DeLiA

Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren

DIE NÄRRIN DES KÖNIGS


Vor ihrer spitzen Zunge und ihren derben Späßen bleibt keiner verschont, und so wundert es nicht, dass Mathurine, die Närrin des Königs, sich immer wieder Feinde macht. Als der junge Nicolas d'Amerval an den Hof kommt, verliebt sie sich in ihn - doch solche Gefühle sind das Letzte, was eine Närrin sich leisten darf! Zu allem bleibt eine Liebesnacht mit Nicolas nicht ohne Folgen. Heimlich bringt sie ein Mädchen zur Welt, wohlwissend, dass sie es nicht aufziehen kann. Mithilfe einer verschwiegenen Hebamme gelingt es ihr, das Kind bei einer adeligen Familie aufwachsen zu lassen. Doch die Heimlichkeit hat ihren Preis. Jahre später droht Mathurines Tochter mit ihrem eigenen Vater verheiratet zu werden.





LESEPROBE


      "Schweig!" Heinrich fuhr herum und sah seine Närrin zornig an. "Ich habe dich nicht rufen lassen, um zu spotten - trösten sollst du mich!"
Mathurine lachte. "Hast du keine einfachere Aufgabe für mich? Ich könnte einen Gaul aus dem Fenster schleudern oder aus Wasser Wein werden lassen. Und überhaupt, was jammerst du um zwei Tote, wo doch Hunderte und Tausende in diesem elenden Krieg vor die Hunde gingen. Du hättest deine Lieblinge weiterhin in dein Bett statt in eine Uniform stecken sollen, jetzt ist es nun mal wie es ist."
    Heinrich verbarg das Gesicht in den Händen. "Ich hatte doch nur noch sie ... nur ihnen, meiner Mutter und dir konnte ich noch vertrauen. Und hätte ich etwa dich als meinen Heerführer in den Krieg schicken sollen?"
    "Mir hätte die Uniform jedenfalls besser zu Gesicht gestanden als deinen moschusduftenden Gespielen, und wer weiß, vielleicht hätte sich ein Weiberheld wie Heinrich von Navarra angesichts einer Frau wie mir ja zu Tode erschrocken!" Sie schlug sich lachend auf die Schenkel. "So leicht hätten wir noch keinen Krieg gewonnen!"
    Aufseufzend lehnte Heinrich sich zurück. Den Blick starr aus dem Fenster gerichtet, kraulte er das Fell seiner Hündin, die neben ihm lag. "Weißt du, wie es ist, wenn einem die Liebe das Herz zerreißt? - Aber nein! Liebe ist für dich doch nur ein leeres Wort, über das du dich lustig machst!"
    "Dann glaubst du also, eine Närrin hätte kein Herz und hätte nie geliebt?"
    Heinrich wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. "Du hast geliebt?" Erstaunt sah er sie an.
    "Vielleicht liebe ich noch - jetzt, in diesem Moment. Und jetzt schon nicht mehr. Und jetzt wieder!" Sie griff sich ans Herz, als schmerzte es. "Nein, nicht und niemals mehr! Oder doch? - Was ist schon Liebe! Ein Huschen, ein flüchtiger Gedanke, ein guter Duft, der verweht im ersten kalten Windhauch. Und weiß man, ob's wirklich Liebe ist, das dumme Herzklopfen, das unruhige Fordern der Gedanken?" Mathurine warf beide Arme hoch und flehte, als ginge es um ihr Leben: "Ich will ihn! Ich muss ihn haben! O Gott, bekomme ich ihn nicht, so werde ich sterben!" Sie sah Heinrich an. "Aber am Ende sind es doch bloß wieder deine Lenden, die dich glauben machen, dass dein Herz in Flammen steht."
    "Warum bist du so bitter? Niemand ist hier, der uns hören könnte. Also sag mir die Wahrheit - liebst du? Könntest du einen Mann so lieben, dass du nicht zögern würdest, mit ihm zu gehen, egal wohin, egal, was es dich kostet?"
    Mathurine wandte sich ab. "Was sprichst du in einem fort von Liebe und suchst in Wahrheit doch nur jemanden, der dir die Einsamkeit vertreibt. Lass mich in Ruhe damit!"
    Doch Heinrich gab nicht nach. "Dann glaubst du also nicht an die Liebe?"
    Mathurine fuhr herum. Ihr Blick war bohrend. "Ich glaube nur an eines - dass wir alle sterben müssen."
    Schweigend starrten sie sich an.
    Plötzlich wurde die Tür geöffnet. Ein Kammerherr trat ein und überreichte Heinrich ein Schreiben mit dem Siegel des Königs von Navarra. Er brach es, überflog leise murmelnd die Zeilen ,befahl dann: "Lasst sie eintreten."
    "Du bekommst Besuch?" Mathurine stand auf. "Dann kann ich jetzt wohl gehen ..."
    "Nein, bleib!" Heinrich fasste sie am Arm. "Du bist meine Zeugin. Aber setz deine Narrenkappe ab!"
    Ohne Narrenkappe war sie außer Dienst und hatte zu schweigen, so lange der König sie nicht ums Wort bat.
     Langsam griff sie danach und zog sie sich vom Kopf. Die Locken fielen ihr auf die Schultern, ihr Blick ging zur Tür ...



Angeline Bauer

Angeline Bauer: Die Närrin des Königs
Originalausgabe
Aufbau Verlag Januar 2008
Taschenbuch
ISBN: 978-3-7466-2388-7


Originalausgabe: Aufbau Verlag
 Januar 2008
Genre: historischer Roman
Zeit: 16. Jahrhundert
Handlungsort: Paris, Frankreich