LESEPROBE
Meister Zacharias drehte sich um. Sein Blick fiel auf das Fenster zum Hof. Drei der Butzenscheiben waren zerbrochen, eine herausgefallen. Daneben lagen auf dem Boden der Strohsack, auf dem er geschlafen hatte, eine alte Decke und drei Kissen.
Rechts die lange Fensterfront, die auf den Garten hinaus führte. Zwei der Fenster standen offen. Er ging hin, um sie zu schließen, verharrte aber in der Bewegung und lauschte auf das Getöse des Gewitters, das sich immer weiter entfernte. Ein Grollen, das aus Wolken fiel, die er in der Dunkelheit nicht sehen konnte, ein Rauschen in den Blättern der Bäume, das Prasseln des Regens gegen die Scheiben.
Und eine Stimme aus der Tiefe seiner Seele, die ihm sagte, dass hier etwas geschehen war, an das er sich nicht erinnern konnte.
Er legte seine Hände an die Schläfen und konzentrierte sich. Sah einen Jungen, noch keine zehn Jahre alt und doch schon vom Tod gezeichnet. Sah aufgeworfene Erde, als hätte man ein Grab ausgehoben, sah einen umgestürzten Baum - und wusste nicht, was all dies mit ihm zu tun hatte.
Seufzend schloss er die Fenster und blickte wieder in den Raum, starrte das Podest an, das an der Stirnseite gegen die Wand gerückt war. Bilder tauchten aus seiner Erinnerung auf. Das schöne Gesicht eines Mädchens mit dunklen Haaren, ein blaues Kleid, darunter ein Bein, leicht nach vorne gesetzt, so als würde das Mädchen tanzen. Ein Lachen hörte er und eine Stimme, die leise seinen Namen rief.
Meister Zacharias! Ich bin es, lasst mich herein! Oder wollt Ihr mich heute etwa nicht malen?

