bibo Loebnau - Zoe – Damals ist noch lang nicht heute

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eBook

VerlagCreateSpace
ErschienenFebruar 2014
ASINB00P161N9U
Seitenanzahl324
Preis3,99 €

Inhaltsangabe

Zoe ist charmant, cool, witzig, unabhängig, attraktiv, anspruchsvoll - und immer noch auf der Suche nach Mr. Right. Nach unzähligen grandios gescheiterten Fast-, Kurz- und Ganzkurz-Beziehungen zieht sie Bilanz und erzählt uns mit viel Selbstironie ihre Geschichte: Aus dem gemütlichen Bremen ins verlockende Berlin der 80er Jahre. Szenekneipen, Musik von Iggy Pop und David Bowie, Uni, Freundschaften und Affären - und immer wieder glaubt sie, den Mann ihrer Träume gefunden zu haben, der sich zumeist als Flasche entpuppt - und im besten Fall als schwul. Zum Glück hat sie Freunde, auf die sie sich verlassen kann, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen, aber leider nix von ihr wollen. Aber was genau will Zoe eigentlich?
Ein mitreißendes Hörbuch über die Suche nach dem Mann fürs Leben.

"Zoe hat das Zeug zum Bestseller" Hape Kerkeling

Leseprobe

Mittags wachten sie auf, stärkten sich mit den restlichen Keksen, packten zusammen und machten sich wieder auf den Weg in die Stadt.
"Wo wollen wir denn nun hin?", fragte Steffi.
"Auf Museum und so hab ich keine Lust. Das können wir machen, wenn wir alt sind. Ich würd lieber das Haus in der Hauptstraße in Schöneberg sehen, in dem Bowie und Iggy von '76 bis '78 gewohnt haben", schlug Zoe vor.
"Au ja!" Steffi war sofort Feuer und Flamme. Mit Reisetasche und Schlafsack bepackt, bummelten sie schließlich die Hauptstraße entlang. Nach zehn Minuten jubelte Zoe plötzlich: "Guck mal, da!"
"Hast du's gefunden?"
"Nee, da ist ein Hallenbad!"
"Willst du jetzt schwimmen gehen oder was? Wir haben doch gar keine Badeklamotten dabei", antwortete Steffi unwirsch.
"Nein, aber duschen kann man da! Ich fühl mich total klebrig und brauch dringend Wasser und Seife an meinem Körper."
"Okay, aber jetzt lass uns erst das Haus suchen."
Schließlich standen sie ehrfürchtig vor einem langweiligen, grauen Berliner Mietshaus mit der Nummer 155. Sie studierten die Klingelschilder, aber natürlich stand da nirgendwo "Hier haben mal David Bowie und Iggy Pop in einer Sieben-Zimmer-Wohnung zusammengewohnt und mächtig auf den Putz gehauen". Also starrten sie ergriffen das Haus an, scannten mit ihren Blicken jedes Fenster ab und stellten sich vor, dass der schöne David und sein verrückter Freund Iggy hinter irgendeiner Gardine ein paar schräge Jahre verbracht hatten.
Zoe seufzte auf: "Toll! Genau hier war er! Vielleicht hat er seinen Fuß auf diesen Stein auf dem Bürgersteig gesetzt. Und nun steh ich hier. Ich glaub, wenn ich nur lang genug hier stehen bleib, kann ich seine Aura spüren ..."
"So, so." Steffi war nicht sonderlich beeindruckt.
Doch Zoe ließ sich davon nicht beirren. Sie schmiegte sich mit ausgebreiteten Armen an die große Haustür und schloss die Augen. "Ja, David, endlich ... Ein Teil von dir ist noch hier. Hier bei mir. Kannst du mich auch spüren? Gib mir ein Zeichen!"
Sie zuckte zusammen, als ihr jemand unsanft auf die Schulter tippte. Verwirrt drehte sie sich um und öffnete die Augen. Sie stand einer sehr alten Frau mit einem aus der Form geratenen, lilafarbenen Kapotthut und einem knöchellangen, abgetragenen Kamelhaarmantel gegenüber, die sie grimmig anguckte.
Zoe brauchte einen Moment, um wieder zu sich zu kommen: "Dav... äh, ja ...?"
"Ick will da rinn!", giftete die alte Frau.
"Äh, ja klar. Ich auch ...", antwortete Zoe verwirrt.
Die Alte musterte sie misstrauisch: "Na, Mädel, wat suchste hier? Biste ooch so 'ne Verrückte?"
"Wie bitte?!"
"Na, hier komm' imma wieda so Bekloppte, die wissen woll'n, wo diese Rocker jewohnt ham. Du ooch?"
"Äh, ja, wenn Sie David Bowie und Iggy Pop meinen ..."
"Wie die heeßen, weeß ick nich. Interessiert ma ehrlich jesacht ooch nich die Bohne. War'n so'n dünner Blonder und so'n Hämekin, so'n kleener Uffjereechter. Die ham imma laut Musik jehört. Aber wat für welche! Keen Takt, keene anständije Melodie. Katzenmusik sach ick nur. Nee, wat war ick froh, als die nach zwee Jahr'n wieda vaschwunden sin'! Aber jetze komm' imma noch sone wie du und lungern hier rum. Also, nee!"
"Sie haben die beiden gesehen? So richtig in echt?" Zoe war total aus dem Häuschen.
"Ja, klar, ick hab doch bei de'n jeputzt. Na, dit sah da imma aus. Dit jloobste nicht!"
"Oh, darf ich Sie mal berühren? Ich kenn niemanden, der näher an David und Iggy war, als Sie!" Zoe streckte ihre Hand aus. Doch bevor sie die alte Frau anfassen konnte, drehte die sich mit erstaunlicher Gewandtheit weg.
"Dit jibs doch nich! Finga wech! Und jetzt Platz da, junget Fräulein, ick hab keene Zeit für sone Sperenzchen!"
Energisch drängelte sie Zoe zur Seite, öffnete mit ihrem großen Schlüsselbund zügig die Haustür und wartete mit misstrauischem Blick so lange, bis die schwere Tür mit einem lauten Krachen wieder ins Schloss fiel.