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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Vom Internet ins ehebett


Sie ist über 35 und beruflich erfolgreich. Besteht da wirklich eine größere Wahrscheinlichkeit, vom Tiger gefressen zu werden, als den Mann fürs Leben zu finden? Rosalind Steinberg beschließt, den Gegenbeweis anzutreten.

Ist eine Bar der richtige Ort, um den Traummann kennen zu lernen? Oder geht das besser über eine Partnerschaftsanzeige in der Zeitung? Soll sie die Ratschläge von Hochglanzmagazinen und Frauenzeitschriften befolgen? Oder sich im Internet auf die Suche begeben? Rosalinds beste Freundinnen sind sich nicht einig: die elegante Carla äußert ernsthafte Bedenken, die fröhliche Bea findet jedes Mittel recht, das zum gewünschten Ziel führen könnte.

Eh sie es sich versieht, hat Rosalind 36 Zuschriften in der Mailbox. Mit Bernhard schreibt sie »über Gott und die Welt«. Aber ist er wirklich der Richtige? Oder doch eher Greg, der Architekt mit den warmen, braunen Augen, mit dem sie wundervolle Tage in Wien verbringt? Schade nur, dass er viel zu jung für sie ist. Doch da betritt Stefan die Szene: vornehm, selbstbewusst, ein wahrer Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle seiner handgenähten Schuhe. Rosalind beschließt, eine Entscheidung zu treffen. Doch wie es nun mal ist, die wichtigsten Entscheidungen trifft das Leben selbst.





LESEPROBE


 
Rosalind trifft sich mit dem »biederen Geschiedenen« Alois Steuerthal bei einem nobelen Italiener. Auf dem Weg dorthin trifft sie Margarete Meiner, eine Bekannte.

Der Weg zur Siegmundstraße war nicht weit. Durch die Plauderei hatte ich meine Aufregung vor dem Treffen mit Herrn Steuerthal fast völlig vergessen. Und dann standen wir vor dem »Roberto«, und es stellte sich heraus, dass auch Frau Meiner dieses Restaurant als Ziel hatte.

Ich trat ein, ein Schwall warmer Luft empfing mich wohltuend. Ein Mann stand an der Garderobe und wartete. Seine schlanke, nicht allzu große Gestalt in nobles Tuch gekleidet. Er hatte sein markantes Kinn glatt rasiert, die grauen Schläfen gaben ihm etwas Weltmännisches. Sein Lächeln war äußerst attraktiv.

So hatte ich mir Herrn Steuerthal in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. So beeindruckend. So elegant. So verdammt gut aussehend. Er sah zur Tür und sein Gesicht begann zu strahlen. Oh Gott, ich dachte, mir würde die Luft wegbleiben. Es war so unwirklich. Es war so schön. Da stand er - mein absoluter Traummann und öffnete seine Arme. Ich war viel zu befangen, es ihm gleichzutun. Dabei hätte ich so gern den Mut gehabt, mich in diese Arme zu werfen!

Wie angewurzelt blieb ich an der Tür stehen, als er mit ausgebreiteten Armen zu mir herüberkam.

»Hallo, meine Schöne«, sagte er, und seine Stimme klang melodiös. Und … dann legte er den Arm um Margarite Meiner. Sie winkte mir zum Abschied zu und ließ sich von meinem Traummann lächelnd zum reservierten Tisch bringen.

Solche Traummänner reservierten ihre Tische immer zeitgerecht. Und sie bekamen den besten Tisch des Lokals. Nicht so wie ich.

Warum, verdammt noch mal, hatte überhaupt ich es übernommen, den Tisch zu bestellen? Warum nicht Herr Steuerthal? Wo war er überhaupt? Warum stand ich da, und keiner kam, um mich in die Arme zu schließen?

Vom ersten Tisch des Lokals grüßte ein Patientenehepaar zu mir herüber. Ich grüßte verschämt zurück und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Sicher hatten sie diese Szene mitverfolgt. Und fragten sich jetzt, warum ich da stand wie bestellt und nicht abgeholt. Ich war wirklich eine arme, ungeliebte, einsame …

Die Tür wurde aufstoßen und knallte mir unbarmherzig in den Rücken. Herr Steuerthal war gekommen.

»Oh, entschuldige. Mann, war das ein Verkehr. Dich suche ich, stimmt’s? Kann ich einfach »du« zu dir sagen? Stehst du schon lange in der Gegend herum? Hättest dich ruhig hinsetzen können, ich hätte dich gefunden. Die haben hoffentlich eine anständige Pizza in dem Laden. Ich habe einen Mordshunger.«

Also: Erstens war dies ein nobler Italiener. Das Wort »Pizza« war hier nicht gebräuchlich. Zweitens war Herr Steuerthal kein biederer Geschiedener. Drittens war er mindestens zehn Jahre jünger als ich. Und viertens hatte sein Dufflecoat Flecken. Ganz abgesehen davon, dass ich solche Mäntel auch ohne Flecken scheußlich fand.

* * * * *

Wir landeten schließlich bei einem heruntergekommenen Chinesen an der nächsten Ecke. Ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, mich nach einem passenderen Lokal umzusehen. Und Herrn Steuerthal »mit Kohldampf« war das Ambiente ohnehin egal. Wie, bitte, war ich auf die idiotische Idee verfallen, auf ein Inserat in der Zeitung zu antworten?

Ich stocherte in meinem süßsaueren Schweinefleisch, während Herr Steuerthal versuchte, seine »Acht Schätze« mit Stäbchen zu essen. Was ihm nicht so recht gelingen wollte. Ein Fleischbrocken nach dem anderen landete auf der ohnehin nicht sauberen Tischdecke. Schließlich wurde es ihm zu blöd und er schnappte sich den Löffel aus Porzellan, der für den Reis gedacht war, um das Essen fortan in sich hineinzuschaufeln. Ich redete kaum. Er redete viel.

Und nach zwei Stunden wusste ich alles von Mamsch, bei der er wohnte. Mamsch war seine Mutter. Papsch war schon gestorben (Wer konnte es ihm verübeln?). Christiane, die untreue Ehefrau, hatten Mamsch und er vor zwei Jahren aus dem gemeinsamen Haus hinausgeworfen - dort hatte sie nämlich mit den beiden gewohnt. Nein, geschieden im eigentlichen Sinn waren sie noch nicht. Aber er hatte es nicht so mit dem Behördenkram. Obwohl er selbst bei einer Behörde tätig war. Sachbearbeiter im Verkehrsamt. Denn Verkehr war seine Leidenschaft. In jeder Hinsicht, hahaha.

Aber auch auf dem Motorrad. Und natürlich im Wohnmobil. Sein Ein und Alles, seit Christiane das Weite gesucht hatte. Nein, danke, ich wollte keinen Pflaumenwein.



Sophie Berg

Sophie Berg - Vom Internet ins Ehebett
Ullstein Verlag Mai 2006
Taschenbuch
ISBN: 3-548-26343-7


Sophie Berg - Vom Internet ins Ehebett
Originalausgabe
Moments Verlag März 2005
gebundene Ausgabe
ISBN: 3-937670-47-5


Originalausgabe:  Moments Verlag
 März 2005
Genre: Frauenroman
Zeit: Gegenwart
Handlungsort: München, Wien