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Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

Die seifensiederin


Der betörende Duft von Paris …

Frankreich im 17. Jahrhundert. Ambra muss mit ansehen, wie ihre Eltern getötet werden - nur weil sie anders sind und es verstehen, Seife zu sieden. Ihr gelingt die Flucht, auch weil der junge Fuhrmann Mathieu, der ihr beisteht, in Notwehr einen Mord begeht. Die beiden beschließen, nach Paris zu gehen, um dort ihr Glück zu finden. Doch ein düsterer Verfolger hat sich an ihre Fersen geheftet, und zu allem Überfluss gerät Ambra auch noch in die Ränkespiele einer Marquise, die den König - Louis XIV - verführen will.Sinnlich und voller Dramatik - ein wunderbarer Roman über die Liebe und die geheimen Spiele der Macht.





LESEPROBE


Der Verschlag, in dem Mathieu schlief, lag über dem Pferdestall. Nachts raschelten im Heu die Mäuse, und er konnte La Blanche schnauben hören. Manchmal lag er wach, lauschte auf die Geräusche und dachte über sein Leben nach.

Der Faßbinder war ein alter, verbitterter Mann. Sein Weib und auch seine Kinder hatte er schon längst zu Grabe getragen, und so scherte er sich um nichts und niemanden mehr. Manchmal schlug er Mathieu, aber es war nie so schlimm wie bei seinem Onkel, und am folgenden Tag bekam er dann eine Brotsuppe zusätzlich.

Wenn er mit seinem Wagen durch die Stadt fuhr, sah er bei den Armen Mensch und Vieh verrecken, und bei den Reichen bogen sich die Tische unter der Last des Überflusses. War das gerecht? Niemand fragte danach.

Abends jedoch, wenn er mit Ambra und Marthe zusammensaß, der Hund zu ihren Füßen lag und Ambra aus einem der beiden Bücher vorlas oder die Lieder ihrer Mutter sang, dann blieb das Elend vor der Tür, und ein Glücksgefühl durchströmte ihn. Sein Herz fühlte sich dabei an, als wäre es plötzlich doppelt so groß und hätte keinen Platz mehr in seiner Brust.

Doch da war noch ein anderes Gefühl. Wenn er Ambra und Marthe so vertraut miteinander umgehen sah, dann spürte er
Eifersucht. Sie waren sich auf eine Weise nahe, die ihm fremd blieb. Wenn sie miteinander lachten und tuschelten, fühlte er sich ausgeschlossen. Er wußte, es ging nicht gegen ihn, aber er hatte keinen Zugang zu dem, was sie dachten und was ihre Seelen verband.

Wenn Ambra aus dem Buch las, hing sein Blick an ihren Lippen. Jedes Wort, das aus ihrem Mund kam, war wie eine Offenbarung für ihn. Nicht weil sie las, was sie las - sie hätte auch über die Pest lesen können. Doch was war das für ein Zauber, wenn die Worte, die in das Buch geschrieben waren, über ihre Augen in sie eindrangen, hineinglitten in ihren Körper, ihn ausfüllten, von innen liebkosten, sich wieder einen Weg hinauf suchten, auf ihrer Zunge aufblühten und schließlich aus ihrem Mund an sein Ohr perlten.

Manchmal wünschte Mathieu, er könnte das Lesen ebenfalls lernen. Er stellte sich vor, wie es wäre, wenn die Worte aus dem Buch auch durch seine Augen in sein Innerstes drängen, ihn ausfüllten, etwas von ihm erspürten und mitnähmen, bevor sie ihren Weg aus seinem Mund an Ambras Ohr fänden. So könnte er ihr endlich ganz nahe sein.




Angeline Bauer

Angeline Bauer: Die Seifensiederin
Originalausgabe
Aufbau Verlag August 2006
Taschenbuch
ISBN: 3-7466-2277-8


Originalausgabe: Aufbau Verlag
August 2006
Genre: historischer Roman
Zeit: 17. Jahrhundert
Handlungsort: Frankreich,
Zentralmassiv und Paris