jahre alt, viel zu alt, um länger unverheiratet zu sein. Er wird sich über kurz oder lang verheiraten müssen, um im diplomatischen Dienst weiter aufsteigen zu können."

"Das wird er nie!", brach es aus ihr heraus.

"Warum? Was willst du mir damit sagen?"

"Weil er ..."

"Das hat er dir gesagt?" András wurde bleich. "Ich fasse es nicht ... Das ist doch verrückt!"

"Du irrst dich. Er liebt nicht mich."

"Ach, Madelaine. Du verstehst uns Männer wirklich nicht. ... Er tarnt sich mit seinem Schmerz, um mal hier, mal dort die bittere Süße anderer Lieben auszukosten. Er will bemitleidet werden. Das ist alles."

Das stimmt nicht, dachte sie beklommen, ich weiß, dass uns etwas anderes verbindet, doch sie sagte nichts.



Katryn Berlinger



Katryn Berlinger - Der Kuss des Schokoladenmädchens

Weltbild Verlag
Taschenbuch, 522 Seiten
Oktober 2011
ISBN: 978-3-868-00969-9

Katryn Berlinger - Der Kuss des Schokoladenmädchens

Knaur Verlag
Taschenbuch, 522 Seiten
September 2011
ISBN:  978-3-426-50966-1

Katryn Berlinger - Das Schokoladenmädchen/Der Kuss des Schokoladenmädchens
Das Schokoladenmädchen/
Der Kuss des
Schokoladenmädchens
Buchgemeinschaft-
Taschenbuch-Paket
DER CLUB RM Buch und
Medien Vertrieb GmbH, Berlin,
Dezember 2010
Best-Nr.: 0118868 9 (1/2)
EAN 978-3-426-62570-5/63989-4


Katryn Berlinger - Der Kuss des Schokoladenmädchens
Weltbild, Juli 2009
Hardcover
ISBN-13: 978-3-8289-9413-3


Katryn Berlinger - Der Kuss des Schokoladenmädchens
Knaur Verlag Februar 2009
Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-63989-4



Originalausgabe: Knaur,
Februar 2009
Genre: historischer Liebesroman
Zeit: 1902 - 1915
Handlungsort: 

Österreich-Ungarn (Budapest,
Wien, Szeged) und

Hansestadt Hamburg